Feierlich wurde Pfarrer Timo Stahl (vorne, Zweiter von rechts) in der Dornstetter Martinskirche von vielen Weggefährten verabschiedet. Foto: Waltraud Günther

Mit einem Festakt samt Begegnungsfest rund um die Dornstetter Kirche verabschiedeten Weggefährten, Gemeindemitglieder und Kooperationspartner Pfarrer Timo Stahl.

Auf die Verdienste von Timo Stahl als Religionslehrer ging beim Festakt in der Kirche Schuldekan Hans Jörg Dieter in seinem Grußwort ein. Stahl habe es hervorragend verstanden, Pfarramt und Religionsunterricht unter einen Hut zu bringen. Außergewöhnlich sei auch, dass Stahl mehrfach gebeten worden sei, als Religionslehrer Klassenfahrten zu begleiten.

 

Als Bürgermeister und Freund bescheinigte Bernhard Haas dem scheidenden Pfarrer, der nach neun Jahren die evangelische Verbundkirchengemeinde Dornstetten verlässt und als Krankenhausseelsorger ans Klinikum Böblingen-Sindelfingen wechselt, viele bleibende Spuren in der Kirchengemeinde und im gesamten Gemeinwesen hinterlassen zu haben.

Mit Charisma, Charme, Humor, Klugheit, Kreativität, Empathie und Zugewandtheit sei Stahl stets bereit gewesen, die Herausforderungen der Zeit anzunehmen. Und habe damit auch Menschen erreicht, die sich selbst nicht als kirchenaffin bezeichneten.

Gemälde und Medaille

An seinen Freund gerichtet, bekannte Haas gerührt: „Dann muss der Timo halt auch heulen, dann darf ich es auch.“ Mit einem Gemälde der Martinskirche und der Verleihung der Dornstetter Stadtmedaille in Gold bedankte er sich bei Stahl.

Bürgermeister Bernhard Haas (rechts) überreicht Timo Stahl ein Gemälde zum Abschied. Foto: Waltraud Günther

Dank der „Blaulichtfamilie“ überbrachte Kreisbrandmeister Frank Jahraus: „Wir sind dankbar, dass wir dich haben durften, und traurig, dass du gehst, du hast Spuren hinterlassen“, so Jahraus, der Stahl als „wertvollen Begleiter und Zugpferd“ würdigte. Als Geschenk überreichte er einen Gutschein für eine Ferienwoche im Feuerwehrhotel am Titisee.

Auch die neuen Leiterinnen der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) im Kreis Freudenstadt, Sophie Randecker und Majella Vater, lobten Stahls kommunikative Fähigkeiten: „Du hast es geschafft, dass wir ein Team geworden sind.“ Der eigens gegründete PSNV-Chor intonierte „Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr, alle schätzen Timo sehr“.

Der PSNV-Chor hatte sich eigens zu diesem Anlass gegründet. Foto: Waltraud Günther

Der Kinderchor der Martinskirche unter der Leitung von Stefanie Brüning trug mit seinen innig gesungenen Segensliedern ebenfalls zur musikalischen Unterhaltung bei.

DRK bringt Gulaschkanone mit

Für den DRK-Ortsverein dankte Vorsitzender Johannes Braun Stahl: „Ich bin froh und stolz, dich kennengelernt zu haben. Dir war keine Aufgabe zu schwer, kein Weg zu weit.“ Das Abschiedsgeschenk des DRK bestand nach dem Motto „Eintopf für alle“ aus einer voll gefüllten Gulaschkanone, die nach dem Festakt im Kirchgarten aufgebaut war.

Auch Daniel Küchele, Vorsitzender der Dornstetter Pfadfinder, rührte mit herzlichen Abschiedsworten und der Übergabe eines mit „Timo“ bestickten Pfadfinder-Halstuchs.

Diakon i.R. Georg Lorleberg bescheinigte Stahl, sich mit einer Grundhaltung, die von „viel zupackendem Mut, Zuversicht, Licht und Begegnung geprägt ist“ große Anerkennung und Respekt in der Franziskusgemeinde und im Pastoralteam erworben zu haben.

Tränen an einem schönen Tag

Mit der an ihn selbst gerichteten Frage „Wie kann man denn Tränen in den Augen haben an einem so schönen Tag?“ bedankte sich Timo Stahl mit einem „Bleibt behütet, bleibt gesegnet, adieu!“.

Beim anschließenden Fest rund um die Kirche wurden die Besucher von der im Pfarrgarten aufspielenden Stadtkapelle verwöhnt – von der Feuerwehr am Grill und vom DRK aus der Gulaschkanone. Gruppen und Kreise boten weitere Köstlichkeiten an, auch das Lieblingsdessert Stahls: Eis mit heißen Himbeeren. Da in der Kirche die Schlange der Menschen, die sich persönlich von ihm verabschieden wollten, nicht kürzer wurde, dürfte er selbst kaum in den Genuss gekommen sein.

Begegnungsfest rund um die Kirche: viele Menschen, viele Leckereien Foto: Waltraud Günther

Bereits vor Beginn des Abschiedsgottesdienstes für Pfarrer Timo Stahl, der dem Festakt und dem Begegnungsfest vorausging, war am Sonntagnachmittag in der Martinskirche kein Platz mehr frei. Viele Besucher mussten deshalb mit Stehplätzen vorliebnehmen.

Ungewöhnlich war, dass viele Besucher in Uniform gekommen waren, um Abschied zu nehmen: Ob Feuerwehr, DRK, Notfallhilfe, Malteser, Psychosoziale Notfallversorgung oder Polizei – die „Blaulichtfamilie“ der gesamten Region hatte sich zu Ehren des scheidenden Gottesmanns in Dornstetten eingefunden.

Die Stadtkapelle im verschneiten Pfarrgarten Foto: Waltraud Günther

Sichtlich gerührt bekannte dieser, dass Abschied nehmen richtig schwer sei. Er blicke auf so viele schöne Begegnungen und Gespräche und auf Begleitung in Freud und Leid zurück und könne deshalb nicht versprechen, „dass es heute trocken bleibt“. Er hätte nie gedacht, so Stahl, dass man als Pfarrer seine Pfarrstelle einmal „Heimat“ nennen könne. Als Sinnbild für Aufbruch, Thema seiner Abschiedspredigt, hatte Stahl den Zweig eines Apfelbaums mitgebracht, den er 2016 bei seiner Amtseinsetzung im Dornstetter Pfarrgarten gepflanzt hatte.

Jeder Austritt schmerzt

„Was bringt die Zeit? Was kommt noch?“, fragte Stahl. Symbol für alles, was wachsen durfte, waren für ihn die im Pfarrgarten geernteten Äpfel. Aber auch die Blätter, die verloren gingen, gehörten dazu: „Jeder Austritt schmerzte mich.“ Wie gut, dass Stahl gleichzeitig 243 Taufen feiern und viele Projekte anstoßen durfte. „Ich gehe mit einem Korb voll reifer Früchte und mit großer Dankbarkeit darüber, was sich alles entwickelt hat.“

Überaus dankbar für Stahls Dienst in Dornstetten, für die Gaben, seine Treue und Liebe, mit denen er seinen Dienst ausfüllte, zeigte sich auch Dekan Andreas Streich. An diesem Tag gelte es, einen „Pfarrer mit Ausnahmebegabung“ zu verabschieden, der überall große Wertschätzung genossen habe und der seinen Beruf nicht als Dienst, sondern als Lebensaufgabe gesehen habe, so Streich.

Wertschätzung von allen Seiten

Große Wertschätzung brachte auch die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Martina Weisser, zum Ausdruck. Sie würdigte Stahl als jemanden, der viele Türen geöffnet und es verstanden habe, die Menschen anzusprechen. Im Namen des Kirchengemeinderats und der Mitarbeiter dankte sie mit einem großen Erinnerungsalbum, in dem die wichtigsten Stationen seines Wirkens festgehalten sind.

Aber auch musikalisch wurde Stahl gedankt. Marlene Müller tat dies mit herrlichen Orgelklängen, der Posaunenchor unter der Leitung von Martin Strähler mit „So viel Gutes“ und weiteren Chorälen und der Chor der Martinskirche unter der Leitung von Christina Böhringer mit Stahls Lieblings-Kirchenliedern, begleitet von Johannes Köstler und Marlene Müller am Klavier.