Wie ist es, Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt zu begleiten und sich um sie zu kümmern? Pflegekraft Lisa Dürr erzählt von ihrer Reise in die Welt der Pflege, den Herausforderungen und Freuden des Alltags und den besonderen Momenten.
Lisa Dürr ist Pflegekraft im Haus am Talbach in Eutingen. Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt sie, gemeinsam mit Einrichtungsleiter Manuel Seidt, von ihrer Arbeit und wie sie mit Schicksalsschlägen umgeht.
Wie sind Sie zum Beruf der Pflegekraft gekommen?
Dürr: Meine Oma kam nach einem Sturz ins Pflegeheim und ihr hat es dort sehr gut gefallen. Wie die Pflegekräfte mit ihr umgegangen sind und wie sie dort behandelt wurde, hat mich inspiriert. Deswegen habe ich mich nach der Schule für ein FSJ in einem Pflegeheim entschieden. Mir hat es richtig Spaß gemacht und ich habe mich dazu entschlossen, dort auch meine Ausbildung zu machen. Das war damals noch die Ausbildung zur Altenpflegerin.
Wie sieht Ihr Alltag aus ?
Dürr: Sehr bunt (lacht). Heute bin ich als Pflegekraft da. Dazu gehört das Versorgen der Bewohner, die Medikamentengabe und vor allem ein offenes Ohr zu haben und mit den Bewohnern zu sprechen. Auch die Zusammenarbeit im Team ist wichtig. Die anderen Tage bin ich als Praxisanleiterin für die Auszubildenden zuständig. Ich leite sie an, zeige ihnen alles und bin für alle Fragen da.
Gibt es besondere Momente, die Sie bisher in Ihrer Arbeit geprägt haben?
Dürr: Was für mich bereichernd ist, ist das Thema Sterbebegleitung. Ich finde da ist die Begleitung sehr vielseitig. Ich möchte den Bewohnern auch in der letzten Lebensphase noch das Beste geben. Und auch für die Angehörigen da zu sein und sie aufzufangen ist besonders. Da sind die Gespräche auch intimer, man erinnert sich noch mal gemeinsam an die Person. Es ist einfach besonders, daran teilzunehmen und den Bewohnern und den Angehörigen auch in dieser Zeit ein gutes Gefühl zu geben.
Wie gehen sie emotional mit Schicksalsschlägen um?
Dürr: Schicksalsschläge nehmen einen immer wieder mit. Wenn das nicht so wäre, wäre man glaube ich auch an der falschen Stelle. Ich denke dann oft an mich und frage mich, wo stehe ich einmal, wenn ich 80 oder 90 bin, was hat mich dann wohl alles mitgenommen. Wenn einen etwas belastet, ist auch der Austausch unter den Kollegen und der Auffang von den Vorgesetzten immer da.
Seidt: Es kommt auch immer auf die Situation an. Wir haben Bewohner, die sind Monate und Jahre bei uns und man erlebt, wie diese einfach abbauen und auch in den Sterbeprozess kommen. Und dann gibt es auch akute Notfälle. Beide Situationen sind auf ihre Art belastend. Egal was ist, es ist immer wichtig, dass man im Nachgang noch mal zusammenkommt und es im Team bespricht, damit man die Situationen auch loslassen kann. Klar berührt es einen, aber muss auch einfach abschließen können. Letztendlich kommt dann ein neuer Bewohner und das Leben geht für uns weiter.
Was muss man mitbringen, um diesen Job zu machen?
Dürr: Nächstenliebe ist glaube ich ein großer Punkt. Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und vor allem Interesse an anderen Menschen zeigen zu können.
Wie ist der Umgang mit dementen Bewohnern? Gibt es dabei besondere Punkte zu beachten?
Dürr: Wir haben einen Demenzwohnbereich, da ist die Struktur ganz anders. Hier ist die Individualität noch viel wichtiger. Gerade das Zusammenspiel mit den Angehörigen ist besonders, da wir, je nach dem, in welchem Stadium die Bewohner sind, viel von früher wissen sollten, um gut auf Gespräche eingehen zu können. Der Bereich wird auch immer größer. Wir haben dort zwei Präsenzkräfte, die einfach da sind, um auch beim Trinken und Essen zu helfen. Für den Umgang mit den dementen Bewohnern ist es entscheidend, ruhig und gelassen zu sein. Ich sage immer ein Dementer spiegelt einen selber wieder. Wenn ich nervös bin, dann ist der mir gegenüber auch nervös. Viele sind ganz arg feinfühlig.
Seidt: Wir hatten uns dazu entschieden, die beiden Bereiche zu trennen, da der Umgang mit den Bewohnern einfach zu unterschiedlich ist. Es gibt Mitarbeiter die sagen, sie können gar nicht gut mit Dementen arbeiten, andere sagen es ist voll meins. Das kann nicht jeder und muss aber auch nicht jeder können. Das hat sich hier mittlerweile echt gut aufgeteilt.
Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit?
Dürr: Mich freut es, wenn ich Leuten helfen kann. Vielen Bewohnern fällt es schwer, von Zuhause in eine Einrichtung zu ziehen. Diesen hier ein gutes Gefühl zu geben, das treibt mich an. Ich möchte, dass die Bewohner sich hier wohlfühlen, das ist meine Motivation, um das Beste zu geben und die Individualität jedes Bewohners bestmöglich einzubinden. Das Zuhören ist sehr wichtig, wenn dann jemand sagt, danke, dass du mir zugehört hast, gibt das mir ganz viel. Mir war es auch wichtig, dass ich mich hier auch weiterbilden konnte. Es gibt total viele Möglichkeiten und Richtungen, in die man innerhalb der Pflege gehen kann. Vom Ausbildungsbetreuer, über Heimleitung bis zum Studiengang. Und dann gibt es auch ganz viele Bereiche, in denen man arbeiten kann: Kinderpflege, Altenpflege, Intensivpflege, Sozialstationen und viele mehr. Es ist einfach ein wichtiger und wunderschöner Beruf.
Seidt: Ich finde die Pflege muss sich auch nicht verstecken. Wir leisten professionelle Pflege und müssen uns gegenüber anderen Berufen nicht klein machen. Es ist einfach viel mehr als waschen und Essen anreichen.
Die Serie
Hinter den Kulissen
In der Serie „Hinter den Kulissen – Ein Tag als ...“ beleuchten wir verschiedene Berufe. Von der Pflegekraft, über junge Winzer bis zum Auszubildenden in der JVA: Wir blicken hinter die Kulissen.