Strukturprozesse, größere Bezirke, Unsicherheiten – Pfarrerin Anja Forberg verschweigt die Schwierigkeiten nicht, sieht aber auch eine große Chance.
Pfarrerin Anja Forberg wurde am Sonntag mit einem feierlichen Investiturgottesdienst in der Predigerkirche offiziell in ihr Amt als Pfarrerin auf der Pfarrstelle Rottweil-Flözlingen West eingeführt. Viele Gratulanten überbrachten ihre persönlichen Grußworte.
Vor nunmehr drei Jahren kam Anja Forberg mit ihrem Mann und ihrer Tochter nach Rottweil – als Nachfolgerin von Pfarrerin Esther Kuhn-Luz, die in den Ruhestand ging. Auf der Pfarrstelle Rottweil West versah sie ihren Dienst. Doch seither hat sich einiges verändert in der Gemeinde.
Die Kirchengemeinden Rottweil und Flözlingen/Zimmern haben fusioniert, Rottweil ist Dekanatssitz und die fusionierte Gemeinde Rottweil-Flözlingen hat sich ein Stück weit neu ausgerichtet, neue Strukturen geschaffen und die Bezirke neu ausgerichtet. So entstand der Pfarrbezirk Rottweil-Flözlingen West. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes und der Elternzeit geht Anja Forberg nun frisch ans Werk und freut sich auf ihre neuen Aufgaben.
Offiziell verpflichtet
Dekan Ulrich Dewitz verpflichtete Anja Forberg am Sonntag offiziell in ihr Amt, und hieß die Pfarrerin herzlich willkommen. Er verglich die Kirchengemeinde mit einer Seilschaft, in der es auf jeden Einzelnen ankomme. Jeder Einzelne sei wichtig.„Gemeinde, Pfarrerin und Gott gehören zusammen, damit etwas Gutes entstehen kann“, sagte er.
Kritischer Blick auf die Kirchenentwicklung
Anja Forberg blickte in ihrer Predigt durchaus kritisch auf die Entwicklungen der Kirche. „Ich denke an die Ratlosigkeit, den Frust und die Wut, die uns die letzten Jahre im Zuge der Pfarrpläne und Strukturprozesse beschäftigt haben. Ich denke an die Gemeindegebiete, die immer größer werden. Die Steine im Mauerwerk knirschen“, sagte sie und gab zu, dass auch sie manchmal verzagt in der Kirchenbank sitze, wenn sie an die Zukunft denke.
Hoffnungsvoll in die Zukunft
Sie zeigte zugleich aber auch auf, wie sich die ersten christlichen Gemeinden, heimlich, an dunklen Orten zusammenfanden. Und dennoch begeistert waren und voller Hoffnung. Sie ermuntert, den Blick weiterhin voller Hoffnung nach vorne zu richten, trotz aller Widrigkeiten und zeichnete ganz vielfältige Bilder der Kirche von morgen, die vielleicht ein Bauwagen mit Kreuz und Altar ist, der durch die Dörfer fährt und bei Wind und Wetter die Wiese zur Kirche macht. Sie zeigt auf, dass es Mut und neue Ideen braucht, die Kirche von morgen zu gestalten. Und dass es sich lohnt, dranzubleiben.
Grußworte für die „Netzwerkerin“
Im Anschluss an den Gottesdienst gab es nicht nur viele Glückwünsche, sondern auch zahlreiche Grußworte für die „Brückenbauerin, Netzwerkerin und Impulsgeberin“ Anja Forberg, wie Mustafa Keskinsoy von der muslimischen Gemeinde in seinem Grußwort gemeinsam mit Janina Niefer, der Geschäftsführerin des Bildungswerks Südwestwürttemberg, betonte. „Du hast den Interreligiösen Dialog mit Leben gefüllt, das war und ist dir eine Herzensangelegenheit“, sagte er.
Zimmerns Bürgermeisterin, die zugab, dass sie sich an die Begrifflichkeit „Rottweil-Flözlingen“ erst noch gewöhnen müsse, überbrachte ebenfalls ihre Glückwünsche. „Das ist heute ein schöner Tag für Zimmern und die Gemeinden im Eschachtal, die jetzt wieder eine Pfarrerin haben. Herzlich Willkommen“, so Merz, die sich auf gute Zusammenarbeit freut.
Kaffee, Gebäck und Austausch
Auch die Vertreterinnen der Kindergärten überbrachten Glückwünsche und betonten, wie wichtig der Besuch einer Pfarrerin oder eines Pfarrers in den Einrichtungen sei. Und sie freuten sich, dass Anja Forberg die Andachten, die Pfarrer Alexander Köhrer eingeführt habe, fortsetzen wolle. Für die Ökumene überbrachte Gemeindereferentin Gabriele Leibrecht gute Wünsche und für den Kirchengemeinderat Rudolf Etter.
Im Anschluss konnten die Besucher bei Kaffee und Gebäck mit Anja Forberg ins Gespräch kommen.