Das Portal der neu zu bauenden Tunnelröhre wird etwas nach links verlegt werden. Foto: sb

Vorbereitungen für Bau einer größeren Röhre durch den Hachel laufen. Arbeiten sollen nächstes Jahr beginnen.

Pforzheim - Als vor kurzem beiderseits des Parkplatzes an der Ostseite des Finanzamts zwischen Rohn- und Moltkestraße die Bäume gefällt wurden, fragten sich Anlieger, was der Grund für diese Maßnahme sei. Eine mittlerweile marode Holztafel hatte vor Jahren für ein Wohnbauprojekt geworben, das aber nicht verwirklicht wurde.

Ein Nachbar hatte von den Arbeitern aufgeschnappt, dass wohl die Pforzheimer Bau und Grund das Grundstück erworben habe, und dass die Freiräumung des Areals wohl auch mit dem bevorstehenden Bau des neuen Eisenbahntunnels zu tun habe. Dies hat Wilfried Wibusch, Geschäftsführer der Wohnbaugesellschaft, bestätigt: "Nachdem sich hier schon einige mit einer Bebauung versucht hatten, haben wir uns das Grundstück gesichert. Wobei wir noch keine konkreten Pläne haben."

Zunächst wird der bisherige Parkplatz der Deutschen Bahn zur Verfügung gestellt, die ihn als Baustelleneinrichtung nutzen wird, wenn sie die neue Röhre unter dem Hachel bauen wird." Da dies wohl nicht ohne Erschütterungen vonstatten gehe, werde mit einem Neubauprojekt gewartet, bis der Tunnel fertig sei. "Für uns ist das nun ein Vorratsgrundstück. Das bleibt so lange liegen", so der Pforzheimer-Geschäftsführer.

Die Rodung von Bäumen und Gestrüpp sei vorgenommen worden, damit das Umfeld ordentlich aussieht. Die Deutsche Bahn steht sozusagen in den Startlöchern, um den rund 900 Meter langen, in den Jahren 1858 bis 1860 gebauten Tunnel zu ersetzen. Als die Planungen im November 2011 bei einer öffentlichen Veranstaltung im Congress Centrum vorgestellt wurden, war noch davon ausgegangen worden, dass mit den Arbeiten im Frühjahr 2014 begonnen werden kann. Laut Martin Schmolke, Leiter und Sprecher Baden-Württemberg von DB Mobility Logistics, liegt der Planfeststellungsbeschluss für das 50-Millionen-Euro-Projekt vor. Derzeit würden die Unterlagen für die Ausschreibung der Bauarbeiten erstellt.

Im Herbst sollen auf Ispringer Seite die notwendigen Rodungen vorgenommen werden. Im Frühjahr 2015 soll dann das notwendige Verlegen der Königsbacher Landstraße erfolgen. Von der Bahn, die angekündigte hatte, für Gebäude ein Gutachten erstellen zu lassen, die möglicherweise von Erschütterungen und Schall in der neuen Röhre betroffen sind, wird eine Beweissicherung in den Häusern vorgenommen. Es wird der Ist-Stand dokumentiert, um feststellen zu können, ob sich wegen der Arbeiten an Wänden oder Decken neue Risse ergeben haben oder größer geworden sind. Der aktuelle Zeitplan sieht eine Fertigstellung des neuen Tunnels im Herbst 2018 vor.

Im Ispringer Tunnel liegen die Gleise zu dicht beieinander. Es gibt keinen Fluchtweg (nur Nischen), Grundwasser dringt ein und macht den mit Buntsandsteinquadern ausgemauerten Tunnel instabil. Ständig müsse die Standsicherheit überprüft werden.

Untersucht hat die Deutsche Bahn mehrere Varianten:

Ausbessern der Mauer, die bereits 1984 komplett saniert worden war, das aber weiterhin kostenintensiv stattfinden müsse. Die bestehenden Nachteile in der Röhre würden weiter bestehen.

 Aufweiten des bestehenden Tunnels, der dazu längere Zeit gesperrt oder nur eingleisig genutzt werden könnte. Die damit verbundenen Einschränkungen wurden wegen der Bedeutung der Strecke für den Personenfern- und Regionalverkehr sowie für den Güterverkehr als nicht vertretbar gehalten.

 Der Neubau einer eingleisigen Tunnelröhre sowie die Erneuerung der alten Röhre für dann nur noch eingleisigen Betrieb wurde ebenfalls wegen der Einschränkungen verworfen.

 Neubau sowie anschließendes Verfüllen des historischen Tunnels. Sein Eingangsportal steht unter Denkmalschutz.

Diese Variante wurde schließlich weiterverfolgt. Die neue Röhre wird dazu bis zu 30 Meter westlich durch den Fels (Muschelkalk) getrieben.

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