Na so was: Die Goldstadt wird zum Surfer-Paradies im Nordschwarzwald. Bis zum Frühjahr wird der Metzelgraben umgebaut, der dann mit einer einen Meter hohen Welle locken wird. Foto: Verein Blackforestwave

Im Metzelgraben kann künftig auf Wellen geritten werden. Erster Testlauf im März 2019.

Pforzheim - Mitten in der Pforzheimer Innenstadt kann künftig nicht mehr nur gebummelt oder spaziert, sondern bald auch auf halsbrecherischen Wellen geritten werden. Eine erfreuliche Nachricht für alle Surf-Fans, für manch anderen aber auch recht verwunderlich.

Ins Leben gerufen hat das Projekt der Verein Blackforestwave, der sich in Karlsruhe und Pforzheim für Wassersport engagiert. Anfang 2017 wurde der Verein gegründet, und er wächst seitdem kontinuierlich. Derzeit engagieren sich 25 aktive Mitglieder und etwa 30 Fördermitglieder, denen es ein großes Anliegen ist, die Flüsse in Pforzheim erlebbar zu machen und diese so stärker in das Stadtleben einzubinden.

Vier Jahre haben die Initiatoren an der Planung zu der "stehenden Welle" im Metzelgraben zwischen Kulturzentrum "Kupferdächle" und Stadtgarten gearbeitet. Der Metzelgraben fließt an der Dr.-Brandenburg-Straße und der Werderstraße entlang, und mündet bei der Herz-Jesu-Kirche in die Enz. Der Verein sieht ihn als den perfekten Standort für die künstliche Welle.

Anfang dieser Woche wurde mit den Arbeiten begonnen. Zunächst muss der Kanal trockengelegt werden. Dann können die Bagger anrücken. Bis Weihnachten sollen die Arbeiten am Fundament abgeschlossen sein. Rund 30 000 Euro kostet der Einbau. Im Frühjahr folgt dann eine Rampe. Durch diese flexible Holzkonstruktion soll die Flusswelle ab Anfang kommenden Jahres ganz ohne zusätzliche Energiezufuhr auskommen. 1,4 Kubikmeter Wasser können pro Sekunde und pro Breitenmeter durch den Kanal rauschen, wenn das Ganze fertig ist. Ziel sei es, eine fünf bis knapp acht Meter breite und einen Meter hohe Welle zu erzeugen, sagt Steffen Rose, leidenschaftlicher Surfer und Vorsitzender des Vereins.

Alle beteiligten Parteien, von Fischergruppen bis hin zum KIT Karlsruhe, zeigen sich kooperativ

Ende September erhielt Blackforestwave vom Amt für Umweltschutz der Stadt Pforzheim die wasserrechtliche Erlaubnis für den Bau des Fundaments als Grundlage der stehenden Flusswelle. Die Anfänge des Projekts liegen jedoch schon wesentlich länger zurück. "Während meinem Maschinenbaustudium in Pforzheim kam mir die Idee. Es ist wirklich toll, dass ein Plan, an den man durchgängig fest geglaubt hat, nun real wird", freut sich Rose.

Im Vorfeld waren jedoch viele Verhandlungen und Gespräche nötig. Blackforestwave hielt engen Kontakt zu allen Interessensgruppen, angefangen beim Wasserrecht über die Fischereivereine bis hin zur Stadt. "Alle zeigten sich sehr kooperativ. Wir haben in den vergangenen Jahren viele Unterstützer für die Idee gewonnen. Am Institut für Wasser und Gewässerentwicklung am KIT Karlsruhe konnten wir außerdem im letzten Winter Strömungsversuche durchführen und Erfahrungen in Hinsicht auf die Funktionsweise sammeln."

Die Surfwelle wird nicht die erste ihrer Art sein, dennoch kann man sie als kleines technisches Wunderwerk bezeichnen. "Der Kanal ist 7,5 Meter breit, im Bereich der Welle müssen wir ihn abschnittsweise ein wenig verengen. Die Welle kann dann sozusagen auf Knopfdruck an oder abgestellt werden", beschreibt Rose den Aufbau des Konstrukts. "Schnell fließendes Wasser trifft auf tieferes, langsamer fließendes. Man spricht von einem Wechselsprung, bei dem Energie umgewandelt wird. So entsteht die Bewegung im Wasser." Wenn der Vereinsleiter erklärt, wie die Welle erzeugt wird, klingt das ganz unkompliziert. Tatsächlich steckt aber jahrelange Planungsarbeit dahinter.

Die Initiatoren arbeiten an einer ganzjährigen Lösung für den Sportbetrieb ab 2020

Die Initiatoren sind übrigens längst keine Neulinge mehr, wenn es um die Umsetzung großer Pläne und Projekte geht. Der Verein hat zum Beispiel eine Flussputzaktion mit dem Fischerklub Pforzheim organisiert und im vergangenen Jahr die "SUP Events", ebenfalls mitten in Pforzheim, auf die Beine gestellt. Das war eine Veranstaltung für Stehpaddler.

Am Freitag, 14. Dezember, wird der Blackforestwave-Verein mit einem Spatenstich feierlich den offiziellen Baubeginn der Surfwelle einläuten. Ansässige Unternehmen unterstützen den Verein in Sachen Finanzierung. "Der Bau wird 40­ 000 Euro nicht übersteigen", versichert Rose. Der erste öffentliche Wellenbetrieb ist für die Monate März und April 2019 vorgesehen. In diesem Zeitraum soll das Surfen für zwei bis drei Wochen durchgehend angeboten werden. Zwar sei der Bau finanziert, freut sich der Vereinsvorsitzende. Wie lange genau die Welle dann aber zunächst unter Aufsicht betrieben werden könne, hänge letztlich von der Höhe der weiteren Spendengelder ab.

So oder so heißt es für eingefleischte Pforzheimer Surfer dann erst einmal, mindestens zwei Wochen lang jeden Tag zwischen grüner Idylle und städtischer Atmosphäre auf wilden Wellen zu balancieren. In dieser Phase wird der Betrieb zunächst in definierten Zeiträumen mit Veranstaltungscharakter stattfinden. In naher Zukunft will sich der Verein aber um eine ganzjährige Lösung für die Pforzheimer Surfwelle ab 2020 kümmern. "Die Nutzung der vorhandenen Gewässer hat für uns Priorität", erklärt Rose den Reiz am Surfen in der Stadt. "Je mehr Personen die Flüsse aktiv nutzen, desto mehr steigt auch das Interesse, sie sauber zu halten, wenn man sich im und am Wasser aufhalten möchte. Letztendlich profitiert also sogar die Umwelt davon."

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