Zu klein, zu betagt – die Aussegnungshalle in Pfalzgrafenweiler soll saniert werden. Foto: Eberhardt

An Sanierungsplänen für Aussegnungshalle entzündet sich Gerechtigkeitsdebatte

Pfalzgrafenweiler - Soll die Aussegnungshalle in Pfalzgrafenweiler saniert werden? An sich eine nüchterne Frage. Im Gemeinderat barg dieses Thema aber unversehens gesellschaftspolitischen Sprengstoff. Zum Auftakt in das neue Sitzungsjahr hatte Bürgermeister Dieter Bischoff einen Punkt auf die Agenda gesetzt, der die Gemeinde bereits eine Weile begleitet: die bröckelnde Aussegnungshalle. In der Bevölkerung wird deren Zustand schon lange diskutiert. Das Gebäude bedarf dringend verschiedener Instandhaltungsmaßnahmen, außerdem ist es mittlerweile zu klein. Häufig müssen Teile der Trauergemeinden – je nach Jahreszeit und Wetter – frierend, schwitzend oder nass im Freien ausharren.

Beim Architekturbüro Theurer & Mäder wurde deshalb eine Entwurfsplanung in Auftrag gegeben. "Sie müssen dieser nicht zustimmen, sondern nur diskutieren, was möglich ist", betonte Bischoff vorausschauend, als Roland Mäder zur Plan-Präsentation ansetzte. Denn obwohl der grundsätzliche Handlungsbedarf nicht angezweifelt wurde, bot die Angelegenheit tiefgehenden Debattierstoff.

Die Bilder, die Mäder von der Halle mitgebracht hatte, ließen wenig Raum für Illusionen. Fenster und Türen sind verwittert. Die kunstvolle Glasfront bröckelt. Die Toiletten sind nicht behindertengerecht und in desolatem Zustand. Einzig das Dach sei noch in Ordnung, erklärte Mäder. Und in Sachen Substanz könnte auch der Innenraum bleiben, wie er ist – wenn er denn nicht zu klein wäre.

Der von Mäder präsentierte Entwurfsplan sieht neben anderem eine Erweiterung des Gebäudes um fünf Meter in Form eines Anbaus vor. Dieser könnte je nach Wetter geöffnet oder geschlossen werden. Außerdem ist ein weiterer Anbau mit WC-Bereich und Vorbereitungsraum für den Bestatter gedacht. Jener muss Verlade-Tätigkeiten bislang unter den Augen der Passanten verrichten. Für das Platzproblem hatte Mäder zwei Planvarianten im Gepäck: Die eine bietet Sitzgelegenheiten für 100, die andere für 150 Personen. Die Kostenschätzung liegt derzeit bei rund 530 000 Euro.

Die Sitzplatzzahl, der mögliche Innenausbau und die Frage, ob ein WC angebaut oder das alte saniert werden soll, sorgten im Gremium für ein munteres Hin und Her. Benjamin Finkbeiner (FWV) sah 100 Sitzplätze als ausreichend, sein Fraktionskollege Claus Kübler hingegen bezeichnete es mit Blick auf ältere Bürger als "Armutszeugnis", in diesem Punkt zu knapsen. Auch die Möglichkeit, zur Kostenersparnis nur noch eine Toilette vorzuhalten – allerdings behindertengerecht – war für Kübler keine Option: "Da hört‘s auf." Timon Schweikles (CDU) Einwurf, sich doch erst andernorts eine Vorstellung über zeitgemäße und bedarfsgerechte Aussegnungshallen zu verschaffen, verpuffte zunächst.

Erst einmal eine Besichtigungstour

Andreas Ziefle (CDU) hatte aber eine andere Idee, das Thema Kosten zu bewältigen: Die Bürger sollen sich mit engagieren, zum Beispiel über Spenden. "Es wird immer alles als selbstverständlich genommen", fand er. Doris Sannert (FWV) sah hier nicht nur eine Lanze für die Teilorte gebrochen, die in ihren Augen beispielhaft in Sachen Bürgerengagement sind. Sie warf gleich noch den Beitrag mit Sprengsatz in die Runde: Bei dem Ausbau der Aussegnungshalle sei die Gemeinde auf dem Weg in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: "In den Teilorten frieren oder schwitzen alle, das interessiert keinen." Dieter Bischoff reagierte besonnen. Die Gemeinde bemühe sich stets, außerdem gebe es im Kernort ungleich mehr Beisetzungen. Weniger gelassen blieb Hans-Jakob Rath (CDU). Als nämlich Adolf Gärtner (FWV) auch noch von mangelnder Gerechtigkeit und "Trauerfamilien zweiter Klasse" sprach, vermochte sich Rath vor Entgeisterung kaum auf dem Stuhl zu halten und murmelte kopfschüttelnd von "Zirkus" und "Katastrophe".

Der Bürgermeister sammelte die Debattierenden wieder ein, indem er Timon Schweikles Vorschlag aufgriff: eine Aussegnungshallen-Besichtigungs-Tour. Allerdings erst im Frühjahr, wenn Friedhöfe und Hallen wieder etwas netter aussehen.