Mihaela und Robert Mađarić Beer sind seit einem Jahr Pfarrer in der evangelischen Verbundkirchengemeinde Bad Herrenalb und Bernbach. Mit drei kleinen Kindern wird der Alltag zwischen Arbeit und Familie nicht langweilig – die beiden teilen ihn sich auf.
Als „bunte Vögel“ hatten sich Mihaela und Robert Mađarić Beer ihrer Gemeinde im März 2024 vorgestellt. Damit zielte die Pfarrerin vor allem auf ihre Herkunft ab. Beide Theologen haben einen spannenden Weg hinter sich. Spannend allerdings ist auch ihre Arbeitsteilung und ihr Leben mit drei kleinen Kindern.
Seit rund einem Jahr sind die Mađarić Beers in Bad Herrenalb zu Hause. Und so, wie sie sich die Pfarrstelle in der evangelischen Verbundkirchengemeinde Bad Herrenalb und Bernbach teilen, so halten sie es auch daheim. Mihaela Mađarić Beer ist nach der Geburt ihres dritten Kindes und anschließender Elternzeit seit Kurzem wieder im Dienst, dafür kümmert sich in den kommenden Monaten ihr Mann Robert um die Familie. Eigentlich teilten sich die beiden die Pfarrstelle 50/50. Jetzt arbeitet die 38-Jährige Vollzeit als Pfarrerin, seit Juni 2024 war es andersherum. „Da hat er alles übernommen“, erzählt die dreifache Mutter.
Inzwischen ist Nesthäkchen Mirjam acht Monate alt. Neben ihr gehören noch Rahel, die demnächst drei Jahre alt wird, und der fünfjährige Rafael zur Familie.
Die Konfirmanden betreut er weiter
Herausforderungen Familie und Privatleben unter einen Hut zu bringen, ist immer eine Herausforderung, und Arbeit und Privatleben sind bei einem Pfarrehepaar ohnehin nie so richtig zu trennen. Im Prinzip haben sie die Aufgabengebiete aber verteilt. Momentan, während der Elternzeit des jeweils anderen, macht einer beruflich alles. Mit einer Ausnahme: Robert Mađarić Beer hat den aktuellen Konfirmandenjahrgang von Anfang an betreut. Dabei bleibt es auch, einschließlich der Konfirmation im Mai. „Das wäre für die Konfirmanden einfach blöd, wenn sie nun einen anderen Ansprechpartner hätten“, erklärt die Pfarrerin.
Dass sie, wenn nötig, spontan Aufgaben verteilen können, das ist einer der Vorteile. Auch, wenn die Kinder einmal krank sind. Die räumliche Nähe von Leben und Arbeit sieht Robert Mađarić Beer auch ebenfalls als Pluspunkt: „Viel pendeln müssen wir nicht.“ Gleichzeitig müsse man aber damit klarkommen, eine Person des öffentlichen Lebens zu sein. „Man wird immer erkannt“, sagt der Pfarrer – selbst wenn man nur mal kurz mit den Kindern zur Eisdiele läuft. Doch Mihaela und Robert Mađarić Beer sind beide kleinen Dörfern aufgewachsen. Mit Nähe können sie also umgehen.
Zu den Herausforderungen des Berufs gehören die Arbeitszeiten: Abendtermine etwa seien schwierig, die versuchen die Mađarić Beers zu vermeiden. Da helfe es, mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Das macht es möglich, dass sich ein Arbeitskreis auch mal samstagvormittags trifft – und einfach jeder seine Kinder mitbringt.
Studium führt in unterschiedliche Länder
Wege Wie es die Familie ausgerechnet nach Bad Herrenalb verschlagen hat? „Unser Weg war wirklich sehr interessant“, erzählt die 38-Jährige. Sie hätten aber dass Vertrauen gehabt, dass sie ihren Weg schon finden würden.
Die Pfarrerin ist in Kroatien aufgewachsen, ihr Mann in Serbien. Sie hat einen italienischen Vater, er auch kroatische und ungarische Wurzeln. Das erklärt, warum Mihaela Mađarić Beer beim Begrüßungsgottesdienst von „bunten Vögeln“ sprach.
Die beiden haben Theologie und Kunstgeschichte studiert, sie sogar noch ein Studium in Judaistik abgeschlossen. Kennengelernt haben sich die zwei an der Universität in Rom. Dorthin zog es beide, nachdem sie in ihrer jeweiligen Heimat angefangen hatten zu studieren. Stationen an den Universitäten in Heidelberg und Tübingen folgten, Mihaela Mađarić Beer lebte zeitweise sogar noch in Stockholm und Jerusalem. Seit 2012 ist das Paar in Deutschland.
Erst arbeiten sie an der Uni
Berufung Lange Zeit hätten sie beide gedacht, sie blieben beruflich an einer Uni, erzählt der Pfarrer. Doch die akademische Welt sei eine kleine. Der Wunsch, mehr für die Menschen zu tun, der kehrte bei beiden zurück. Nach außen zu wirken und mit Menschen in Kontakt zu treten, das sei als Pfarrer viel eher möglich als für einen Wissenschaftler, beschreibt es der 37-Jährige. „Da spürt man ein bisschen die Berufung: Ich will mehr tun für die Menschen.“
Als Vikare hat es sie nach Althengstett beziehungsweise Calw-Stammheim verschlagen. „Wir haben uns verliebt in die Gegend“, erzählt Mihaela Mađarić Beer. Weil sie die Natur mögen, wollten sie nach dem Vikariat gerne noch ein wenig tiefer in den Schwarzwald hinein.
Beide lieben auch die Lage von Bad Herrenalb – weder Karlsruhe, noch Baden-Baden und Calw sind weit weg.
„Wir sind beide Kunsthistoriker“, sagt Robert Mađarić Beer. Da habe sie das Herrenalber Kloster gleich angesprochen. Auch Rahel und Rafael hätten sich schnell eingewöhnt, zumal es mit der Kinderbetreuung gleich super funktioniert habe – im „Kinderhaus Regenbogen“.
Zuhause Die Mađarić Beers fühlen sich wohl. Und sie seien dankbar: Dass sie drei Kinder haben, Beruf und Familie so organisieren können, und dass auch die Menschen in ihrer Kirchengemeinde flexibel und verständnisvoll seien. „Da ist einem das Herz voll“, sagt Mihaela Mađarić Beer. Sie hat sich auch schnell wieder eingefunden in die Arbeit. „Weil ich das mache, was ich schon immer machen wollte“, so Mađarić Beer
Auch ihr Mann ist angekommen in der Elternzeit und freut sich auf die kommenden fünf Monate: Dass Frühling und Sommer in diese Zeit fallen, war eine bewusste Entscheidung. Er nimmt sich jetzt nämlich den Pfarrgarten vor.