Ludwig Göhner züchtet seit mehr als 50 Jahren Pferde auf seinem Hof in Frommenhausen. Foto: Marzell Steinmetz

Ludwig Göhner aus Frommenhausen hat vor mehr als 50 Jahren mit der Pferdezucht begonnen.

Pferdezucht ist eine Wissenschaft für sich. „Mit 70 lernt man immer noch dazu“, sagt Ludwig Göhner. Dabei ist er ein sehr erfahrener Züchter. Der Pferdezuchtverband Baden-Württemberg hat ihm die Ehrenurkunde für 50 Jahre Mitgliedschaft verliehen.

 

Auf seinem Hof hält er heute sechs Pferde, die alle von der Stute Ramona abstammen, die er 1973 gekauft hat. Mit ihr startete er seine Zucht. Göhner zeigt in seinem Reiterstüble den Schrank mit einigen der Auszeichnungen und Pokale für seine Pferde. Bereits Ende der 1970er/Anfang der 1980er-Jahre brachte seine Halbblutstute erfolgreiche Reit- und Turnierpferde zur Welt. 38 Fohlen sind es insgesamt, die auf dem Göhnerhof geboren wurden.

Dass Ludwig Göhner, Sparkassenbetriebswirt von Beruf, inzwischen Rentner, eine Leidenschaft für die Pferdehaltung und dann auch Zucht entwickelte, kam nicht von ungefähr. Bereits sein Vater Albin hielt neben Rindern und Schweinen in seinem landwirtschaftlichen Betrieb Pferde. Allerdings waren sie weniger zum Ausreiten in der Freizeit gedacht, sondern es waren Arbeitstiere. Das habe sich in den 1970er-Jahren geändert. „Als ich anfing, war in Baden-Württemberg die Umzüchtung des damaligen Arbeitspferds in ein Reitpferd im vollen Gange. Das Gestüt in Marbach war hier mit seinen Trakehner-Hengsten federführend“, erinnert sich Ludwig Göhner.

Ein großer züchterischer Erfolg

Die Zucht mit Ramona führte er konsequent weiter. 1996 gelang ihm eine Anpaarung mit einem Hengst, aus der eine später staatsprämierte Stute hervorging – ein großer züchterischer Erfolg für Ludwig Göhner. Seine Zuchtpferde gingen bei Turnieren bis zur S-Klasse an den Start und gewannen Mächtigkeitsspringen. Das Springen über hohe Hürden sieht er heute allerdings kritisch: „So etwas will ich meinen Pferden nicht mehr zumuten.“ Bei der DSP-Hengstkörung in München-Riem im Jahr 2020 ging ein großer Traum für ihn in Erfüllung. Der dreijährige Hengst Zarif aus seiner Zucht, Mutter ist Stute Diva, wurde gekört. „Das ist wie ein Sechser im Lotto für einen kleinen Züchter. Ein gekörter Hengst bedeutet, dass er in der Zucht eingesetzt werden kann“, erklärt Göhner.

Die Pferde vom Göhnerhof genießen den freien Auslauf auf die Koppel. Foto: Marzell Steinmetz

Im Jahr 2000 hatte er den Stall mit sechs Boxen, ein Jahr später gleich daneben einen Reitplatz gebaut. Er schuf für die Haltung damit ideale Voraussetzungen. Die Boxen sind so konzipiert, dass die Pferde Tag und Nacht allein raus und rein können. Drei davon sind größer eingerichtet und bieten Platz fürs Muttertier mit dem Fohlen.

Die Pferde vom Göhnerhof genießen den freien Auslauf auf die Koppel. Foto: Marzell Steinmetz

Die Zucht ist für Ludwig Göhner ein Hobby geblieben. Es ist jedoch eine kostenintensive Freizeitbeschäftigung. Was hinzu kommt: „Man braucht einen langen Atem.“ Bevor die Stute vom Hengst gedeckt wird, muss sie tierärztlich untersucht werden. Sie darf bei diesem Vorgang keine übertragbaren Krankheiten haben. Bis Ende der 1990er-Jahre war der „Natursprung“ üblich, seither wird fast nur noch künstlich besamt. Göhner bedauert dies als Züchter. Er ist überzeugt, dass dem Muttertier damit etwas fehlt.

Die durchschnittliche Tragezeit sind elf Monate

Die Besamung übernimmt der Tierarzt in der Periode, wenn die Stute „rossig“ ist. Zwei bis drei Besamungen reichen in der Regel aus. Gut drei Wochen später kontrolliert der Tierarzt mit Ultraschall, ob sie trächtig ist. Die durchschnittliche Tragezeit sind elf Monate. Die meisten Züchter belegen ihre Stuten so, dass die Fohlen im April oder Mai geboren werden und gewissermaßen „ins Gras“ fallen. Es ist nämlich wichtig, dass das Jungtier mit seiner Mutter gleich raus auf die Weide kann.

Den Pferdehof in Frommenhausen hat Ludwig Göhner im Jahr 2000 gebaut. Foto: Marzell Steinmetz

Mehr als 2000 Euro für die Besamung und Tierarztkosten können schnell zusammenkommen, sagt Göhner. Um alle Kosten wieder hereinzubekommen, müsste er beim Verkauf für drei- bis vierjährige Pferde mindestens 20 000 Euro verlangen. Der normale Preis für ein Durchschnittspferd liege bei 10 000 bis 15 000 Euro. „Als Züchter legt man fast immer drauf“, erklärt er. Bisher ist es aber noch nicht vorgekommen, dass ein verkauftes Pferd wieder zurückgegeben wurde. Göhner: „Das ist für mich eine Bestätigung, dass ich es gut gemacht habe.“

Noch sind die Pferde auf der Winterkoppel

Ludwig Göhner bewirtschaftet rund sieben Hektar Grasland selbst. Bei der Heuernte hilft die ganze Familie mit. Das ist immer auch eine Zitterpartie, ob das Wetter hält. Es dürfe nicht reinregnen: „Wir brauchen eine gute Qualität.“ Das Stroh bekommt Göhner von dem Bauern, an den er seine Äcker verpachtet hat. Eine Wagenladung Hafer kauft er dazu, ebenso das Mineralfutter.

Im Stall stapeln sich die Strohballen bis fast unter die Decke. Noch sind die Pferde auf der Winterkoppel, die sich gleich hinter dem Stall befindet. Auf den angrenzenden Wiesen steht das Gras schon hoch, bunt gemischt mit Kräutern und Löwenzahn. Doch noch dürfen die Tiere nicht auf die Weide. Sie müssen zuerst an die Umstellung vom Trocken- auf das grüne Nassfutter gewöhnt werden.

Die Schwalben sind inzwischen in den Stall eingezogen – willkommene Gäste. Sie sind jetzt dabei, ihre Nester zu bauen. Göhner ist stolz auf die Auszeichnung als „schwalbenfreundliches Haus“, die er vor vier Jahren erhalten hat. 20 bis 30 Schwalbenpaare nisten jedes Jahr im Gebälk. „Ich freue mich, solche Glücksbringer im Stall zu haben“, sagt er.

Kleinen Besuchern viel Wissenswertes beigebracht

An Ostern waren noch weitere Gäste auf dem Göhnerhof. Kinder erlebten dort einen spannenden Tag mit Ostereiersuchen, Reiten, Füttern und Streicheln der Pferde. Das Familienzentrum in Hirrlingen hatte dieses „Osterabenteuer“ organisiert. Ludwig Göhner brachte den kleinen Besuchern viel Wissenswertes über die Pferdehaltung und den Umgang mit den Reittieren bei. „Pferde haben eine Seele“, ist er überzeugt. Es müsse Vertrauen zu ihnen aufgebaut werden, und „man muss auch mit dem Pferd schwätzen.“

Kindern Pferde näher zu bringen, werde auch vom Verband empfohlen. „Das hat mir viel Spaß gemacht“, meint Ludwig Göhner zu dem Aktionstag auf seinem Hof. Er kann sich vorstellen, ein solches Event für Kinder zu wiederholen.