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Pforzheim Ein "umweltpolitisches Sahnestück"

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Roland Bauer (von links), Dirk Büscher, Manuela Lüttke, Wolfgang Faber und Thorsten Sudhof freuen sich bei einem Presserundgang im Klärwerk über die sukzessive Inbetriebnahme einer vierten Reinigungsstufe. Sie soll Spurenstoffe aus dem Abwasser herausholen.Foto: © Stadt Pforzheim Foto: Schwarzwälder Bote

Gleich zwei anstehende Großprojekte am Hohwiesenweg zeigen in diesen Tagen, dass Pforzheim beim Thema Umweltschutz ganz weit vorne mitspielt.

Pforzheim. Am Heizkraftwerk entsteht ein neues Gasmotorenwerk für 75 Millionen Euro mit dem künftig 3000 Haushalte umweltfreundlich bedient werden können. Am Klärwerk wird in diesen Tagen für weitere 13 Millionen Euro die vierte Reinigungsstufe sukzessive in Betrieb genommen, um die sogenannten Spurenstoffe aus dem Abwasser heraus zu filtern, heißt es in einer Pressemitteilung.

So verwundert es nicht, wenn ein gut gelaunter Erster Bürgermeister bei einem Presserundgang den Neubau entsprechend würdigt: "Seit dem ersten Spatenstich Anfang 2018 sind eineinhalb Jahre vergangen. Mit der Inbetriebnahme des vom Land Baden-Württemberg geförderten Projekts geht eine der modernsten Abwasseranlagen für kommunales Abwasser in Deutschland in Betrieb. Wir sind froh, dass wir für alle Herausforderungen der Abwasserbehandlung hervorragend gerüstet sind."

8000 Substanzen

Doch um was geht es genau? Spurenstoffe sind beispielsweise Arzneimittel, Röntgenkontrastmittel, Industriechemikalien oder Pestizide. Im Abwasser seien mehr als 8000 verschiedene Substanzen in sehr geringen Konzentrationen gelöst. Die Stoffkonzentrationen lägen im Mikrogramm- und Nanogrammbereich. Spurenstoffe seien biologisch nicht abbaubar, Anreicherungen in den Gewässern aber wahrscheinlich. Nachdem die Klärwässer in Pforzheim die mechanische, biologische und chemische Klärung hinter sich gebracht haben, werden in einem weiteren Schritt nunmehr die Spurenstoffe eliminiert. Das passiert mit Hilfe von Aktivkohle mit einem nachgeschalteten Nachklärbecken und einer kompakten Filteranlage als Tuchfilter. In einem Multifunktionsgebäude ist die Technik untergebracht. Die Anlagentechnik mit Elektro-, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik sei installiert, das Sedimentationsbecken mit der technischen Ausrüstung vollständig erstellt.

Anfang der Woche wurde das Aktivkohlesilo befüllt. Jetzt kann der Betrieb mit Aktivkohle erfolgen. "Das ist ein hochkomplexes Steuerungsverfahren, bei dem wir jährlich rund 120 Tonnen Aktivkohle benötigen. Mit rund 10 Milligramm Aktivkohle pro Liter Klärwasser können wir die Spurenelemente binden", so ESP-Werkleiter Thorsten Sudhof.

Betriebliche Optimierung

Mit dem Einsatz der Aktivkohle würden auch die Dosiermengen der anderen Betriebsstoffe, wie Flockungsmittel oder Fällmittel, eingestellt. Da bisher nur wenige Erfahrungswerte vorhanden seien, müssten alle Dosierungen speziell auf das Abwasser der Kläranlage Pforzheim angepasst werden.

"Wir gehen davon aus, dass die wesentlichen Grundeinstellungen der Anlage bis 2021 angepasst werden", so Thorsten Sudhof.

Und der Betrieb dieser Anlage hat noch eine weitere Perspektive beim Thema Phosphorentnahme. Parallel zum Bau dieser Anlage seien von der Wasserwirtschaft die Anforderungen an die Entfernung von Nährstoffen (Phosphor) aus dem Abwasser verschärft worden. Für die Kläranlage Pforzheim ist künftig ein Zielwert von 0,2 Milligramm pro Liter Gesamtphosphor einzuhalten. Dieser Wert sei nur durch Filtrationsanlagen realisierbar: "Es ist mehr als eine gute Fügung, dass wir mit der vierten Reinigungsstufe sehr modern unterwegs sind. Denn die Verfahrenstechnik um die Phosphorwerte zusätzlich einzuhalten, ist bereits in dieser Reinigungsstufe enthalten", begeistert sich Büscher.

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