Die Kita an der Arcus Klinik hat eine großzügige Außenanlage. Foto: Röhr

Das Berufs- mit dem Familienleben zu vereinbaren, ist in der heutigen Zeit nicht einfach – viele Kita-Plätze fehlen. Die Arcus Kliniken in Pforzheim investierten früh in die Betriebskita und schaffte so ein familienfreundliches Angebot für ihre Mitarbeiter.

Pforzheim - Monique Cotta strahlt Gelassenheit aus – obwohl die alleinerziehende Mutter kaum ein Auge zu gemacht hatte. Die 32-Jährige ist nämlich Krankenschwester an der Arcus Klinik auf der Wilferdinger Höhe und schiebt viele Nachtschichten – alles freiwillig, um tagsüber für ihren Sohn Ben da zu sein. Zusätzlich geht sie vormittags einem Minijob in der Verwaltung nach. Während sie also ihren Kolleginnen im Sekretariat aushilft, ist Ben oft in ihrer Nähe.

Möglich macht es die Kita an der Arcus Klinik, die fußläufig entfernt ist. Gummistiefel und Jacken hängen links und rechts akkurat im Eingang, Kindergeplapper ist zu hören. Da kommt auch schon der kleine Wirbelwind auf seine Mutter zugerannt. Cotta nimmt Ben in die Arme und sagt: "Wenn er mich sieht, will er gleich mit." An diesem Tag hat sie den fast Vierjährigen um halb acht in die Betriebskita gebracht, normalerweise holt sie ihn um halb zwei wieder ab. Doch heute geht es schon früher zurück nach Hause.

Träger der Kita ist die Diakonie Pforzheim. Von 75 Betreuungsplätzen sind 22 den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Arcus Klinik vorgesehen. Aber auch Kinder anderer Berufstätiger, die in der Nähe wohnen, arbeiten oder pendeln nehmen das Angebot in Anspruch, berichtet Leiterin Alexandra Stadler-Höfel. Da sind etwa die großen Arbeitgeber Admedes oder Hawo in der Nähe.

Viele Kita-Plätze fehlen

Das Berufs- mit dem Familienleben zu vereinbaren, ist in der heutigen Zeit nicht einfach. Die Zahlen unterstreichen diesen Umstand: In Deutschland fehlen laut jüngst veröffentlichter Studie der Bertelsmann Stiftung rund 384.000 Kita-Plätze – mit einer großen Diskrepanz zwischen West- und Ostdeutschland. Im Westen wird es im Jahr 2023 eine Lücke von bis zu 362.400 Kita-Plätzen geben, im Osten seien es nur 21 200. In Baden-Württemberg fehlen rund 58.000 Betreuungsplätze. Damit wird auch im kommenden Jahr der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz nicht erfüllt – zum Ärger vieler Eltern.

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Auch deshalb entscheiden sich Unternehmen, in eine eigene Kita zu investieren – doch das ist bei weitem keine Regel. Die Arcus Klinik ging diesen Schritt. "Die Kita wurde vor neun Jahren mit Weitblick geplant", sagt Arcus-Sprecher Michael Richtmann. Für die Mitarbeiter sei das ein familienfreundliches Angebot, in Ruhe arbeiten zu können.

Auch für Krankenschwester Cotta steht fest: Dass die Klinik über eine Kita verfüge, sei für sie attraktiv gewesen. Davor arbeitete die junge Frau in der Unfallchirurgie am Stuttgarter Klinikum, wechselte dann aber zurück nach Pforzheim, weil das Pendeln sie Zeit und Kraft kostete. "Ich fühle mich sicherer, wenn er bei mir in der Nähe ist", sagt die 32-Jährige. "Wenn was passiert, kann ich schnell runterlaufen." Ben sei häufiger krank.

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Trotz des Angebots musste auch Cotta um einen Platz Bangen. Die Nachfrage sei höher als das Angebot. Am Ende hat es dann doch geklappt: Mit eineinhalb Jahren ging es für Ben in die Kita – in die Eulengruppe. Er fühle sich dort wohl, freue sich auf seine kleinen Freunde, sobald er in der Gruppe sei. "Es ist eine sehr schöne Kita", sagt Cotta.

Großzügige Spielflure für die Kleinen

Auf 1300 Quadratmetern gibt es genug Platz, um zu toben. Eine Besonderheit ist die große Sporthalle im zweiten Obergeschoss und ein weiträumiges, grünes Außengelände. Denn neben dem religionspädagogischen Profil hat die Kita ihren Schwerpunkt auf Bewegung, Sport und Gesundheit.

"Das ist schon ein Privileg hier zu arbeiten", sagt Leiterin Stadler-Höfel. Breite Spielflure seien in städtischen Kitas eine Seltenheit. Hier könnten die Kinder auch mal mit dem Bobbycar düsen. Für die Eltern sei die Ausstattung aber oft nebensächlich. "Öffnungszeiten sind wichtiger", sagt Stadler-Höfel. "Doch wie in jeder Kita schlägt sich auch bei uns der Personalmangel nieder." Früher konnte die Kita eine Öffnung bis 18 Uhr garantieren, heute schließen sie schon um 16.30 Uhr. Für Cotta passen die Öffnungszeiten. Aber wie schafft es die junge Frau, Beruf und Familie zu managen?

"Ohne die Unterstützung meiner Mutter würde es nicht gehen", sagt Monique Cotta. Nachdem ihr Vater vor zwei Jahren gestorben sei, seien sie und ihre Mutter zusammengezogen – "um sich gegenseitig zu unterstützen". Die Pflege liege eben in der Familie, auch ihre Mutter sei Krankenschwester.


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