Thomas Fürst übernimmt das Amt des leitenden Pfarrers in der neuen Kirchengemeinde Zollern. Foto: Alexander Kauffmann

Neue Strukturen, neue Wege: Die Pfarrei Zollern steht vor großen Herausforderungen. Pfarrer Thomas Fürst hat die Leitung übernommen. Wie ist er Pfarrer geworden?

Es war das Gefühl, das Thomas Fürst „auf den Weg“ gezogen hat. Für ihn war schon als junger Mann klar: Er will katholischer Pfarrer werden. Direkt nach dem Abitur besuchte er das Priesterseminar, und das zu einer Zeit, als dort noch rund 200 Mitstudenten waren. Fürst: „Das war eine eigene kirchliche Welt, es war ein Leben für sich.“

 

Was ihn Anfang der 80er-Jahre so sicher machte? „Man merkt es innendrin“, und wer den Weg geht, spürt von selbst, ob es der richtige ist.

Mit dem Glauben war er zuvor schon als Laie in Kontakt gekommen: als Aushilfsmesmer in seinem Heimatort Rielasingen im badischen Hegau, als Gruppenleiter bei den Ministranten und bei der Kolpingfamilie. Im Akkordeonverein spielte er übrigens auch. Das Instrument verschenkte er an bedürftige Menschen in Rumänien. Und ja, er hat das Akkordeon nicht mehr, aber nochmal ja: Er könnte noch spielen, wenn er eins hätte.

Dass Fürst sich theologisch bildet, hat sich ergeben. Zunächst absolvierte er den Hauptschulabschluss, danach die mittlere Reife. Er hätte sich auf „alle möglichen Lehrstellen“ bewerben können, berichtet er. Sein Zeugnis war sehr gut. Seine Eltern meinten: Wenn der Bub Geld verdient, könnte er doch daheim etwas beitragen.

Neues Ziel: das Abitur

Fürst setzte sich deshalb ein neues Ziel: das Abitur. Und danach schrieb er sich im Priesterseminar Freiburg ein, um seiner Berufung nachzugehen. Religion interessierte ihn schließlich schon immer, und sein Lebenslauf wirkt schon bis zu diesem Zeitpunkt unbeabsichtigt folgerichtig. 1991 schließt sich der große Moment an: die Priesterweihe im Konstanzer Münster.

Vier Jahre war Fürst, der Jahrgang 1962 ist, darauf Vikar in Sigmaringen. Zwischendurch fungierte er ein Jahr als einer von mehreren Vorstehern des Priesterseminars in Freiburg; von 1996 bis 2001 war er Hochschulpfarrer an der Universität Konstanz, danach Pfarrer im Bereich Villingen bis 2012.

Zurück in den oberen Hegau

Später kehrte er zurück in den oberen Hegau, in den 2020er-Jahren wirkte Fürst einige Jahre bereits in Hechingen und kennt die Gegend deshalb. Bis Ende vergangenen Jahres war er dann zuständig für Empfingen, wo er auch weiterhin wohnen bleibt. Fürst: „Mein Vorteil ist, dass ich mich geografisch schon einigermaßen auskenne.“

Regelmäßige Gottesdienste

Als leitender Pfarrer, der er seit dem 1. Januar 2026 für die Pfarrei Zollern ist, richtet er seinen Blick auch nach vorne. Er sieht einen Glaubensschwund und die zurückgehende Anzahl von Kirchenmitgliedern. Fürst deshalb: „Man geht davon aus, dass sich Zentren bilden, in denen der Glaube gelebt wird.“ Es gehe nun darum, Voraussetzungen zu schaffen, dass sich die finden, die ihren Glauben leben wollen.

Ein Schritt in diese Richtung ist, dass schon jetzt fünf Orte festgelegt worden waren, in denen an Sonntagen regelmäßig Gottesdienste stattfinden. Das sind Hechingen, Burladingen, Haigerloch, Empfingen und Jungingen.

Fürsts nächstes Projekt?

Die neue Pfarrei ins Laufen zu bringen, Strukturen etablieren, sich gemeinsam auf den Weg machen. Auch das gegenseitige Kennenlernen ist ihm wichtig, nicht zuletzt wegen der großen Distanz der neuen Pfarrei. Stärken will er unter anderem die Gemeindeteams. Und ja, Fürst hat auch Tipps für junge Menschen aus dem Glauben heraus. Sie sollten ihrer Sehnsucht folgen und herausfinden, welche Rolle der Glauben in ihrem Leben spielen könnte. Zweiter Tipp: „Genau hinschauen.“ Trotz der Nachrichten über den Mitgliederschwund der Kirchen, würde manch einer wieder eintreten. Im Glauben gibt es die „Antworten, die tragen“, erklärt Fürst.

Ein „tiefes Bedürfnis nach Gemeinschaft“ in der analogen Welt kann Fürst auch bei jungen Menschen erkennen. Sie hätten eine Sehnsucht nach heiler Welt. Die Fragen sind: „Was heißt es, dazu einen Beitrag zu leisten? Wie sieht ein Leben in Fülle aus?“