In der mehr als 500-jährigen Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Friesenheim hat es keinen Pfarrer gegeben, der so lange im Amt war wie Rainer Janus. Mehr als 250 Gäste kamen in die Kirche, um sich persönlich zu verabschieden.
Nach 34 Jahren Amtszeit, die Pfarrer Rainer Janus mit viel Hingabe und Fürsorge, seinem Glauben und seiner Hoffnung und Zuversicht ausgefüllt hat, wurde er mit großem Dank verabschiedet. „Pfarrer Rainer Janus wird eine spürbare Lücke hinterlassen“, erklärte Rosi Kienzler, Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Umso mehr sei jeder Einzelne eingeladen, die Kirche der Zukunft mitzugestalten. Musikalisch wirkten beim Festgottesdienst die Posaunenchöre von Diersburg und Friesenheim unter der Leitung von Michael Fünfgeld mit. Gospelchor und Kirchenchor haben gemeinsam Segenslieder unter der Leitung von Gesine Fünfgeld einstudiert und den Gottesdienst bereichert. An der Orgel begleitete Traugott Fünfgeld.
Mit Rainer Janus geht nicht nur ein Pfarrer in den Ruhestand. Mit ihm verabschiedet sich auch ein Geistlicher, der all den Menschen auf Augenhöhe begegnet ist. Unverwechselbar ist sein verschmitztes Lächeln und auch die Gabe, sich selbst auf den Arm zu nehmen. Gleich zu Beginn meinte er: „Ein Junge hat mich gefragt: ,Warum gehen heute Abend so viele Leute in die Kirche?‘“ Die Antwort von Janus: „Der alte Pfarrer wird verabschiedet und die Leute wollen sich überzeugen, dass er auch geht.“
Mehr als 250 Gäste haben sich zur Verabschiedung angemeldet. Noch viel mehr kamen dann tatsächlich die Kirche. Gemäß dem Gleichnis vom Sämann hat auch Pfarrer Janus viel gesät und die Kirchengemeinde durfte reichlich Früchte ernten.
In seiner letzten Predigt geht auf den Garten Eden ein
Seiner letzten Predigt in der Evangelischen Kirchengemeinde legte er die Pflanzung des Garten Edens zugrunde. Und wieder war der verschmitzte Humor zu hören, als Janus die Handwerker in den Mittelpunkt rückte. Dass der Elektriker wohl der Erste war, den Gott erschaffen habe, stünde schon in der Bibel: „Gott sprach es werde Licht.“ Zuvor habe der Elektriker die Leitungen verlegt. Janus erinnerte an die Schöpfung, an den blauen Planeten, den es zu bewahren und erhalten gelte. Die Erde und auch die Kirche brauche Menschen, die sich für sie einsetzten und ihren Auftrag annähmen. Unverblümt und kritisch blickte er auf die Entwicklung in der Weltpolitik.
Dass Janus selbst künftig viel Zeit haben wird zum eigenen Gärtnern, griffen die Gastredner mit ihren Grußworten auf. Aber nicht nur das Gärtnern dürfte sich zu einer Leidenschaft entwickeln. „Wer lange genug Pfarrer war, wird sich einfinden in die Entschleunigung des Lebens und den atmenden Rhythmus der Natur“, weiß Janus.
Mit großem Respekt sprach Dekan Rainer Becker von den Verdiensten seines bisherigen Stellvertreters. Nie habe es von Janus ein Nein gegeben. Nie habe sich Janus selbst in den Mittelpunkt gerückt. Den Menschen und Gottes Wort galt sein Wirken. Als Janus vor 35 Jahren die Pfarrerstelle angeboten wurde, hieß es: „Friesenheim ist ein schwieriger Boden. Länger als ein halbes Jahr sei nicht möglich.“ Aber Janus hat die Friesenheimer lieben gelernt und die Friesenheimer fühlen sich ihrem Pfarrer sehr verbunden.
Gastredner würdigen seine vertrauensvolle und freundschaftliche Art
Bis zum Schluss habe Janus sein Amt mit Leib und Seele, scharfem Verstand und Humor ausgefüllt, würdigte Bürgermeister Erik Weide. Alle Gastredner – Bürgermeister Weide, Pfarrer Bernhard Dorner, Gemeindereferent Michael Merz, Gemeindereferentin Bettina Richter-Klahs sowie Pfarrer Kornelius Gölz, die Kirchengemeinderatsvorsitzende Friederike Wagner aus Diersburg sowie Rosie Kienzler vom Kirchengemeinderat Friesenheim – würdigten die außergewöhnlich gute, vertrauensvolle und freundschaftliche Zusammenarbeit im Sinne der Gemeinden.
Nachfolger
Bis zum 1. September 2025 soll die Pfarrstelle wieder neu besetzt sein. Die Zeit der Vakanz wird mit Heinz Adler, Pfarrer im Ruhestand, besetzt. Unterstützung erfahre die Kirchengemeinde auch von Pfarrer Kornelius Gölz aus Diersburg. Die Pfarrstelle bleibt zu 100 Prozent erhalten. Seit September 2024 ist die Stelle des Diakons zu 50 Prozent mit Hans Benner besetzt. Eine weitere Stelle ist zu 50 Prozent für die Arbeit mit Kindern ausgeschrieben. Am 1. Advent 2025 sind Neuwahlen der Kirchengemeinderäte.