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Pfalzgrafenweiler Zwei Branchen – ein und dasselbe Problem

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Austausch im "Kuhstall" (von links): Andreas Ziefle, Gerhard Fassnacht, Matthias Ziefle und Fritz Engelhardt.Foto: Lück Foto: Schwarzwälder Bote

Ist Gerhard Fassnacht der zweite Altheimer, der es nach Carmina Brenner in den Landtag schafft? Sein Wahlkampfauftakt in "Schwanenwirts Kuhstall" setzt jedenfalls schon ein klares Signal. Denn: Baden-Württembergs Dehoga-Vorsitzender Fritz Engelhardt sagt: "Er ist ein Praktiker. So etwas brauchen wir im Landtag!"

Pfalzgrafenweiler-Kälberbronn/Horb-Altheim. Der Ort ist perfekt. Schaut man nach links, sieht man in den Gastraum der obersten Etage mit Tischen und Stühlen. Rechts durch die Glasscheibe sind unten 30 Rinder zu sehen, die Heu fressen. Der "Kuhstall" vom Hotel Schwanen in Kälberbronn. Hier trifft Gerhard Fassnacht – Landwirt und einer von drei Kandidaten für die CDU-Nominierungsversammlung des Wahlkreises – Baden-Württembergs Vorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) sowie Wirt Matthias Ziefle und seinen Bruder Andreas, der die Landwirtschaft betreibt.

Fassnachts Motto zu diesem Treffen: "Landwirtschaft und Gastronomie leiden an denselben Problemen: immer mehr Vorschriften, immer mehr Hindernisse. Hotel und Gastronomie sind eines der wichtigsten Standbeine für den Landkreis Freudenstadt. Damit es dem Touristen gefällt, müssen die Landschaften weiter offen gehalten werden. Das geht nur mit Landwirtschaft."

Diese Aussage bestätigt der Dehoga-Vorsitzende: "Die Landwirtschaft ist Landschaftspflege. Sie sorgt – auch hier im Schwarzwald – für das Format, das die Touristen sehen wollen." Und gerade jetzt – im Corona-Schock – sind die Touristen in der Hotellerie fast die einzigen Umsatzbringer, so Engelhardt: "Die Stadthotellerie ist komplett eingebrochen. In Stuttgart gibt es gerade eine Auslastung zwischen 10 und 20 Prozent. In den touristischen Hotels im Ländle – egal ob am Bodensee oder im Schwarzwald – gibt es eine wahnsinnige Nachfrage. Die Leute wollen Urlaub machen und raus. Und eins ist klar in diesen Corona-Zeiten: Nirgendwo ist der Urlaub so sicher wie bei uns in Baden-Württemberg."

Engelhardt rechnet damit, dass auch langfristig ein Teil der Geschäftsreisenden in der Hotellerie wegfällt – weil die Firmen durch Corona entdeckt haben, dass Videokonferenzen oft reichen. Der Dehoga-Vorsitzende rechnet deshalb im September bis Oktober mit einer "Pleitewelle in der Gastronomie und Hotellerie – vom Imbiss bis zum Fünf-Sterne-Hotel: "Die Welle holt uns ein, der notwendige Umsatz wird nicht so schnell wieder rein kommen."

Derzeit können die Restaurants nur 48 Prozent der Sitzplatzkapazität anbieten. Engelhardt: "Bei meinen Gesprächen gestern und heute Morgen ist der klare Trend abzulesen, dass der Außenbereich gut funktioniert. Innen wird gemieden."

Davon kann auch Matthias Ziefle ein Lied singen. Er sagt: "Das merken wir auch. Wir haben das Glück, dass der ›Kuhstall‹ von außen anfahrbar ist. Gäste aus dem Hotel, die teilweise innen weite Wege gehen müssten, kommen kaum heraus. Wegen des Mundschutzes." Engelhardt formuliert es diplomatischer: "Es gilt, das Vertrauen beim Gast wiederzugewinnen."

Und dann kommt gleich der erste Arbeitsauftrag an den künftigen Landtagsabgeordneten – falls er in Empfingen die Mehrheit der Delegiertenstimmen bekommt: Hilf mit, die Arbeitszeitbeschränkungen in der Gastro zu lockern.

Andreas Ziefle: "Es ist doch etwas absurd: Nach Corona kann man die Auslastung in der Gastronomie nach Wochentagen nicht mehr vorhersehen. Mal ist es brechend voll, mal leer. Teilweise würden wir an ruhigen Tagen die Mitarbeiter nach Hause schicken. Und dann lieber bei großen Feiern länger arbeiten lassen. Aber diese Flexibilität ist mit der herrschenden Rechtslage nicht möglich." Fassnacht: "In der Landwirtschaft gibt es genau dasselbe Problem."

Dehoga-Chef Engelhardt: "Nicht dass es missverstanden wird: Unsere Forderung ist: Bei Veranstaltungen sollen Arbeitnehmer einen Tag länger arbeiten dürfen. Bei entsprechendem Freizeitausgleich. Das ist auch konform mit dem EU-Wochenarbeitszeitgesetz. Das würde uns angesichts des immer größer werdenden Fachkräftemangels enorm entlasten." Er fügt hinzu: "Bürokratie und Fachkräftemangel sind die größten strukturellen Probleme, die unsere Branche hat. Dabei darf man nicht vergessen: Mit gut zehn Milliarden Euro Umsatz ist der Tourismus in Baden-Württemberg zur Leit-Ökonomie geworden. Wir haben mehr Beschäftigte als Automobilindustrie, Maschinenbau und Anlagenbau und sind weniger krisenanfälliger als diese Branchen. Pro Arbeitsplatz investiert die Gastronomie mehr als diese Branchen." Wird das belohnt von der Politik? Engelhardt: "Mit Minister Guido Wolf haben wir jemanden, der wie kaum ein anderer die Branche versteht."

Andreas Ziefle vom "Kuhstall": "Wir arbeiten unter ständiger Selbstausbeutung. Fast jeden Tag kommt ein neuer Schwachsinn an Vorschriften dazu. Irgendwann packst du das nicht mehr." Sein Bruder Matthias ergänzt: "Kleines Beispiel. Unser ehemaliges Schlachthaus haben wir einfach nicht mehr EU-zertifiziert bekommen. Deshalb müssen wir zum Schlachten nach Loßburg fahren." Fassnacht: "Kommunale Schlachthäuser gehören mit zur Infrastruktur, um regionale Produkte und regionales Essen weiter möglich zu machen. Das gehört auch zu den Strukturen, die nicht kaputt gemacht werden dürfen."

Thema Essen. Regionale Produkte. Vom Bauernhof nebenan? Im "Kuhstall" bekommt Fritz Engelhardt das beste Beispiel, wie es funktionieren kann. Matthias Ziefle: "Wir verarbeiten alles aus den Rindern. Deshalb gibt es bei uns beispielsweise Rinderzunge in Madeira-Soße." Sein Bruder Andreas: "Ich begleite jedes Tier bis zur Schlachtung. Wir haben immer Waldorfschüler hier, die drei Wochen bei uns lernen sollen, wie es auf dem Bauernhof wirklich zugeht. Einen habe ich mitgenommen. Der Bub hat gesagt: Uns hat man das anders erzählt. Das Vieh wurde nicht geplagt, die Schlachtung war nicht brutal."

Vorurteile, Vorstellungen und Vorschriften, gegen die auch Gerhard Fassnacht kämpft. Als Landwirt gegen die seiner Meinung nach nicht ganz richtige Sicht, was die Rolle der Landwirtschaft beim Naturschutz in einer Kulturlandschaft ist. Als Kreisbauernverbandsvorsitzender kämpft er dafür – bei Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Landeskultusministerin Susanne Eisenmann (beide CDU), dass in den Schulen reale Informationen über die Landwirtschaft vermittelt werden (wir berichteten). Fassnacht. Klare Kante. Bodenständig.

Nur in einem Punkt ist er ein bisschen "grün". "Schwanen"-Wirt Matthias Ziefle spricht das Thema Flächenverbrauch an: "Die Bürgermeister wollen immer mehr Gewerbegebiete schaffen. Beste Äcker sind schon jetzt an die Industrie gegangen. Und in Pfalzgrafenweiler versuchen sie schon seit Jahren, das Gewerbegebiet über die Bundesstraße zu erweitern."

Fassnacht: "Immer weniger verbleibende Äcker für die Landwirtschaft, gleichzeitig die Forderung nach dem Verzicht auf Kunstdünger und Spritzmittel, und gleichzeitig dieselbe Erntemenge wie in der Vergangenheit – wie soll das gehen? Wenn das so weitergeht, bleibt für die Landwirtschaft nichts mehr übrig."

Mit dieser Haltung hat Fassnacht die Ziefle-Brüder überzeugt. Andreas Ziefle: "Ich war jahrelange CDU-Vorsitzender hier. Wir als Familie hauen nicht ab von unserer Scholle. Aus unserer Heimat. Aber Teile der CDU entfernen sich immer mehr von dem, was wir denken und empfinden. Deshalb hoffe ich auf Gerhard im Landtag!"

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