Der demografische Wandel ist eine Herausforderung. Im Landkreis Lörrach fehlen schon jetzt bis zu 500 Langzeitpflegeplätze – und Personal.
Deutschland wird zunehmend älter, was die Gesellschaft vor große Herausforderung stellt – vor allem in Sachen Pflege. Dass es den demografischen Wandel gibt, überrascht niemand. Das Ausmaß wohl schon, wie dieser Tage im Sozialausschuss des Kreistags deutlich wurde, als es um die finanzielle Förderung von Maßnahmen der kommunalen Pflegekonferenz ging.
Das Pflegesystem im Kreis Lörrach spürt den Wandel, und die Lage wird sich weiter zuspitzen: Bereits jetzt gibt es im Landkreis keine Arbeitsmarktreserve im Bereich der Pflege. Alle Versorgungsformen stehen unter erheblichem Druck, die Bedarfsanfragen zu decken. Die Versorgung Pflegebedürftiger durch Angehörige wird demnach nicht ausreichen, und den Bedarf zu decken, zumal jede Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt gebraucht wird.
Bereits heute fehlen 315 bis 535 Langzeitpflegeplätze und 45 bis 75 Kurzzeitpflegeplätze. In der Tagespflege kann der Bedarf derzeit gedeckt werden, die Nachfrage soll aber in Zukunft sprunghaft steigen. Erschwerend kommt hinzu, dass wegen des Personalmangels nicht einmal alle vorhandenen Pflegeplätze der kreiseigenen Heime belegt werden können. Und: Ab 2035 soll zudem das Verhältnis der jungen Senioren zugunsten der alten Senioren kippen. Dann gibt es deutlich mehr Senioren, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer Unterstützungs- oder Pflegebedürftigkeit deutlich höher liegt. Ein düsteres Bild zeichnete eine Vorausberechnungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg aus dem Jahr 2021, wonach im Kreis im Jahr 2030 rund 11 700 Pflegebedürftige zu erwarten seien.
Realität überholt die Statistik
Doch ist die Prognose längst überholt, wie ein Abgleich mit der Ist-Situation zeigt. „Die Kurve steigt deutlich schneller an als gedacht“, warnte Anne Gröhner von der Geschäftsstelle Kommunale Pflegekonferenz im Landratsamt. Bereits vor zwei Jahren zählte der Kreis insgesamt 11 974 Pflegebedürftige. Bis zum Jahr 2040 rechnen die Verantwortlichen mit einem Anstieg um 20 Prozent. „Die Dringlichkeit, etwas zu unternehmen, wird immer größer“, so Gröhner, die Gegenmaßnahmen auf bundes-, landes- und kommunaler Ebene verortet.
Mit Maßnahmen der Kommunalen Pflegekonferenz wirkt der Kreis gegen die Entwicklung: So sollen unter anderem aktivierende Hausbesuche Pflegebedürftigkeit verhindern beziehungsweise hinauszögern. Mit „Bewegungspaten“ werden Bewegungsübungen durchgeführt, Gedächtnistraining gemacht oder Gespräche geführt. Das Angebot ist kostenlos.
Digitale Gesundheitskompetenz stärken
Die Hausbesuche richten sich an Menschen, die zuhause wohnen und die aus Alters- oder Mobilitätsgründen ihre Wohnung kaum noch selbstständig verlassen können. Derzeit bietet eine Projektgruppe in 23 Gemeinden und Städten die Hausbesuche an.
Ein weiteres Projekt dreht sich um die Förderung der digitalen Gesundheits- und Pflegekompetenz von Senioren: Über eine Projektgruppe werden die Vorhaben „Fit für die Zukunft“ der Seniorenakademie Hochrhein-Wiesental und des Diakonischen Werks im Landkreis Lörrach mit dem „Digitalen Gesundheits- und Sozialkompass“ des Landratsamt Lörrach verknüpft. Senioren sollen die Plattform „Digitaler Gesundheits- und Sozialkompass“ durch die über „Fit für die Zukunft“ gesteigerte Digitalkompetenz gewinnbringend nutzen können, erklärte die Expertin. Denn: Viele Menschen sind im Umgang mit Fragen rund um ihre Gesundheit zunehmend verunsichert.
Im Fokus steht die Stärkung der Gesundheitskompetenz, also die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und auch anzuwenden. Der Atlas bündelt bestehende medizinische und soziale Angebote im Landkreis und lotst die Nutzer zu Gesundheitsinformationen im Internet. Um die Maßnahmen der kommunalen Gesundheitskonferenz zu verstetigen, hat der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung die für das Haushaltsjahr eingeplanten Mittel einstimmig freigegeben.