Obwohl es in der Umgebung vereinzelte Druse-Fälle gab, blieb der Stall im Sickenbühl vollständig frei von Infektionen. Pferd Salute ist gesund. Besitzerin Susanne Kiehl freut das natürlich. Sie weiß über die Infektionskrankheit Bescheid. Foto: Hannah Schedler

Eine Pferdekrankheit sorgt für Unruhe unter Pferdeliebhabern und Reitern: Druse. Reitställe schotten sich ab, ein erstes Turnier ist abgesagt, denn: Die Krankheit kann tödlich enden.

Schwarzwald-Baar – Eine hochansteckende Pferdekrankheit breitet sich derzeit wieder in der Region aus: Druse, eine bakterielle Infektion der oberen Atemwege, sorgt bei Stallbetreibern für große Besorgnis. Weil die Krankheit nicht meldepflichtig ist, sind eine systematische Nachverfolgung und Eindämmung erschwert.

 

Claus Steidinger, Reitlehrer und Pächter des Reitvereins Donaueschingen, hat deshalb in seinem Stall eigene Schutzmaßnahmen ergriffen. „Eigentlich ist das eine klassische Seuche“, sagt Steidinger. „Aber sie wurde aus der Meldepflicht genommen. Das verstehe ich überhaupt nicht und halte das für extrem verantwortungslos.“

Es geht schnell

Druse verbreitet sich schnell – nicht nur direkt von Pferd zu Pferd, sondern auch etwa über Kleidung. Selbst Personen, die vorher in einem betroffenen Stall waren, können den Erreger unbemerkt weitertragen. Die Infektion wird durch Tröpfchen weitergegeben – über Husten, Niesen oder den direkten Kontakt.

Pferde zeigen Fieber, Nasenausfluss und geschwollene Lymphknoten. „Sie sind dann richtig matt, teilweise schwer krank und können auch sterben“, warnt Steidinger. Besonders ältere Tiere sind gefährdet, und selbst nach überstandener Krankheit bleiben viele Pferde über Wochen hinweg geschwächt und nicht mehr voll belastbar.

Keine Spur von Husten oder Fieber: Im Donaueschinger Reitverein zeigt sich, wie wirkungsvoll gutes Stallmanagement ist. Foto: Hannah Schedler

Im Reitstall Donaueschingen gelten derzeit strikte Vorsichtsmaßnahmen.

„Rigorose“ Bestimmungen

Es gibt einen vollständigen Aufnahmestopp für neue Pensionspferde, keine Teilnahme an Turnieren, und fremde Pferde oder Reiter dürfen den Hof nicht betreten. „Ich bin da rigoros. Nur so kann man die Ansteckungsgefahr wirklich minimieren“, so Steidinger.

Dass Druse keine meldepflichtige Krankheit ist, hält er für einen fatalen Fehler: „Man weiß einfach nicht, wo es gerade Fälle gibt. Viele reden auch nicht offen darüber – das macht es so gefährlich.“ Seiner Erfahrung nach kommt es etwa alle sechs bis sieben Jahre zu einem größeren Ausbruch – aktuell scheint es wieder so weit zu sein.

Die Krux mit der Meldepflicht

Auf Nachfrage bestätigte das Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis: „Bezugnehmend auf Ihre Fragen darf ich Ihnen mitteilen, dass die Druse staatlich nicht bekämpft wird. Es besteht keine Melde- oder Anzeigepflicht und daher liegen uns die von Ihnen gewünschten Informationen nicht vor.“

In den Landkreisen Rottweil, Grüningen und Oberndorf wurden seit Januar bereits Fälle bekannt, sagt Steidinger. Besonders Turniere gelten als Risikoherd – nicht zuletzt, weil dort Pferde aus vielen verschiedenen Betrieben aufeinandertreffen. „Man weiß nie, was da mitgebracht wird“, sagt Steidinger. Deshalb verzichtet er auch bewusst auf den Turnierbesuch: „Das ist mir einfach zu heikel. Wenn man die Druse einmal im Stall hat, wird man sie so schnell nicht wieder los“, sagt er.

Event gecancelt

Der etablierte Reitertag des Vereins, der im Mai stattfinden sollte, wurde aufgrund der Lage kürzlich auch schon abgesagt. „Solange es keine Entwarnung gibt, machen wir nichts“, stellt Steidinger klar. Auch für Veranstaltungen im Sommer sieht er aktuell keine Planungssicherheit.

Auch auf den Immenhöfen, wo das traditionsreiche Fest der Pferde ausgerichtet wird, beobachtet man die Lage mit Vorsicht. Uschi Frese vom Reitzentrum Frese bestätigt: „Nein, wir haben aktuell weder Fälle noch Verdachtsfälle.“ Trotzdem wurden bereits präventive Maßnahmen getroffen: „Unsere Einsteller wurden gebeten, nach Besuchen in anderen Ställen Kleidung zu wechseln und sich gründlich die Hände zu waschen.

Während in anderen Regionen Druse-Fälle gemeldet werden, bleiben die Pferde im Sickenbühl Donaueschingen dank frühzeitiger Vorsichtsmaßnahmen bisher vollständig verschont. Foto: Hannah Schedler

Solche Besuche sollen auf das Notwendigste beschränkt werden.“ Auch Hufschmiede und andere externe Dienstleister wurden über das Risiko informiert. Bei Lehrgängen und Turnieren sollen Reiter mit ihren Pferden möglichst auf Abstand zu anderen bleiben.

Noch ist es nicht akut

Für das Fest der Pferde, das erst in vier Monaten stattfindet, sieht Frese derzeit noch keinen akuten Handlungsbedarf – bereitet sich aber vor. „Die Pferde werden wie bei internationalen Turnieren üblich bei der Ankunft tierärztlich untersucht. Vor der Anreise müssen Reiter Fieber messen und die Werte digital eintragen“, erklärt sie. Zusätzlich stehen Quarantäneboxen abseits der Stallzelte bereit, falls es im Turnierverlauf zu Verdachtsfällen kommen sollte.

Ein erhöhtes Risiko durch den überregionalen Pferdeverkehr sieht Frese derzeit nicht akut, verweist jedoch auf die saisonale Entwicklung: „Erfahrungsgemäß nimmt die Ansteckungsgefahr im Sommer eher ab.“ In der Vergangenheit habe es auf den Immenhöfen weder Einschränkungen noch Absagen wegen Druse gegeben.

Als Veranstalterin ist sich Frese der Verantwortung bewusst: „Das Ansteckungsrisiko besteht bei jedem Turnier. Aber wir vertrauen auf unsere tierärztliche Eingangskontrolle – und auf die Vernunft und Fairness der Reiter, die ihre Pferde vorher genau beobachten und nur mit gesunden Tieren anreisen.“

Was Pferdehalter jetzt beachten sollen

Gerade größere Turniere mit klaren Kontrollmechanismen – wie Fieberprotokollen, Abstandsregeln und Quarantänezonen – seien ihrer Einschätzung nach oft sicherer als kleine, weniger streng organisierte Veranstaltungen. Frese ruft alle Teilnehmer dazu auf, sich strikt an Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen zu halten: „Nur mit gesunden und fitten Pferden sollte man überhaupt an den Start gehen.“

Turnierbetrieb 2024 auf den Immenhöfen: Für die diesjährige Veranstaltung werden angesichts vereinzelter Druse-Fälle zusätzliche Kontrollmaßnahmen vorbereitet Foto: Hannah Schedler

Für Matthias Rath, Veranstalter des CHI-Reitturniers in Donaueschingen, ist das zum aktuellen Zeitpunkt noch kein Grund zur Sorge: „Meist sind junge Pferde betroffen.“ Turnierpferde würden zudem gecheckt.