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Pforzheim Hells Angels verlassen Quartier

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In aller Stille packten die »Hells Angels« ihre Siebensachen und verschwanden aus ihrem ehemaligen Clubheim. Vergangenheit ist der Versammlungstisch im Keller des mehrgeschossigen Hauses. Foto: Polizei

Pforzheim - Die Rocker-Bande "Hells Angels" hat ihr Hauptquartier in der Nordstadt geräumt. Ein Anwalt prüft eine Eilverfügung gegen das lokale Vereinsverbot.

Nein: Im Keller des Hauses an der Karolingerstraße 27 werden die Rocker der Pforzheimer "Hells Angels" wohl nie mehr an dem langen Tisch ihre Tafelrunde abhalten. Auch werden zwei ihrer Mitglieder, die im Vereinsheim in der Nordstadt eine Wohnung hatten, die längste Zeit darin gewohnt haben: Giovanni S. und Sammy K. (Namen geändert). Der eine war das Opfer eines Stichs in die Leber am 27. November vergangenen Jahres, als man sich mit sieben Mitgliedern der Türsteher-Clique "United Tribuns" eine Schlägerei am Güterbahnhof lieferte.

Der andere war und ist noch Vize-Chef der "Hells Angels", saß seit der ersten Großrazzia der Polizei im Dezember sieben Monate in Untersuchungshaft und wurde vor zwei Wochen wegen seiner Verstrickung in besagte Schlägerei zu drei Jahren und drei Monaten Haft wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Terminwohnung für Prostituierte

Nun also sind beide Briefkästen leer, der eine steht offen, und am Wochenende verschwanden die Namensschilder. Abmontiert wurde auch das Schild "Dies ist kein Bordell". Es wurde unmittelbar nach dem Einzug der "Hells Angels" in die Immobilie vor zwei Jahren angebracht. Einem Zeitungsbericht zufolge war das Haus als Terminwohnung für Prostituierte genutzt worden.

Die "Hells Angels" verwandelten das Haus in eine Mischung aus Wohnungen, Partykeller, Schaltzentrale und Festung. Die Bilder, die die Polizei bei den Razzien schoss, zeigen so ernannte "Balkenschuhe", als Vorrichtungen rechts und links des Türrahmens, in die quer Kanthölzer eingelegt werden können für den Fall, dass ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei mit seiner gefürchteten Ramme kommen sollte. Es nützte nichts.

Im Rahmen der zweiten Razzia in diesem Frühjahr hatte das Innenministerium über das Regierungspräsidium Karlsruhe ein Verbot gegen das lokale Charter "Borderland" und die Unterstützer vom "Commando 81" verhängt. Christoph Reichert, Leiter der Anklagebehörde, nennt den Auszug aus der Karolingerstraße "folgerichtig", denn auch ohne Kutten hätten Polizei und Justiz bei Treffen im Haus Anlass zur Vermutung gehabt, die als illegal eingestuften Strukturen des Vereins würden fortgesetzt. Und das wäre gemäß dem Vereinsrecht verboten – geahndet mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafe.

"Wir würden furchtbar aufs Dach kriegen, wenn die ›Hells‹ blieben und sich treffen würden", sagt Marco Bruns, Rechtsanwalt aus Frankfurt, auf Anfrage und bestätigt den Auszug der "Hells" ebenso wie Werner S., zehn Jahre lang Mitglied der Rocker-Gruppe MC Gremium und vor drei Jahren zu den "Hells" gewechselt. Bruns vertritt die Rocker bei ihrer Klage gegen das Vereinsverbot vor dem Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim. In den nächsten Wochen will er in Absprache mit seinen Mandanten entscheiden, ob er eine Eilverfügung gegen das Verbot erwirken will.Ginge alles seinen geregelten Gang, dauerte das Verfahren nach Bruns Einschätzung mindestens eineinhalb Jahre.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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