Schlimmer Gestank im Gotteshaus in Burladingen, Zollernalbkreis. Pfarrer Joachim Greulich und Gemeinde sind empört – „eine Schändung religiöser Symbole, von Gefühlen“.
Pfarrer Joachim Greulich ist fassungslos und entsetzt – so wie alle, die in vergangenen Tagen von dem jüngsten Vorfall in der Fideliskirche, Burladingen, Zollernalbkreis, erfahren haben. Schon in vergangenen Monaten machte sich jemand auf übelste Weise mehrfach in dem Gotteshaus zu schaffen. Opferkerzen wurden aufgeschichtet und der Stapel in Brand gesteckt (das Feuer erlosch glücklicherweise von selbst), weiter wurde die Osterkerze vor dem Altar verunstaltet und schmutzige Männerunterwäsche um das Taufbecken am Haupteingang herum drapiert. Dieser Täter konnte zwischenzeitlich ermittelt werden.
Jetzt ein neuer Schock, als Tobias Eisele, der den Mesnerdienst unterstützt, vergangenen Freitag, 5. Dezember, in die Fideliskirche kam. Es roch, nein es stank, nach Urin. Jemand hat die Flüssigkeit, offenkundig mehr als ein Liter, ins Weihwasserbecken am hinteren Eingang geschüttet. Dem stechenden Geruch nach keine menschliche, sondern vermutlich eine tierische Ausscheidung.
Noch, jetzt, Tage später, hängt das eklige Parfüm rund um das Becken in der Luft. Wer es in die Nase bekommt, wird es nicht so schnell wieder los. „Schweinepisse“ – fährt es einem schon bei leichtem Schnuppern unwillkürlich in den Sinn. Dass hier jemand „nur“ sein Wasser abgeschlagen hat, lässt sich kaum denken. Dafür ist der Gestank zu penetrant.
„Das ist versuchte Körperverletzung“
Pfarrer Greulich gab den Vorfall seiner Gemeinde am Sonntagmorgen beim Gottesdienst bekannt, nicht wissend, wer in den vergangenen Tagen beim Betreten der Kirche ahnungslos seine Finger in das – zwischenzeitlich geleerte – Becken getaucht hatte, um das Kreuzzeichen zu machen. „Das ist versuchte Körperverletzung“, so seine ungefähre juristische Einschätzung. Seine geistliche steht fest: „Es ist eine Schändung religiöser Symbole, von Gefühlen und eine Schändung des Glaubens anderer Menschen.“ Wer kirchenkritisch oder sogar auch -feindlich eingestellt sei, könne in einer Demokratie seine Überzeugung in Worte fassen. „Aber, dass jemand Dinge, die anderen heilig sind, auf solche Weise schändet und misshandelt und lächerlich macht, ist nicht zu tolerieren.“
Für den Täter könne man nur beten, dass er sich von seinem Tun abwendet. Das Vergehen wurde inzwischen angezeigt, die Polizei ermittelt erneut. Greulich hofft auf einen Erfolg, ist andererseits überzeugt, der Betreffende werde eines Tages seine Quittung erhalten. Irgendwann werde es ihm ebenfalls einmal widerfahren, dass ein anderer seinen eigenen Glauben und seine innersten Überzeugungen auf gemeine Weise mit Füßen tritt.
Der Geistliche hat sich bei seinem Vorgesetzten, dem Leitenden Pfarrer Thomas Fürst, informiert. Es kam demnach im Umkreis mehrfach zu Missetaten in anderen Gotteshäusern. In dieser krassen Form allerdings bisher noch nie. Weiter entfernt hingegen schon, es finden sich im Internet zahlreiche jüngere Fälle aus der gesamten Bundesrepublik.
Die Fideliskirche bleibt bis Mittwoch, 10. Dezember, geschlossen. Joachim Greulich bittet Anwohner und Besucher des nebenliegenden Friedhofs, ein Auge auf das Gotteshaus zu haben, wenn es wieder ganztägig geöffnet ist. Hinweise nimmt der Polizeiposten Burladingen entgegen: 07475 / 950010.