Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Pforzheim Corona-Ausbruch bei Müller Fleisch: Minister sieht Branche in Zwielicht gerückt

Von
Peter Hauk (links) bei einer Pressekonferenz zusammen mit Einzkreis-Landrat Bastian Rosenau. Foto: Mutschler

Pforzheim - Die Situation rund um den Corona-Ausbruch bei Müller Fleisch beschäftigt auch die Landesregierung. Peter Hauk besuchte den Enzkreis, um sich zu informieren. Er fand kritische Worte für das geplante Verbot von Werkverträgen in der Fleischindustrie.

Am 9. April wurde der erste Fall einer Infektion mit dem Coronavirus bei Müller Fleisch in Birkenfel bekannt. Insgesamt wurden bislang 399 Mitarbeiter, also mehr als ein Drittel der Belegschaft, positiv getestet. Derzeit sind nach Auskunft von Enzkreis-Landrat Bastian Rosenau (parteilos) noch 17 Mitarbeiter infiziert, 2 davon befinden sich in stationärer Behandlung. In enger Zusammenarbeit mit dem Landesgesundheitsamt sei es nun daran, durch die Unterbringung der infizierten Mitarbeiter in zentralen Sammelunterkünften, die Infektionsketten geschlossen zu halten.

"Ich habe den Eindruck, Sie haben das auf allen Seiten gut gemanagt", sagte Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) bei seinem Besuch im Landratsamt des Enzkreises nach einem Gespräch mit dem Landrat und den Müller-Geschäftsführern. Er betonte, dass es wichtig gewesen sei, die fleischverarbeitende Industrie wie die gesamte Lebensmittelindustrie von vornherein als systemrelevant einzustufen: "Beim Toilettenpapier haben wir die Erfahrung gemacht, wohin die Angst führen kann. Ich wollte Hamsterkäufe im Fleischsektor verhindern."

Es sei auch den Lieferanten, also den Landwirten, gegenüber wichtig, dass die Tiere zum richtigen Zeitpunkt einen Abnehmer finden. "Es ist der schlimmste Fall, wenn Rinder vor Altersschwäche in den Ställen sterben", sagte Hauk. Und es sei wichtig, dass die Tiere nur einen kurzen Transportweg hätten. Deshalb, meint Hauk: "Es ist mir lieber, es kommen jeden Monat 700 Rumänen nach Deutschland, um die Arbeit zu machen, als Tausende von Tieren nach Rumänien zu karren."

Kritisch sieht er auch das von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) geplante Verbot von Werkverträgen in der Fleischindustrie und dessen Ankündigung, in der Branche "aufzuräumen". Das habe ihn geärgert. Schließlich sei Heil bereits seit zwei Jahren im Amt und habe sich bislang nicht darum gekümmert. Zudem würden alle Branchen dieses System der Werkverträge anwenden und es ist aus Hauks Sicht falsch angelegt, jetzt eine Branche herauszugreifen und ins Zwielicht zu rücken.

Am Ende wirken sich die Maßnahmen auf den Verbraucher aus

Zum einen finde man kein heimisches Personal und zum anderen käme keiner der ausländischen Mitarbeiter "auf Zwang, um Frondienste leisten zu müssen". Diese Flexibilität, einige Monate in Deutschland zu arbeiten, sei nicht nur von den Firmen so gewollt. "Die Leute wollen nur für eine gewisse Zeit bei uns arbeiten, um Geld zu verdienen", bestätigte auch Stefan Müller, einer der beiden Geschäftsführer des Betriebs. Er betonte, dass sich sein Unternehmen immer an die gesetzlichen Rahmenbedingungen gehalten habe, "und wir werden das auch weiter tun". Dies bestätigte auch Hauk: "Die Firma hat sich innerhalb der rechtlichen Normen bewegt." Er verstehe nicht, warum man deshalb nun die Fleischbranche "für die Unzulänglichkeiten der Rechtsprechung" verantwortlich mache.

Dennoch stellte er klar, dass der "Menschenschutz" Priorität hat. Deshalb begrüßte er auch die Anordnung des Enzkreises, dass für die Müller-Mitarbeiter, auch solche, die bei einem Subunternehmer angestellt sind, ab 31. Juli grundsätzlich ein Einzelschlafraum zur Verfügung stehen soll, um insbesondere in den Sammelunterkünften die Infektionsmöglichkeiten zu reduzieren. Zimmer teilen sollen sich dann nur noch Partner oder enge Familienangehörige. Für einen ersten Schritt hätten die Beteiligten vier Wochen Zeit: Bis zum 22. Juni soll die Zimmerbelegung auf maximal zwei Personen reduziert werden. Diese Verordnung gilt laut Rosenau bis zum offiziellen Ende der Corona-Pandemie.

Diese Anordnung und die geplanten Gesetzesänderungen dürften sich durch höhere Mieten dann indirekt auch auf den Fleischpreis auswirken. "Wir werden den Mitarbeitern entsprechend finanziell entgegen kommen müssen", sagt Müller und Rosenau fügt an: "Am Ende des Tages werden sich die Dinge ändern müssen. Das wird auch den Verbraucher treffen."

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.