Im Alter sind viele Menschen auf Hilfe angewiesen – auch in Balingen. Foto: Michael Bahlo/dpa

Auch in der Eyachstadt werden die Menschen immer älter – und damit häufig pflegebedürftig. Was das für Betroffene und ihre Angehörigen bedeutet berichtet der Pflegestützpunkt.

Grundsätzlich kann Pflegebedürftigkeit jeden treffen, sei dies durch verschiedene Erkrankungen, durch Unfälle verursacht oder im Alter durch schleichende Abbauprozesse über Jahre hinweg. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko der Pflegebedürftigkeit. Im Alter von über 85 Jahren beträgt der Anteil der Pflegebedürftigen in Deutschland mehr als 50 Prozent, bei über 90-Jährigen mehr als 80 Prozent. Nach Angaben des Pflegestützpunkts Zollernalbkreis werden auch in der Eyachstadt in den nächsten Jahren immer mehr ältere Menschen leben und somit auch dort der Anteil der von Pflegebedürftigkeit betroffenen Menschen steigen.

 

Der Bedarf steigt

Während der Pandemie habe man beim Pflegestützpunktes Balingen eine hohe Nachfrage an telefonischer Beratung erlebt, der nach wie vor anhalte. Aber auch bei den persönlichen Beratungen im Büro des Pflegestützpunktes verzeichne man einen Anstieg.

Zudem erhalte man immer mehr anonyme Anfragen. „Wir erhalten immer mehr E-Mails mit Anfragen mit Namen aber ohne weitere persönliche Angaben“, heißt es im Jahresbericht des Pflegestützpunkts Balingen. „Früher konnten wir über die Festnetznummer gleich den Aufenthaltsort zuordnen. Heutzutage nutzen immer mehr Menschen nur noch ein Mobiltelefon, daher ist der Wohnort nicht mehr sofort nachvollziehbar.“ Jedoch sei ein räumlicher Bezug des Pflegebedürftigen oder des Angehörigen für die Beratung notwendig, da diese individuell, hochkomplex und passgenau auf jeden Einzelfall zugeschnitten und daher nur in Ausnahmefällen mit kurzen Einzelinformationen erledigt seien.

Viele Fragen

An den Pflegestützpunkt wenden sich lauf Jahresbericht Pflegebedürftige und deren Angehörige mit unterschiedlichen Fragen. Sie benötigen beispielsweise Informationen zur Pflegeversicherung oder zu Leistungsanbietern, sie fragen sich wie die Pflege finanziert oder wie eine bestehende Überforderungssituation verändert werden kann.

Darüber hinaus gebe es auch Fragen zu Vorsorgeregelungen, zu Wohnumfeldverbesserungen, zu Hilfsmitteln, Arbeitsfreistellungen und vielem mehr. In der Beratung werde der Hilfebedarf ermittelt und mögliche Lösungen besprochen.

Umfeld stark betroffen

Zu bedenken sei, dass die Pflegebedürftigkeit eines Menschen immer auch sein Umfeld – die Familie, den Bekannten- und Freundeskreis – betreffe. Eine Pflegesituation betreffe vielfach die ganze Familie und verlange immer wieder neue Absprachen und auch hier erlebe man die ganze Bandbreite – von einem hervorragenden Hilfenetz innerhalb des Familien- und Bekanntenkreises über konfliktträchtige Beziehungen bis hin zu totalen Kontaktabbrüchen in dieser Phase.

Denn der oder die Pflegebedürftige und deren pflegende Nahestehende würden ein Tandem bilden. Dabei sei besonders die Anfangssituation für das Umfeld sehr herausfordernd. Denn parallel zum „Neuland“ Pflege gehe es immer auch darum sich mit der Bürokratie auseinanderzusetzen und von verschiedenen Seiten Informationen einzuholen. Die Mitarbeiter des Pflegestützpunkts helfen daher beim Ausfüllen der Pflegeanträge und erklären die Leistungen der Pflegeversicherung.

Vielfältige Probleme

Die Versorgung von Pflegebedürftigen finde zudem überwiegend in den eigenen vier Wänden statt. „Im Zollernalbkreis haben wir eine hohe Eigenheimquote“, heißt es im Jahresbericht des Pflegestützpunktes Balingen. „Leider gibt es darunter viele Wohnungen und Häuser mit Barrieren, was die Pflege unnötig erschwert, wie Stufen, keine Treppengeländer, enge Türbreiten oder ein hoher Einstieg in die Dusche.“ Bei mobilitätseingeschränkten Personen werde daher der Aktionsradius immer kleiner, teilweise sei er komplett auf die Wohnung reduziert.

Probleme in der Beratung stellen neben der Barrierefreiheit im eigenen Heim beispielsweise auch die Mobilität dar. Wer nicht mehr Autofahren kann und keine Erfahrung mit dem ÖPNV hat, stehe vor dem Problem seine Einkäufe zu erledigen, Arztbesuche zu absolvieren oder Freunde zu besuchen.

Für Angehörige stelle sich häufig die Frage nach planbaren Kurzzeitpflegeplätzen und ganz allgemein der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.

Kosten

Pflegebedürftigkeit kostet Geld: Neben Ausgaben für Haushaltshilfen, Gartenarbeit und Eigenanteile in der häuslichen Pflege komme zudem die Pflegeheimfinanzierung. Zudem gebe es auch eine hohe Motivation alle finanziellen Fördermöglichkeiten der Pflegekasse auszuschöpfen, da auch in den Privathaushalten die finanziellen Ressourcen knapper würden.

Für alleinstehende pflegebedürftige Menschen sei außerdem die individuelle Vorsorge wichtig, beispielsweise im Bezug auf Vollmachten.

Insgesamt bestehe auch in Balingen eine große Nachfrage an allen Angeboten – egal ob an einer Haushaltshilfe, ambulanten Pflegediensten, Tagespflegeplätzen, Kurzzeit- oder Dauerpflegeheimplätzen.

Pflegestützpunkt Zollernalbkreis – Standort Balingen

Aufgabe
des Pflegestützpunkt Zollernalbkreis ist es, Bürger zu allen Themen der Pflege und zu Hilfen im Alter individuell, umfassend, kompetent, trägerneutral und kostenfrei zu beraten. Gleichzeitig gibt der Pflegestützpunkt Hilfestellung bei der Inanspruchnahme von Pflegeleistungen. Der Pflegestützpunkt kennt die Angebote in der räumlichen Zuständigkeit und übernimmt Aufgaben der Vernetzung der pflegerischen sowie der sozialen Versorgungs- und Betreuungsangebote. Am Bürostandort im Generationenhaus liegt aktuelles und kostenloses Informationsmaterial zu allen Themen der Pflege frei zugänglich aus.

Die Beratung
ist neutral, vertraulich sowie kostenlos und findet im persönlichen oder telefonischen Gespräch statt. Die Sprechzeiten sind montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr, donnerstags von 16 bis 18 Uhr. Um Terminvereinbarung bei Heide Rath unter Telefon 07433 270 16 19, heide.rath@balingen.de oder Karin Warnat unter Telefon 07433 907 98 68, karin.warnat@balingen.de wird gebeten.