In ihrem Bericht informierte Heide Rath vom Pflegestützpunkt Zollernalbkreis, Standort Balingen, das Gremium über die Aufgaben und Tätigkeiten der Beratungsstelle.
Die Deutschen werden immer älter. Selbst die 100 auf der Lebensleiter zu erreichen, ist heute keine Seltenheit mehr. Auch in der Eyachstadt werden, wie Heide Rath vom Pflegestützpunkt Zollernalbkreis, Standort Balingen, vor Augen führte, in den kommenden Jahren mehr ältere Menschen leben. „Aus der Bevölkerungspyramide ist längst ein Pilz geworden“, verdeutlichte sie mit Blick auf die Grafik.
In der Konsequenz steigt der Anteil der von Pflegebedürftigkeit Betroffenen. Ab 85 Jahren liegt dieser bei mehr als 50 Prozent, bei den über 90-Jährigen bei über 80 Prozent.
„Viele Menschen blenden dieses Thema aus“, weiß Heide Rath. Bis sie sich plötzlich mit ihm auseinandersetzen müssen. Nicht selten ist die Verunsicherung dann groß und es stellen sich zahlreiche Fragen – etwa, ob die eigene Wohnung, das eigene Haus, jetzt noch ein guter Ort ist, um als Pflegebedürftiger dort zu leben.
Viele werden Zuhause gepflegt
Auch wenn dies von verschiedenen Faktoren abhängig ist – in einem Punkt ist sich die Mehrheit einig. Bei der Frage, wo sie gepflegt werden wollen, hätten im Rahmen einer Umfrage die meisten Teilnehmer den Wunsch geäußert, in ihrem Zuhause alt werden zu dürfen, berichtete die Expertin.
Im Zollernalbkreis wird dieser für viele Wirklichkeit. Insgesamt 89 Prozent der im Kreis lebenden Pflegebedürftigen (und damit drei Prozent mehr als im Bundesgebiet) wurden im Jahr 2023 zuhause gepflegt.
Viele Erinnerungen im Haus
Was ist der Grund dafür? „Der Anteil der Einfamilienhäuser liegt mit 77,8 Prozent deutlich über dem Baden-Württemberg-Durchschnitt von 62,1 Prozent. Viele Menschen bleiben in ihren Einfamilienhäusern, die sie während der Familienphase bezogen haben. In dem Haus stecken viele biografische Erinnerungen und es ist ihnen buchstäblich ans Herz gewachsen“, erklärte Heide Rath.
Doch wenn die Kinder aus dem Haus sind, ist dieses oft viel zu groß, nicht selten gibt es auch noch einen Garten, der gepflegt werden will und ganz generell tun sich mit zunehmendem Alter Hindernisse auf, über die man sich in jungen Jahren meist noch keine Gedanken macht: viele Stufen, keine Treppengeländer, enge Türbreiten, ein hoher Einstieg in die Dusche. Häufig wird die häusliche Pflege dadurch zusätzlich erschwert.
Anfragen aus dem Familienkreis
Der Pflegestützpunkt Zollernalbkreis, zu dem neben dem Standort Balingen noch die Standorte Hechingen und Albstadt gehören, bietet für die Bürger eine individuell zugeschnittene Beratung zu allen Themen rund um Pflege und Hilfen im Alter. Die Beratung berücksichtigt die jeweiligen Gegebenheiten der Ratsuchenden, sie ist trägerneutral und kostenfrei. „Im Gespräch wird der Hilfebedarf ermittelt und es werden mögliche Lösungen erörtert“, informierte Heide Rath, die in ihrem Bericht auch einen Blick auf die Statistik warf.
Der höchste Anteil der Beratungsanfragen betraf im Jahr 2025 Pflegebedürftige zwischen 80 und 90 Jahren und die meisten Anfragen kamen aus dem engeren Familienkreis. Ein Großteil der Beratungen fand telefonisch statt, gefolgt von den persönlichen Gesprächen im Büro des Pflegestützpunktes.
Mehr Öffentlichkeitsarbeit
Viel Wert wurde im vergangenen Jahr einmal mehr auf Öffentlichkeitsarbeit gelegt. Mit Infoständen bei verschiedenen Veranstaltungen und ihrem Flyer machten die Mitarbeiter auf den Pflegestützpunkt Zollernalbkreis aufmerksam. Und auch Netzwerkarbeit wird, wie Heide Rath wissen ließ, künftig weiter eine große Rolle spielen.
„Es ist schön, dass viele alte Leute zu Hause gepflegt werden“, konstatierte Hans-Peter Hörner (AfD), der sich nach den Kosten für einen Pflegeheimplatz erkundigte. Wie Heide Rath erklärte, muss dabei mit einem Eigenanteil von 4000 Euro aufwärts gerechnet werden. Das Thema Wohnung und die damit verbundene Frage, ob diese im Falle einer potenziellen Pflegebedürftigkeit noch geeignet ist, ist für sie nicht zuletzt deshalb ein sehr wichtiges – und eines, über das man sich beizeiten Gedanken machen sollte.
„Es wird investiert“
Wie Oberbürgermeister Dirk Abel erklärte, ist Balingen, was Pflegeheime betrifft, gut ausgestattet. In Weilstetten entstehen derzeit 75 Pflegeheimplätze in fünf Gruppen. Weitere 45 sollen es später auf dem Klöckner-Areal werden. „Es wird investiert“, betonte Dirk Abel. Allerdings brauche man dafür Personal; ein Punkt, den auch Christoph Foth (FDP) ansprach.
Auf Nachfrage von Angela Godawa (SPD) erklärte Heide Rath, dass auch genügend Plätze in der Tagespflege zur Verfügung stünden. Einen Auftrag an die Politik formulierte Nathalie Hahn (SPD), die hervorhob, dass häusliche Pflege finanziell mehr belohnt werden sollte. Denn den Spagat zwischen Beruf und Pflegetätigkeit zu schaffen, sei alles andere als einfach.
Beratung
Zum Pflegestützpunkt Zollernalbkreis
gehören die Beratungsstellen Balingen, Albstadt und Hechingen.
Die Beratung
wendet sich an gesetzlich Versicherte, ist trägerneutral, vertraulich und kostenlos. Um Terminvereinbarung wird gebeten.
Am Standort Balingen
, Filserstr. 9, sind die Mitarbeiterinnen unter Telefon (07433) 2701619 und 9079868 zu erreichen.
Weitere Informationen
gibt es unter www.pflegestuetzpunkt-zollernalbkreis.de.