Ina Frank mit ihren neuen Ponys Briko (links) und Lania. Sie kaufte die beiden als Ersatz für die getötete Lissy. Foto: Robin Frank

Drei Monate lang ging auf dem Lettenhof von Ina Frank gar nichts. Bei der Stute Lissy, die dort lebte, war die Pferdeseuche Ansteckende Blutarmut der Einhufer festgestellt worden.

Die Pferdeseuche hätte Ina Frank ihren Hof kosten können. Der Verlust des Ponys Lissy, das Frank in der Kinderreitstunde einsetzte, wäre dagegen ein Klacks gewesen. Doch mit Lissy fing das Drama an. Mitte August wurde bei der fünfjährigen Stute, die aus Bulgarien stammte, eine Infektion mit Ansteckender Blutarmut der Einhufer festgestellt. Lissy musste von Amts wegen getötet werden. Viel schlimmer aber: Franks kleiner Reitbetrieb, der Lettenhof in Wolfenhausen, stand bis Mitte November unter Quarantäne und verursachte nur Kosten. Dass die 34-Jährige das Vierteljahr ohne jegliche Einkünfte aus Reitunterricht und Reittherapie für Kinder finanziell überlebt hat, verdankt sie vor allem dem starken öffentlichen Interesse und der großen Spendenbereitschaft vieler Leute. „Ich bin wieder im Arbeitsalltag zurück“, sagt sie jetzt dankbar. „Ohne die Spenden hätte ich es nicht geschafft.“

 

Lissy kam wegen Kolikverdacht in die Pferdeklinik in Neubulach Die Ansteckende Blutarmut der Einhufer (auch Equine infektiöse Anämie, EIA, genannt) ist eine in Deutschland meldepflichtige Pferdeseuche. Betroffene Tiere (EIA kann auch Esel, Maultiere und Zebras befallen) müssen getötet werden. Und Pferde, die mit dem infizierten Tier Kontakt hatten, müssen für drei Monate in Quarantäne. Lissy war wegen Kolikverdacht in die Pferdeklinik in Neubulach gebracht worden. Dort stand dann schnell die Diagnose fest: EIA.

Für Ina Franks Hof bedeutete das: Besuchsverbot für Außenstehende und Ausreitverbot für ihre verbliebenen fünf Pferde. Keine Kinderreitstunden mehr, kein therapeutisches Reiten, keine Kindergeburtstage rund ums Pferd, die Frank seit 2024 auf dem Lettenhof anbot. Auch die Kutschfahrten mit zwei Kaltblutpferden, mit denen Ina Franks Ehemann Robin das Familieneinkommen etwas aufgebessert hatte, fielen flach.

Einnahmen gleich null, Betriebskosten unverändert: Während der Hof lahmgelegt war, mussten die Pferde trotzdem versorgt werden. „Der Hufschmied kam, der Tierarzt kam zum Impfen, Wurmkuren waren fällig, und fressen wollten die Pferde auch“, schildert es die Wolfenhausenerin. Was ihr half, waren weniger die 4500 Euro, mit denen die Tierseuchenkasse ihr den Kaufpreis der erst fünfjährigen Stute Lissy ersetzte, und die 500 Euro, die sie als Gegenwert für die monatelange Ausbildung Lissys zum Kinderreitpony bekam.

Es waren vielmehr die Spenden. Über einen Spendenaufruf auf der Internet-Spendenplattform Gofundme kamen im Lauf der Zeit gut 4000 Euro zusammen.

Ein Leser gibt 5000 Euro Und ein Zeitungsleser, der anonym bleiben möchte, drückte im September einem Mitarbeiter dieser Zeitung spontan 5000 Euro für Ina Frank in die Hand. Wie berichtet, hatte er zuvor einen Artikel über die Folgen der Pferdeseuche für die 34-Jährige gelesen. Frank brach damals in Tränen aus, als sie die gute Nachricht hörte. „Nach diesen tiefen Tälern, durch die ich da seit Mitte August musste, ist das jetzt ein Höhenflug“, sagte sie dann.

Jetzt hat sich die Wolfenhausenerin auf einer bebilderten Weihnachtskarte bei allen Spenderinnen und Spendern bedankt. Ohne ihre Unterstützung, schreibt sie auch im Namen ihres Mannes Robin und ihrer dreijährigen Tochter Lena, hätte sie den Lettenhof „in dieser Form nicht weiterführen können“. Die Karte ist bedruckt mit Fotos von Ina Frank und den zwei neuen Ponys, die im Herbst in den Stall in Wolfenhausen eingezogen sind: die zwölfjährige Stute Lania und der achtjährige Wallach Briko. Beide haben eine Rückenhöhe von etwas über 1,30 Meter und sind ungefähr so groß wie es Lissy war.

Kinderreitstunde und Reittherapie mit Lania ab Januar Die helle Lania sei ein sensibles Pferd, das sie ab Januar in der Kinderreitstunde und der Reittherapie einsetzen werde, berichtet Frank. Den dunkelbraunen Briko beschreibt die 34-Jährige als „etwas robuster“. Kindern gegenüber benehme sich der intelligente Mischling aus Islandpferd und Pony „super“. Der Wallach brauche aber „eine klare Führung“. Dass Frank auf der Suche nach einem Ersatz für Lissy gleich zwei Ponys kaufte, lag an deren Preis. Lania und Briko, die ihr auf Anhieb gefallen hatten, waren sehr günstig. „Wir haben es gewagt“, sagt sie. „Wir dachten, dass wir sie nach ein paar Monaten Ausbildung problemlos weiterverkaufen könnten, falls wir merken, dass sie zum Reitschulpony nicht taugen.“ Beim frechen Briko ist Ina Frank sich noch nicht so sicher, ob er auf dem Lettenhof bleiben wird. Ihre dreijährige Lena hat den Dunkelbraunen aber schon fest ins Herz geschlossen.

Um die finanziellen Probleme im Zusammenhang mit der verhängten Quarantäne abzupuffern und angesichts der absehbaren Rechungen (unter anderem von der Tierklinik für die Desinfektion ihres Stalltrakts, in dem Lissy gestanden hatte) verkürzte Ina Frank ihre Elternzeit. Seit Oktober arbeitet sie wieder in ihrem bisherigen Beruf in der Jugendhilfe in Holzgerlingen, sie hat dort eine 25-Prozent-Stelle.

Ponys hat sie an der polnischen Grenze gekauft Und bei aller Pferdeliebe ging die Wolfenhausenerin auch beim Kauf von Lania und Briko mit Vernunft an die Sache. Sie ließ den beiden umgehend Blut abnehmen und auf das EIA-Virus testen. Zu dieser Entscheidung trug auch die Tatsache bei, dass sie die Ponys an der polnischen Grenze gekauft hat. Während die Pferdeseuche in Deutschland sehr selten vorkommt, ist sie in Osteuropa weiter verbreitet. Erst als klar war, dass die Stute und der Wallach gesund sind, durften sie zu den anderen Pferden auf den Lettenhof.