Ein Freizeitpark nur für Hunde: In Halbmeil haben Lioba und Karl-Heinz Schanz den „Pfotenspaß“ eröffnet. Auf einem Parcours mit 50 Stationen werden Vierbeiner geistig gefordert.
Achterbahnen, Shows, Wasserattraktionen oder Themenwelten erkunden – Freizeitparks wie der Europa-Park ziehen Tag für Tag Tausende von Gästen an. Ihre Hunde müssen meist zu Hause bleiben. Doch auch für sie gibt es nun ein Angebot, das die Vierbeiner ähnlich begeistern soll wie der Europa-Park die Menschen: Lioba und Karl-Heinz Schanz haben vor einer Woche den „Pfotenspaß“ eröffnet – einen Freizeitpark für Hunde.
Lioba Schanz und ihr Mann betreiben schon seit einiger Zeit eine Hundeschule in Wolfach-Halbmeil und haben viele Jahre Eurasier gezüchtet. „Beim Training auf dem Platz habe ich oft gesehen, dass viele Hunde zwar körperlich, aber nicht mental ausgelastet werden und ihnen in der Hinsicht zu wenig Beschäftigung angeboten wird“, berichtet sie. Ganz viele Hunde, gerade ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr, seien gelangweilt, denn ab diesem Alter sei die Welt nicht mehr so aufregend für sie wie noch als Welpe. Das äußerten die Tiere dann beispielsweise durch exzessives Bellen, das Zerstören von Dingen oder Unverträglichkeit gegenüber anderen Hunden.
Die meisten Halter kennen nur Schnüffelaufgaben
„Und langfristig hat das auch einen Einfluss auf die Entwicklung einer Demenz“, weiß Schanz. Denn genau wie Menschen entwickeln mental geforderte Vierbeiner eher eine Resistenz gegen den geistigen Zerfall im Alter als solche, die ihr Gehirn kaum benutzen müssen. Aufgrund ihrer Beo-bachtungen habe sie viele Hundehalter gefragt, welche Art von Kopfarbeit sie von ihren vierbeinigen Freunden zu Hause fordern, und die Antworten seien ernüchternd gewesen. „Außer Schnüffelaufgaben fällt den meisten einfach nichts ein“, fasst Lioba Schanz ihre Erfahrungen zusammen.
Sie selbst förderte die von ihr gezüchteten Welpen mit einem kleinen Abenteuerparcours im Garten und bekam von den späteren Besitzern ihrer Schützlinge durchweg positives Feedback bezüglich der Impulskontrolle und der Gelassenheit der Hunde. „Da ist bei mir der Traum entstanden, so etwas im Großen zu bauen“, erklärt Schanz, wie sie auf die Idee kam. Da sowohl sie als auch ihr Mann voll berufstätig und dementsprechend zeitlich eingebunden waren, warteten sie mit der Umsetzung bis 2025, als Karl-Heinz Schanz in Rente ging. Ein Jahr benötigten sie, um den Park zu planen, das Material zu besorgen und alles zu bauen.
Als Bezugsquellen nutzten sie unter anderem Ebay sowie Gebrauchtwaren- und Holzhändler. Gekostet hat der Park insgesamt etwa 10.000 Euro, „wobei die Lohnkosten den Großteil ausmachten“, so Schanz. Zwar hätten sie vieles in Eigenregie gemacht, aber bei manchen Dingen brauchten sie professionelle Unterstützung.
Entstanden ist ein Abenteuerspielplatz für Hunde mit 50 Elementen, auf denen die Tiere klettern und balancieren können, verschiedenen Reizen und Impulsen ausgesetzt werden und Denkaufgaben lösen – zumeist mit Dingen, die ihnen im Alltag begegnen, wie etwa Plastikflaschen, Reifen oder Bobbycars. „Es sollen alle Sinne angesprochen werden“, fasst Lioba Schanz zusammen. Viele Ideen holte sie sich von Kinderspielplätzen, und so verwundert es nicht, dass sich auf dem Platz unter anderem eine Hängebrücke und ein Kletternetz finden lassen.
Alle Sinne sollen angesprochen werden
Die Elemente sind je nach Schwierigkeitsgrad mit einem grünen, gelben oder roten Punkt farblich gekennzeichnet.
Der „Pfotenspaß“ ist laut Lioba Schanz für Hunde jeden Alters und fast jeder Größe geeignet. „Getestet ist er bis 80 Kilogramm, aber erlaubt sind nur Hunde bis 60 Kilogramm. Bei schwereren Tieren ist es einfach zu schwierig, sie von unten zu stützen, wenn sie klettern“, erklärt sie. Sowohl für draufgängerische als auch für vorsichtige Hunde finde sich etwas, wobei gerade Letztere von dem Parcours profitierten. „Sie können hier lernen, Hemmungen zu überwinden, Erfolgserlebnisse zu haben und so selbstbewusster zu werden“, sagt sie. Jedes Hund-Mensch-Team kann den Erlebnispark für eine Stunde zum Preis von 45 Euro buchen. Es sind nur Hunde gemeinsam auf dem Platz erlaubt, die sich gut kennen. Schanz steht Besitzern und Hunden mit Rat und Tat zur Seite, gibt eine Sicherheitseinweisung, erklärt die Aufgaben oder gibt Tipps für die Herangehensweise.
Bisher kommt ihr Angebot sehr gut an. „Das Feedback ist durchweg positiv, und es macht allen unheimlich viel Spaß“, berichtet Schanz. Noch deutlichere Rückmeldungen würden aber die Hunde geben. „Mit einer wedelnden Rute und einem dicken Grinsen im Gesicht.“
Anmeldung
Der Pfotenspaß in Wolfach ist in Deutschland nicht der erste Erlebnispark für Hunde, allerdings der erste in der näheren und weiteren Umgebung. Bevor der Pfotenspaß eröffnete, musste man nach Rheinland-Pfalz oder in die Schweiz reisen. Wer sich für den „Pfotenspaß“ anmelden will, kann das online über www.hunde-kompetenz.de tun, unter Telefon 0170/9 33 34 04 oder per E-Mail an kschanz@gmx.de