Pflege ist ein immer wichtiger Bestandteil der Gesellschaft. Doch nun geht ein weiteres Kapitel in Rottenburg zu Ende. Das Haus am Rammert schließt und alle Bewohner müssen in andere Einrichtungen ziehen. Die Hospitalpflege erklärt wie es dazu kommt.
Nach 22 Jahren Nächstenliebe gehen im Haus am Rammert die Lichter aus. Das bedeutet für 15 Vollzeit-Angestellte ein neuer Job und für 30 Pflegebewohner ein neues zu Hause.
Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen und doch sei es unumgänglich. Wirtschaftlich sei es für kleine Einrichtungen schwierig, erklärt Geschäftsführer Markus Holdenried von der Hospitalpflege in einem Pressegespräch.
Schließung zur Mitte vom Jahr 2025
Nach vielen Gesprächen mit der Stadt, dem Aufsichtsrat und in Ausschüssen wurde über die letzten vier Monate über die Entscheidung diskutiert. Allerdings verfestigte sich das unausweichliche immer weiter: Das Haus muss aus wirtschaftlichen und personellen Gründen in der ersten Hälfte dieses Jahres den Betrieb einstellen, bestätigt Bürgermeister Hendrik Bednarz.
Die Pflege sei ein schwieriger Bereich in der heutigen Gesellschaft. Immer mehr Pflegebedürftige treffen auf Personalmangel und Kostenfragen. Das Ziel sollte eigentlich sein, dass die Einrichtung seine Kosten selbst erwirtschaften könne und am Ende vom Jahr mit einer schwarzen Null da stehe, so Bednarz weiter.
Defizit von etwa 300 000 Euro
Leider ist das seit Jahren nicht der Fall. Und das nicht im positiven Sinne. Das Haus stand zum Ende des Jahres in einem Defizit von zirka 300 000 Euro, zeigt der Geschäftsführer auf Nachfrage unserer Redaktion auf. Das sei nach seiner Schätzung auch in den Jahren zuvor etwa im selben Rahmen gewesen.
Das liege am Rahmenkonzept, dass nicht zu Ende gedacht sei, findet Holdenried. Beim Start der Pflegeeinrichtung im Jahr 2003 seien kleine, familiäre Einrichtungen wie das Haus am Rammert von der Politik nicht nur gewünscht sondern auch gewollt gewesen. Dafür bekamen sie eine Förderung. Doch diese fehle seit 2013 und macht es kleinen Pflegehäusern, mit 41 Pflegeplätzen bei einer Vollbelegung, schwer. Aus den selben Gründen musste vor zwei Jahren auch die Pflegeeinrichtung Haus Stäble schließen.
Urlaub und Krankheit führten zu schwieriger Personallage
Auch die personelle Situation könne auf Dauer so nicht funktionierten. Insgesamt gebe es 15 Vollzeit-Kräfte, davon, nach der Landesverordnung, sieben Fachkräfte. Sobald einige der Mitarbeiter krank seien oder jemand im Urlaub sei, werde die Personallage in den drei Schichten knapp, gibt er weitere Einblicke.
Bewohner kommen in anderen Einrichtungen
Doch was bedeutet das nun für die Bewohner und die Angestellten? Am Mittwoch wurde zunächst den Angestellten die Nachricht übermittelt. Diese waren von den Neuigkeiten erst einmal geschockt, da viele über Jahre ihr Herzblut in das Haus gesteckt hatten, spricht Holdenried über die emotionale Lage im Haus. Die ersten Fragen werden sicherlich in den nächsten Tagen kommen, wenn sich der Schock etwas gesetzt habe.
„Personal ist unser größter Schatz. Die Leute, die wir haben, sind unser Kapital und die wollen wir halten“, versichert Bürgermeister Bednarz. In den kommenden Tagen und Wochen werden Mitarbeitergespräche mit jedem einzelnen geführt. Dort werde darüber gesprochen in welcher anderen Einrichtung oder auch Tätigkeit sich die Mitarbeiter wohlfühlen würden und es werde jedem ein Arbeitsangebot gemacht. So können sie zum Beispiel auch in die ambulante Pflege wechseln.
Preislich sind drei der vier Einrichtungen im selben Rahmen
Und auch die Bewohner werden nicht einfach auf die Straße gesetzt. Bereits mit vorausschauendem Blick wurde nicht nur im Haus am Rammert, sondern auch in den anderen Einrichtungen seit ein paar Monaten keine Betten mehr nachbelegt. Damit gibt es in jeder Einrichtung noch freie Plätze. So können die Bewohner zwischen dem Haus Katharina, dem Haus am Hospitalgarten, dem Haus am Neckar und dem Haus am Seltenbach wählen.
Der Umzug in das jeweilige neue zu Hause übernimmt die Hospital Pflege komplett – von Umzugswagen bis zu den Kosten. Das sei für Holdenried moralisch die einzig richtige Entscheidung. Während des Gesprächs wurde immer wieder deutlich, wie schwer es Markus Holdenried fällt und dass er versucht es für alle Betroffenen so angenehm wie möglich zu machen. Am Mittwochabend wurden bei einem Angehörigenabend die Betroffenen informiert.
Studentenwohnheim oder Wohnungen sollen folgen
Und was aus dem Gebäude wird, steht ebenfalls schon grob fest – Wohnraum. Im Moment laufen Gespräche zwischen der Stiftung und der Stadt, welche Möglichkeiten es gibt. So steht ein Studentenwohnheim oder Mietwohnungen im Gespräch. Von dem Geld, dass die Stiftung durch den Verkauf des Gebäudes an die Stadt bekommen wird, werde in die Einrichtungen und in die Mitarbeiter investiert, erklärt Holdenried.
Zukunft der Hospitalpflege
Vollstationäre Einrichtungen
Mit den verbleibenden vier Pflege-Einrichtungen – Haus Katharina, Haus am Hospitalgarten, Haus am Neckar und Haus am Seltenbach – werden weiterhin 233 Pflegeplätze vollstationär angeboten.
Ausbau ambulante Pflege
Die ambulante Pflege soll durch die Stärkung von Hospital Mobil und Essen auf Rädern weiter ausgebaut werden. Außerdem soll das Angebot an offenen Mittagstischen oder Betreuungsgruppen ausgebaut werden. Dazu zählt auch die Tagespflege.
Betreuung ambulanter Pflegewohngemeinschaften
Aktuell gibt es 34 Plätze in selbstorganisierenden Pflege-WGs, wie auch eine trägergestützte Wohngemeinschaft.
Zentralküche „Culina am Neckar“
Die Zentralküche soll zu einem eigenen Unternehmenszweig ausgebaut werden. Neben der Versorgung der Einrichtungen und Essen auf Rädern, werden Schulmensen und Kindergärten beliefert. Zudem soll der Cateringservice ausgebaut werden.