Auf dem ehemaligen Wössner-Areal soll ein Pflegeheim mit Betreutem Wohnen und Mitarbeiterwohnungen entstehen. Der Hang wurde bereits durchforstet und für die Baumaßnahme vorbereitet. Bis Anfang 2023 soll alles gebaut sein. Foto: Cools

Die gesetzlichen Vorgaben werden immer strenger und zwingen kleine Pflegeheime in die Knie. Davon ist auch das Katharinenstift in Sulz betroffen. Mit dem Bau des Angelika-Wössner-Stifts auf dem ehemaligen Wössner-Areal gibt es nun eine Perspektive.

Sulz - Der Entwurf für den Neubau von drei Wohngebäuden und einem Pflegeheim mit 60 Plätzen, Tagespflege, Sozialstation und Betreutem Wohnen wurde in der Gemeinderatssitzung vorgestellt. Bauherr ist die Seniorenresidenzen Württemberg GmbH & Co. Bau-KG Sulz.

Neben einem modernen Hauptbau entstehen auf dem Wössner-Areal entlang der Stuttgarter Straße zwei weitere kleinere Gebäude für das Betreute Wohnen und ein kleineres Wohnhaus, in dem Mitarbeiter unterkommen sollen. Die Grundlage für das Projekt hatte die 2017 verstorbene Möbelfabrik-Inhaberin Angelika Wössner gelegt. Sie hatte verfügt, dass ein Teil des Geldes aus ihrem Nachlass in die Schaffung von Betreuungsplätzen im Stadtgebiet investiert wird. Der Hang sei bereits für die Baumaßnahme vorbereitet und durchforstet worden, berichtete Bürgermeister Gerd Hieber.

Die stellvertretende Bauamtsleiterin Madelaine Schatz stellte den Entwurf im Detail vor. Das spätere Pflegeheim ist das größte Gebäude und wird einen Innenhof haben. Vor dem Eingang soll eine Einbuchtung realisiert werden, um Platz für Krankentransporte zu bieten.

Amon: Die Planung ist wirklich gelungen

Im Erdgeschoss sind eine Cafeteria, Verwaltungsräume, die Tagespflege und eine Sozialstation vorgesehen. Im hinteren Bereich des Gebäudes ist eine überdachte Verbindung zwischen West- und Ostflügel angedacht. Im ersten und zweiten Obergeschoss befinden sich jeweils 30 Pflegeplätze. Das Dachgeschoss bietet Platz für zwei Gruppen mit jeweils 15 Plätzen für Betreutes Wohnen.

Das Dach soll begrünt und mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet werden. Stege, die von den einzelnen Ebenen aus Richtung Hang führen, dienen als Terrassen.

Links und rechts vom Hauptgebäude befindet sich jeweils ein kleineres Gebäude, in dem auf drei Ebenen verschieden große Wohnungen für das Betreute Wohnen erstellt werden. Das oberste Geschoss wird eingerückt. Wie beim Hauptgebäude soll die Außenfassade eine Holzverschalung erhalten.

Das vierte Gebäude, von der Stuttgarter Straße aus ganz links, wird ein WG-artig aufgebautes Haus mit etwa zwölf Mitarbeiterwohnungen und zusätzlichen Gemeinschaftsräumen sein.

Das Konzept sagte den Stadträten zu. "Die Planung ist wirklich gelungen", meinte André Amon (SPD). Er fragte, ob man an eine Anbindung zur Innenstadt gedacht habe. Hauptamtsleiter Hartmut Walter sagte, an der Stuttgarter Straße gebe es eine Bushaltestelle.

Heinrich von Stromberg (CDU) betrachtete das Projekt mit ein bisschen Bauchweh, wie er sagte. Angesichts des hohen Standards dort werde die Pflege nicht ganz billig sein, so seine Befürchtung.

Gesetzgeber macht das Leben schwer

Dieses Problem werde mit vom Gesetzgeber verursacht, sagte Hieber darauf. Die Vorgaben, wie ein Pflegeheim auszusehen habe, würden immer strenger. Das habe es dem Katharinenstift unmöglich gemacht, den Betrieb wie bisher weiterzuführen.

Das bestätigte Cornelia Bitzer-Hildebrandt (FWV), die im Hilfsverband Katharinenstift tätig ist. Das Katharinenstift der deutsch-baltischen Landsmannschaft in der Holzhauser Straße hat bisher rund 25 Plätze und beschäftigt etwa 30 Mitarbeiter.

Nach der neuen Landesheimbauverordnung dürfe das Katharinenstift in bestehender Form nicht langfristig weitergeführt werden. Deshalb sei man froh, jetzt mit dem Angelika-Wössner-Stift eine Möglichkeit zu haben, so Bitzer-Hildebrandt.

Über kurz oder lang würden die Gebäude auch gefüllt sein, prognostizierte sie. Die jüngere Generation stelle inzwischen höhere Ansprüche an ein Pflegeheim. So habe es erst kürzlich Diskussionen mit jemandem gegeben, der ein Zimmer im Katharinenstift erhalten hatte und darin einen Fernseher und eine Nasszelle vermisste.

Besonders wichtig seien ihr persönlich die Mitarbeiterwohnungen gewesen. In der Vergangenheit habe man aufgrund des Mangels an Pflegekräften Personal einkaufen müssen. Und freier Wohnraum in der Nähe sei nur schwer zu finden.

Heidi Kuhring (GAL) wollte wissen, was mit den Räumen des Katharinenstifts passiere. Der Trend bei der Betreuung älterer Bürger gehe hin zu Wohngemeinschaften. "Könnte man das Gebäude dahingehend ummodeln und damit günstigere Angebote schaffen?", fragte sie.

Das Gebäude gehöre der Landsmannschaft und sei so marode, dass teilweise die Böden einbrechen würden, sagte Bitzer-Hildebrandt. Wenn man es sanieren wollte, so werde ein Investor benötigt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: