Das wohl innovativste, kostengünstigste und menschlichste Senioren-Pflegekonzept der vergangenen Jahre wird nicht als Regelleistung anerkannt. Erfinder und BeneVit-Gründer Kaspar Pfister findet bittere Worte.
Viele Bürgermeister aus der Region, darunter auch Davide Licht, Burladingen und Frank Schroft aus Meßstetten haben es gelobt und unterstützt. Gemeinsam schrieben die Stadtchefs sogar an den Bundes-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und baten ihn dringend, in der Neufassung des Pflegekompetenzgesetzes die stambulante Wohnform, die gemeinsame Pflege von Fachpersonal und Angehörigen in einem sogenannten „Mitmachheim“, zu berücksichtigen und dafür zu sorgen, dass durch die Anerkennung als Regelleistung auch die Finanzierung gesichert ist.
Ein Mitmachheim im besten Sinne
Kaum ein regionaler Politiker oder eine Landespolitikerin, die sich nicht über das BeneVit-Vorzeigemodell im Haus Rheinaue persönlich informiert und ihm begeistert zugestimmt hatte, kaum ein Kenner der Pflegebranche, der dem Konzept und seinem umfassenden Ansatz nicht zumindest Respekt zollte. Regionale Medien aber auch Fachzeitschriften berichteten dann immer ausführlich. Im März noch hatte Lauterbach versichert, er werde eine stambulante Altenpflege möglich machen. Kanzler Scholz legte im Mai nach und forderte eine Pflegereform.
Im Gesundheitsministeriumrumort es ohnehin
Inzwischen aber rumort es im Gesundheitsministerium in Berlin. Nicht nur, dass ruchbar wurde, dass sich in der Pflegekasse ein Riesenloch auftut und die Beiträge erheblich steigen müssen, Lauterbach geriet auch wegen einer – nach Meinung der AOK verunglückten Krankenhausreform – in die Kritik. Die Chefin des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, fordert, Privatversicherte an den Kosten zu beteiligen. „Bleibt es bei den bisherigen Plänen von Gesundheitsminister Lauterbach, würde künftig ein Privatversicherter in einem Bett behandelt, das die Solidargemeinschaft der gesetzlich Krankenversicherten bezahlt hat“, lässt Reimann sich da zitieren.
Jetzt wird auf stationär umgestellt
Und für das Leuchtturm-Projekt aus dem Hause BeneVit ist das Ende eingeläutet. Endgültig, wie Kaspar Pfister nun in einem vorwurfsvollen Brief an Lauterbach bestätigt. Da es im jetzt vorgelegten Entwurf des Pflegekompetenzgesetzes über das stambulante Modell heiße, Details müssten „durch die Spitzenverbände noch definiert und festgelegt werden“, geht Pfister davon aus, dass keine Einigung der Verbände erzielt werden kann. Zu unterschiedlich seien die Meinungen, schon in der Anhörung seien sie aufeinandergeprallt.
Pfister kündigt an: „Da die jetzige Modellverlängerung zum 31. Dezember endet und nach bereits sechs Verlängerungen eine weitere Verlängerung niemand mehr zugemutet werden kann, muss ich jetzt allein zur Fristwahrung eine Umstellung auf stationär einleiten.“
Pfister: „Deutschland ist innovationsunfähig“
In einer Pressemitteilung schimpft Pfister über die widrigen Rahmenbedingungen: „Deutschland ist innovationsunfähig“, sagt er.
Und er fährt fort: „Der Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Pflegekompetenz liegt vor und alle Pflegebedürftigen ihre Angehörigen und die betreffenden Kommunen, die auf geringere Eigenanteile und neue, bessere Lösungen in der Altenpflege gehofft haben, werden enttäuscht, genauso wie die Mitarbeiter, die sich seit Jahren für das stambulante Mitmachheim mit Herzblut engagieren.“