Das auf einem Zwischengeschoss des Kirchturms noch vorhandene stillgelegte Räderuhrwerk, das etwa aus den 1920er-Jahren stammt, wird ab dem Frühjahr gepflegt und restauriert. Foto: Hahn

Die Uhr der Pfarrkirche Sankt Martin tickt wieder im Takt. Nach der Sanierung läuft sie jetzt digital mit Funksignal und Schutzbleche sollen künftig Tauben fernhalten.

Blumberg-Riedöschingen - Jetzt schlägt’s zwölf: Die Arbeiten an der Kirchturmuhr in Riedöschingen sind abgeschlossen und die Turmuhr läutet wieder zu den gewohnten Zeiten. Nachdem die Kirchturmuhr Mitte November vermeintlich verrückt zu spielen schien, da sie einige Tage lang unverändert auf zwölf Uhr stand und dann auch noch die Kirchenglocken aufgrund einer Neuprogrammierung sehr häufig und zu ungewöhnlichen Zeiten erklangen, tickt inzwischen auch die bedeutendste Uhr des Dorfes wieder richtig.

Digitale Uhr mit Funksignal

Dies zumindest im übertragenen Sinne, denn tickende Uhrwerke gehören in Riedöschingens katholischer Kirche Sankt Martin mittlerweile der Vergangenheit an. Da die bisherige analoge Uhr, die etwa aus den 1950er-Jahren stammt, kaputt war und auch keine Ersatzteile mehr dafür zu beschaffen waren, wurde sie durch eine neue digitale Uhr mit Funksignal ersetzt.

Den Austausch der Uhr sowie die Programmierung der neuen Steuerung nahm Fahri Zenen von der Firma Schneider Turmuhren und Glockentechnik aus Schonach im Schwarzwald vor. Die vorhergehende Steuerung war noch ganz oben im Glockenstuhl selbst untergebracht. "Die aktuellen Vorschriften lassen dies allerdings nicht mehr zu. Deshalb befindet sich die neue Steuerung nun eine Ebene weiter unten, um die Uhr bei Bedarf auch abstellen zu können, ohne sich dabei in den Gefahrenbereich begeben zu müssen", sagt Fahri Zenen. Zur Programmierung der Steuerung war er zwei Tage vor Ort. Beim ersten Termin unternahm er alles Notwendige, um die Uhr überhaupt zum Laufen zu bringen, sodass sie am Ende zumindest wieder zu allen vollen und Viertelstunden schlug. Im zweiten Termin Ende November standen die restlichen Programmierarbeiten an, um alle festen Läutezeiten in der Steuerung zu hinterlegen. Dies sind im Wesentlichen die Gebetszeiten um sechs Uhr morgens, zwölf Uhr mittags und halb sieben Uhr abends.

Alle Klöppel ausgetauscht

Passend zur neuen Steuerung wurden auch die Klöppel aller Glocken ausgetauscht: Ein weicherer Stahl sorgt nun für ein glockenschonenderes Läuten, wobei das Geläut selbst unverändert geblieben ist, so wie es ursprünglich in der Läuteordnung der Kirche festgelegt wurde. Die fünf Glocken hängen in zwei Glockenstuben im massiven Glockenturm und haben einen Durchmesser zwischen 77 und 120 Zentimetern sowie ein Gewicht zwischen 308 und 1126 Kilogramm. Sie stammen von der Glockengießerei Schilling in Heidelberg aus dem Jahr 1954 und lassen in ihrem fünfstimmigen Geläut in der Melodielinie das Salve-Regina-Motiv erklingen.

Turmbegehung am Anfang

Vorausgegangen war den Arbeiten am Kirchturm eine Turmbegehung mit Geläuteprüfung im Jahr 2015 durch Johannes Wittekind, den erzbischöflichen Glockeninspektor der Erzdiözese Freiburg. "Ich bin immer eng in das allgemeine Baugeschehen im Erzbistum eingebunden, damit das Gewerk des Glockenbaus in Ordnung ist und nicht vergessen wird", erläutert er auf Anfrage. Da in Riedöschingen die Sanierung der Außenanlagen anstand, nahm er den Kirchturm genau in Augenschein. Er vergleicht seine Arbeit und Funktion dabei gerne mit dem TÜV: "Ich schaue mir den Turm sowie die Glockenstube genau an und schreibe anschließend einen Bericht, der die Anlage und ihren Zustand beschreibt und auch einen Mängelbericht und Maßnahmenkatalog enthält."

Wechselwirkung beachtet

Dank seiner langjährigen Erfahrung als Architekt im Bauamt des Erzbistums, einer kirchenmusikalischen Ausbildung sowie der Zusatzausbildung zum hauptamtlichen Glockensachverständigen hat er ideale Voraussetzungen, um auch die Wechselwirkungen zwischen dem Bauwerk und dem Glockengeläut gut beurteilen zu können. Der Anlage in Riedöschingen stellte er ein gutes Zeugnis aus und bewertete sie als sehr vorbildlich gepflegt und in baulich gutem Zustand. Er regte allerdings an, die noch im Kirchturm vorhandene ursprüngliche Uhr mit dem alten stillgelegten Räderuhrwerk zu erhalten und zu pflegen. Diese stammt laut Fahri Zenen wohl etwa aus den 1920er-Jahren und musste noch täglich von Hand aufgezogen werden. Die Pflege des alten Uhrwerks wird Zenen im Frühjahr kommenden Jahres vornehmen, sobald die Witterung entsprechend mild ist, sodass nach der Reinigung aller Komponenten auch das zum Einsatz kommende Pflegeöl einwirken kann.

Arbeiten im Kostenplan

Die Arbeiten am Gewerk des Glockenbaus sind eingebunden in den letzten Bauabschnitt der Sanierung der Außenlagen. Der wesentliche Teil mit der offeneren und barrierefreien Neugestaltung des Kirchplatzes erfolgte bereits 2016. "Aus Kostengründen wurde damals auf die Sanierung der verwitterten Muschelkalkmauer, die den Kirchplatz umgibt, verzichtet", sagt Architekt Ewald Gut. Dies konnte nun nachgeholt werden. "Die Arbeiten liegen im Zeitplan und auch der Kostenplan wird eingehalten." Einige Restarbeiten stehen noch an, die voraussichtlich im Frühling abgeschlossen werden können. Dazu zählen ein neues Geländer auf der restaurierten Mauer sowie die Installation von Stahlblechen an den Kirchturmöffnungen, die vor allem der Taubenabwehr dienen. Denn sie stellen in Riedöschingen ein zunehmendes Problem dar. "Während in anderen Ländern die Glockenstühle häufig komplett offen sind, kommen in Deutschland Schallläden zum Einsatz, die als Witterungsschutz dienen, vor ungewolltem Vogelflug schützen, aber auch einen mechanischen Schutz etwa vor einem gebrochenen und herum fliegenden Klöppel bieten.

Tägliches Geläut

Zudem ist der klangliche Aspekt nicht zu vernachlässigen, da die Tonstube somit vergleichbar mit dem Resonanzkasten etwa einer Geige ideale raumakustische Verhältnisse bietet", erklärt Glockeninspektor Johannes Wittekind. Von diesen können sich die Riedöschinger nun wieder täglich selbst überzeugen, sei es zum Weckruf um sechs Uhr morgens oder zum Gebet zur Mittags- oder Abendzeit.