Wenn ältere Menschen Hilfe brauchen, bieten Pflegeheime Unterstützung. Wir haben zwei Einrichtungen besucht und hinter die Kulissen geschaut.
Menschen werden älter und manchmal können sie sich selbst nicht mehr helfen. Wenn Angehörige diese Hilfe nicht leisten können, ist das Pflegeheim oftmals die beste Lösung. Doch was kostet ein Platz – und fühlen sich die Bewohner überhaupt wohl? Wie wird mit ihnen umgegangen? Wir haben bei zwei Pflegeheimen in Villingen-Schwenningen nachgefragt.
Ein Platz im Pflegeheim kostet in Deutschland je nach Einrichtung und Region insgesamt rund 3.000 bis 4.500 Euro pro Monat. Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt je nach Pflegegrad zwischen 800 Euro bei Grad 2 und rund 2.100 Euro bei Grad 5. Den Rest – für Unterkunft, Verpflegung und zusätzliche Leistungen – müssen die Bewohner oder ihre Angehörigen selbst zahlen.
Das Menetatis zählt zu den neueren Pflegeheimen der Doppelstadt. Seit dem 1. Februar 2026 wird die Einrichtung unter dem Namen Arte Care Zentrum geführt. Im vergangenen Jahr feierte die Einrichtung ihr fünfjähriges Bestehen. Beim Betreten der Einrichtung sticht die moderne Gestaltung der Räume und die grüne Empfangstheke ins Auge.
Einrichtungsleiterin Simone Balsamo führt das Menetatis seit dem Jahr 2023. Die 50-Jährige hat selbst eine Ausbildung als Pflegekraft absolviert. „Ich habe mit 17 als Praktikantin in der Pflege begonnen. Seitdem hat sich einiges geändert“, sagte die 50-Jährige. Ein Aspekt ist der Jugendschutz: Minderjährige dürfen ab einer gewissen Uhrzeit nicht mehr arbeiten, die Sonntagsdienste entfallen.
Das Aufgabenfeld der Pflegefachkräfte hat sich vergrößert – die Behandlungspflege ist mehr in den Vordergrund gerückt. „Es muss alles genau dokumentiert werden. Das gab es früher in der Form nicht. Da spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle“, erklärt Balsamo.
Eine sehr positive Veränderung aus Sicht der Pfleger ist die Einführung der Hebelifter. „Solche Aspekte erleichtern uns die Arbeit, früher mussten wir die Bewohner aus dem Bett tragen. Das war für den eigenen Körper auf Dauer schädlich“, erinnert sich Balsamo an ihre Zeit als Pflegerin zurück. Auch Handschuhe seien früher eher Mangelware gewesen – heute ist das ganz anders.
Rundum-Paket für Bewohner
Auch der Umgang mit dem Tod der Bewohner wird in der Ausbildung erklärt – leicht ist es trotzdem nicht. „Obwohl ich so lange in der Pflege bin, berührt mich der Tod eines Bewohners immer wieder. Man gewöhnt sich nicht an das Gefühl, aber ich habe gelernt, besser damit umzugehen“, sagt Balsamo sichtlich bewegt.
Pflegeheime stehen außerdem häufig in der Kritik, dass sie zu teuer seien. Auch Balsamo ist sich dieser Anmerkung bewusst, sie gibt zu, dass ein Aufenthalt im Pflegeheim sehr teuer sei. „Wir haben jedoch extreme Kosten zu decken. Beispielsweise Personal, Lebensmittel, Strom und vieles mehr. Das sehen viele Menschen gar nicht“, so Balsamo empört über manche Aussagen. Man dürfe nicht vergessen, dass sich rund um die Uhr um die Bewohner gekümmert werde – dazu zählten Verpflegung, Pflege und häufig auch Freizeitangebote wie etwa eine Strickstunde, erklärt die 50-Jährige.
Sie verstehe die hohen Kosten, weißt jedoch daraufhin, dass die Pflegekasse einen Teil übernehme. „Der betriebene Aufwand wird von den Menschen nicht gesehen. Sie meckern oft über negative Einzelfälle in der Pflege – sehen aber das Große und Ganze nicht“, nimmt Balsamo ihre Mitarbeiter in Schutz.
Während einer Führung durch das Menetatis werden uns Einblicke in den Alltag der Bewohner, die Arbeit des Personals sowie in die Ausstattung des Gebäudes gewährt.
Während Simone Balsamo uns die Küche, Wohnräume und die Aufenthaltsräume zeigt, spricht sie einfühlsam mit den Bewohnern und betont stolz: „Wir tun alles, damit sich die Bewohner hier wohlfühlen – sei es ein kleines Fest oder ein Extrawunsch beim Essen.“
Pflege nicht aus religiösen Gründen
Im Herzen des Villinger Stadtteils bietet das Pflegeheim Alpenland rund um die Uhr Betreuung für ältere Menschen. 1998 wurde das Alpenland eröffnet und seit 2016 ist Paul Lubina der Einrichtungsleiter. „Ich bin seit 30 Jahren in der Pflege“, so der 62-Jährige. „In der Pflege geht es nicht nur um den Job – man braucht Herz und den echten Wunsch, mit Menschen zu arbeiten und das Team sowie die Einrichtung weiterzuentwickeln“, fügt er hinzu.
Für die 105 Bewohner des Alpenlands gibt es ein Rundum-Paket. „Man geht den Weg gemeinsam mit den Bewohnern – professionell, mit der richtigen Distanz, aber immer mit menschlicher Haltung“, erklärt Meike Grill, Pflegedienstleiterin.
Sie betont auch, dass sie sich von den Bewohnern nach dessen Tod noch verabschiede, um den Verlust besser zu verarbeiten. Für die Pflegekräfte werden intern Gespräche angeboten, um den Umgang mit Todesfällen zu vereinfachen.
Das Alpenland hat einige Fortschritte in der Inneneinrichtung gemacht:„Wir haben hier in den letzten Jahren renoviert. Wir bieten nur noch Einzelzimmer an“, erklärt Lubina stolz.
Über die Kritik der zu hohen Kosten der Pflegeheime äußert sich Lubina ruhig und gelassen. „Bei uns wird täglich frisch gekocht, auf Allergien und Wünsche der Bewohner geachtet, und auch ihre Meinungen zu Essen und Aktivitäten fließen ein – Pflege heißt für uns, die Menschen ernst zu nehmen und ihren Alltag lebendig zu gestalten.“
Der Einrichtungsleiter weist darauf hin, dass die Kosten für den Betrieb des Pflegeheims gestiegen seien: „Die Pflegekräfte bekommen heute ein angemessenes Gehalt. Sie arbeiten nicht wie früher aus religiösen Gründen – die Nonnen haben das anders gesehen“, sagt Lubina mit einem Schmunzeln.