Zehn Artgenossen dieses gesunden Pferdes wurden in einem Engelsbrander Ortsteil völlig vernachlässigt. Foto: sb

Für eines der abgemagerten Tiere kommt jede Rettung zu spät. Besitzerin wohl überfordert.

Engelsbrand - Diesen Anblick wird die Frau aus Engelsbrand so schnell nicht vergessen: In dem Stall in einem Engelsbrander Ortsteil blicken ihr etwa zehn Pferde entgegen – alle bis auf die Knochen abgemagert, manche Fohlen haben aufgeblähte Bäuche.

In einer Ecke liegt ein Pferd auf dem Boden, es strampelt mit den Beinen und ist bereits wund gelegen. "Es war einfach furchtbar", erzählt die Frau, die sofort das Veterinäramt einschaltete. Wenig später zeigt sich, dass sie richtig erkannt hat, wie dramatisch die Lage ist: Das Pferd, das auf dem Boden liegt, muss eingeschläfert werden. Um die anderen Tiere wird sich das Amt kümmern.

Wie die Frau aus Engelsbrand berichtet, sei in dem Stall bereits vor zwei Wochen ein Tier gestorben. Am Mittwoch sei sie informiert worden, dass es erneut einem Tier schlechtgehe – und sei dann gemeinsam mit Bekannten in den Stall gegangen.

"Wir haben zuerst versucht, das Pferd wieder auf die Beine zu bekommen, aber es war schon zu spät", erzählt sie. Das Pferd sei bereits zu schwach gewesen und habe hilflos in seinem Kot gelegen. Die Besitzerin der Tiere sei nicht da gewesen. "Ich bin erschüttert, dass sie sich nicht um das Tier gekümmert hat. Da dreht sich einem der Magen um", meint die Frau, die selber Pferde besitzt. Auch die anderen Tiere hätten ein Bild des Jammers geboten: Abgemagert standen sie bis zu 40 Zentimeter hoch in ihrem Mist, beschreibt die Frau.

Die aufgeblähten Bäuche der Fohlen seien ein Zeichen dafür, dass sie wohl noch nie eine Wurmkur erhalten hätten. Unhaltbare Zustände, wie sie meint. Eine Bekannte sei zusammengebrochen, als sie das Leid der Tiere gesehen habe.

Jetzt wird sich das Veterinäramt dem Schicksal der Pferde annehmen, wie Leiter Ulrich Dura mitteilt. Man werde Maßnahmen treffen, damit es den Tieren bessergehe, kündigt er an. Aber das schaffe man nicht von heute auf morgen. Es müsse überprüft werden, ob man einzelne Tiere anderweitig unterbringen kann – die Pferde sind zwischen einem und 20 Jahren alt. In Einzelfällen könne er aber auch nicht ausschließen, dass ein Tier beim Schlachter landen könnte, räumt er offen ein.

Noch sei nicht klar, warum sich die Besitzerin nicht genügend um ihre Tiere gekümmert hat, ob es an Zeit- oder Geldmangel lag. Auf jeden Fall sei sie mit den Pferden, die sie sich als Hobby hielt, überfordert gewesen. "Es ist nicht ganz einfach, zehn Pferden gerecht zu werden", betont Dura. Außerdem prüfe das Veterinäramt, ob die Besitzerin wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz angezeigt wird.

Wer sich vorstellen könnte, eines der Pferde zu übernehmen, kann sich unter der Telefonnummer 07231/3 08 94 01 mit dem Veterinäramt in Verbindung setzen.