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Pfalzgrafenweiler Prozess um bizarre Geschichte und "viel Bullshit"

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Vor dem Landgericht in Rottweil läuft der Berufungsprozess. (Symbolfoto) Foto: Deck

Pfalzgrafenweiler/Rottweil - Wenn Laien von geknackten Tresoren hören oder lesen, denken sie häufig an einen "großen Coup", an raffinierte Ganoven - und an Beute in Millionenhöhe. Doch auf die beiden Angeklagten in Rottweil trifft das ganz und gar nicht zu.

Gerade mal 2500 Euro sollen die beiden Männer in der Nacht von 19. auf den 20. November 2018 in Pfalzgrafenweiler an sich gebracht haben - von "großen Coup" und raffiniertem Plan keine Spur. Das Amtsgericht in Freudenstadt hat sie im vergangenen Dezember zu zwei Jahren beziehungsweise zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Damit waren weder die Staatsanwaltschaft noch die Verteidigung einverstanden. Vor dem Landgericht in Rottweil läuft jetzt der Berufungsprozess.

Den ganzen Tag Drogen konsumiert

32 und 37 Jahre alt sind die beiden Rumänen auf der Anklagebank. Gheorghe M., der Größere und Stämmigere, erzählt sein Leben in Kurzform: bei den Großeltern aufgewachsen, mit 14 Jahren nach Italien gegangen, später nach Deutschland, von früher Jugend an auf Drogen. Vasile O. ist eher schmächtig und zurückhaltend, war lange Zeit beim Militär, dann als Saisonarbeiter in Deutschland, statt Drogen konsumiert er lieber Alkohol.

Beide schlurfen mühsam mit Fußfesseln in den Gerichtssaal. Der vorsitzende Richter Thomas Geiger, die Staatsanwältin und die Verteidiger sitzen "wegen Corona" hinter durchsichtigen Kunststoffscheiben, die Angeklagten und die Dolmetscherin sind ohne Scheibe.

"Ich habe den ganzen Tag Drogen konsumiert", berichtet Gheorghe M. über die Stunden vor der Tat in Pfalzgrafenweiler. Einsilbig und stockend berichtet er, die Dolmetscherin übersetzt. "Ich habe Probleme mit dem Gedächtnis, so genau erinnere ich mich nicht." Irgendwie sei er am Abend im Auto mit dem Mitangeklagten "in der Gegend herumgefahren", dann hätten sie Hunger gehabt, hätten vor der Bäckerei "Zieglers Backlounge" angehalten, die Tür der Bäckerei sei nicht verschlossen gewesen. "Ich bin reingegangen in den Shop, Vasile stand draußen." Doch drinnen habe er "nichts gefunden", wohl aber draußen "einen Hammer und eine Art Flex".

Es klingt, als sei alles zufällig geschehen

Immer eigenartiger, immer bizarrer mutet die Geschichte an. Mit dem Werkzeug habe man dann die Wand der Bäckerei "beschädigt, um zu sehen, was auf der andere Seite ist". Gheorghe M. befand sich nun in den Räumen des Billigdiscounters Tedi. "Um die Ecke habe ich dann diesen Tresor gesehen, ich habe angefangen, ihn mit dem Flex zu bearbeiten" – für Außenstehende klingt das, als sei alles rein zufällig geschehen.

Zunächst habe er sich in den Finger geschnitten, dann sei auch sein Kumpel gekommen, um ihm zu helfen. "Wir haben dann das Geld genommen und sind weggegangen." Das Geld habe man geteilt, er selbst habe sich damit Kokain und Marihuana gekauft, "sodass ich die ganze Woche versorgt war". Den Rest habe er zurückgelegt, "damit ich mir später weitere Drogen kaufen kann".

Es ist auch eine traurige Geschichte, die der Rumäne erzählt. Immer wieder fragt Richter Geiger nach, will Licht in das Geschehen bringen – meist vergeblich. Streckenweise beinahe ärgerlich reagiert er auf die Worte des Angeklagten. "Nach neun Uhr ist keine Bäckerei mehr auf", sagt er mit erhobener Stimme. "Wer kam auf die Idee, da reinzugehen?"

Ganze Serie von Einbrüchen

Ein Polizeibeamter, der bei den Ermittlungen beteiligt war, präsentiert eine andere Version als die Angeklagten. Demzufolge habe sich einer der Angeklagten zum Ladenschluss in die Personaltoilette der Bäckerei einschließen lassen, später habe er versucht, über das Dach in den benachbarten Discounter zu gelangen, doch eine Zwischenmauer habe einen einfachen Einstieg zunächst verhindert. Eine Kriminaloberkommissarin, die damals die Ermittlungen führte, ergänzt die Erkenntnisse: In den Wochen und Monaten vor und nach der Tat in Pfalzgrafenweiler habe es eine ganze Serie von Einbrüchen in Supermärkte und Warenhäuser der Region gegeben. Das lässt Verdacht aufkommen – doch in Rottweil steht lediglich der Fall in Pfalzgrafenweiler zur Verhandlung.

"Ich möchte ihn nicht belasten", sagt der schmächtige und zurückhaltende Vasile O. mit Blick auf seinen Mitangeklagten. "Aber er redet viel Bullshit." Zwar könne auch er sich nicht so genau an das Geschehen erinnern. Aber er sagt: "Ich gebe zu, dass wir die Tat begangen haben. Wir wollten hingehen, um Klamotten aus dem Laden zu stehlen."

An diesem Freitag wird der Prozess in Rottweil fortgesetzt. Die Anklage lautet: ein besonders schwerer Fall des Diebstahls.

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