Wirtschaftlich eigenständig: das Werk zwei der Bioenergie Pfalzgrafenweiler. Foto: Stadler Foto: Schwarzwälder Bote

Energie: Standorte liegen in Kälberbronn und Herzogsweiler / Elektrofahrzeuge künftig einfacher zu buchen

Die Weiler Wärme plant den Bau eines Heizhauses in Herzogsweiler und reicht das Baugesuch für ein weiteres in Kälberbronn ein. Beim Mobilitätskonzept verändert sich das Abosystem. Zudem stellt die Energiegenossenschaft auf ein moderneres Abrechnungssystem um.

Pfalzgrafenweiler. Im vergangenen Jahr fiel die Hauptversammlung der Weiler Wärme wegen Corona aus. Deshalb wurden die Mitglieder schriftlich über das abgelaufene Geschäftsjahr informiert. Auf diesem Weg konnten sie auch Fragen an den Vorstand richten. Die Antworten sind auf der Internetseite der Weiler Wärme nachzulesen. Abgestimmt wurde per Briefwahl.

Die Vorstände Martin Bernhardt, Klaus Gall und Siegfried Neub freuen sich, dass die Genossenschaft ihren Umsatz 2019 um 29,6 Prozent auf mehr als 2,5 Millionen Euro erhöhte und damit ein Jahr früher als geplant mit 5038 Euro in der Gewinnzone ankam. Diese positive Entwicklung wurde trotz hoher Startkosten für den Aufbau der Strukturen für den Netzbetrieb und den Vertrieb des eigenen Stromnetzes erzielt.

Für 2020 zeichnet sich ein noch deutlicheres Umsatzplus ab. Dieser lag im November bereits bei mehr als drei Millionen Euro. Er basiert auf dem vor Ort erzeugten Ökostrom mit mehreren Millionen Kilowattstunden, der in den Holzheizkraftwerken und den eigenen Photovoltaikanlagen erzeugt wird.

2008 war die Weiler Wärme mit einem Nahwärmenetz gestartet. Die Kosten für einen Hausanschluss fördert der Bund derzeit mit 45 Prozent. Deshalb planen die Verantwortlichen, Eigentümer auf die Zuschussmöglichkeit anzusprechen, um eine Nachverdichtung der Trassen zu erreichen. Zudem produziert die Weiler Wärme nach eigenen Angaben zu mehr als 90 Prozent CO2-neutral. Bei einem Umstieg etwa von Heizöl auf Nahwärme entfalle auch die sogenannte CO2-Steuer, betont der Vorstand.

Die Zahl der Mitglieder stieg 2019 um 60 auf 904. Gleichzeitig wuchs das Geschäftsguthaben um elf Prozent auf fast 1,3 Millionen Euro. In beiden Holzheizkraftwerken wurde ein positives Ergebnis erwirtschaftet. Werk eins wies einen Gewinn von 19 800 Euro auf, bei Werk zwei waren es 9221 Euro. Die Verantwortlichen gehen bei einem planmäßigen Verlauf davon aus, dass beim Werk zwei, das wirtschaftlich eigenständig ist, in vier Jahren alle Verbindlichkeiten getilgt sind. Positiv wirke sich auch die große Menge an Käferholz aus, die zuletzt in den heimischen Wäldern anfiel.

Im Bereich der Wärmeversorgung meldet die Weiler Wärme inzwischen 650 angeschlossene Gebäude. 2019 kamen 34 Neuanschlüsse an die insgesamt 37,1 Kilometer lange Leitung dazu. 2107 Meter neue Wärmeleitung wurden in dem Geschäftsjahr verbaut. Durch eine Steigerung des Wärmeabsatzes um 7,6 Prozent auf 22 154 Megawattstunden wurden so umgerechnet 2,5 Millionen Liter Heizöl eingespart.

Die Bürgergenossenschaft plant, auch in den nächsten Jahren weiter zu wachsen. An die Stromleitungen der Genossenschaft können noch mehr als 200 Abnehmer angeschlossen werden. Inzwischen werden mehr als 60 Prozent des in Pfalzgrafenweiler benötigten Stroms im Ort selbst produziert. Durch weitere Leitungen soll auch das Wärmenetz größer werden. Die Weiler Wärme hat vor, je nach Interesse und Bedarf, sowohl Wärme- als auch Strom- und Glasfaserversorgung in den Teilorten kontinuierlich auszubauen.

In diesem Jahr soll in Herzogsweiler ein Heizhaus gebaut werden. Der Pachtvertrag für das Grundstück wurde laut Aufsichtsratsvorsitzendem Reinhold Möhrle bereits abgeschlossen und das Baugesuch eingereicht. Sobald die Finanzierungsgespräche beendet seien, könne der Bau beginnen. In der Zwischenzeit werde die Wärmeversorgung über einen mobilen Heizcontainer sichergestellt. Gleich verfahren wird beim Heizhaus in Kälberbronn, das sich in der finalen Planungsphase befinde. Auch für diesen Standort sei bereits ein Pachtvertrag abgeschlossen worden, so Möhrle.

In Durrweiler ist der Netzausbau mit 50 angeschlossenen Gebäuden weit fortgeschritten. Das dortige Heizhaus ist nach Abschluss eines Rechtsstreits inzwischen in Betrieb (wir berichteten). Auch in Bösingen geht der Ausbau der Nahwärmeversorgung weiter. Inzwischen sind dort 43 Gebäude an das Netz angeschlossen.

Mittelfristig Dividende für Mitglieder geplant

Dieses Jahr will die Weiler Wärme, so Möhrle weiter, auch das Mobilitätskonzept vorantreiben. Das Car-Sharing-Angebot werde ausgebaut, sodass künftig all die Fahrzeuge geliehen werden können, die gebraucht werden, angefangen vom Lastenfahrrad bis zum E-Kleinbus.

Die Sparte Elektromobilität (Weiler Mobil) war 2015 mit sechs Elektroautos und sechs Elektrofahrrädern quasi als Pionier gestartet. Inzwischen hat sich die Reichweite der Elektroautos fast verdreifacht. Neben dem großen Fuhrpark an E-Fahrzeugen wurde auch ein dichtes Netz an Ladesäulen aufgebaut. Bis zum Jahresende können die Mitglieder der Genossenschaft ihre Elektroautos dort kostenlos aufladen. Eine neue Software soll voraussichtlich ab dem Frühjahr eine Fahrzeugbuchung per Internet oder Smartphone ermöglichen.

Die Photovoltaikanlage auf dem Schulzentrum mit einer Leistung von 100 Kilowatt-Peak versorgt neben dem Schulzentrum auch das Freizeitbad, das Rathaus, das Gemeinschaftshaus Lehnle und die Ladesäulen für die Elektroautos. Die Weiler Wärme beziffert den Jahresertrag der Anlage auf rund 100 000 Kilowattstunden. Das entspricht ungefähr dem Verbrauch von rund 30 Durchschnittshaushalten. Darüber hinaus liegt der jährliche Ertrag der Freiflächenanlage auf der stillgelegten Erddeponie Schollenrain bei rund 438 000 Kilowattstunden. So hoch liegt etwa der Jahresverbrauch von 130 Haushalten. Mit einem Elektroauto der Weiler Wärme könnte man damit 72-mal die Welt umrunden.

Genutzt wird der Strom aus dieser Photovoltaik-Anlage für die Eigenstromversorgung der Kraftwerke sowie die Stromversorgung von Bürgern und Betrieben in der Gemeinde. Das eigene Stromnetz der Weiler Wärme wird kontinuierlich ausgebaut. 61 Stromkunden sind inzwischen direkt angeschlossen. Mittelfristig, so ist es auch im Protokoll zu Hauptversammlung nachzulesen, ist angestrebt, den Genossenschaftsmitgliedern gegenüber "durch die Auszahlung einer Dividende Wertschätzung auszudrücken".

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