Nach Konflikten zwischen Christian Günther und Ehrenamtlichen in der evangelischen Kirchengemeinde ist Pfalzgrafenweiler erst einmal ohne Pfarrer. Wie geht es jetzt weiter?
Die evangelische Kirchengemeinde Pfalzgrafenweiler, zu der auch Durrweiler, Edelweiler, Herzogsweiler, Kälberbronn und Neu-Nuifra gehören, ist eine lebendige Gemeinde mit alternativen Gottesdienstformen.
Ob Spendenaktionen für die Jugendreferentenstelle, „Gemeindemittagessen für alle“ oder „Winterkirche“: Hier pulsiert das Leben. Allerdings pulsiert es auch intern – kräftig.
Unterschiedliche Auffassungen zur Gemeindeführung zwischen Pfarrer Christian Günther und einer großen Gruppe engagierter Ehrenamtlicher führten zu Konflikten. Diese konnten auch nach einer von Dekan Streich geleiteten außerordentlichen Visitation nicht beigelegt werden.
Interimslösung mit zwei Ruhestandspfarrern
Günther, der seit April 2020 Pfarrer in Pfalzgrafenweiler war, wechselte jüngst auf eine Sonderpfarrstelle. Da zeitgleich Pfarrer Ralf Keimig seinen Ruhestand antrat, hat die 3000 Mitglieder große Kirchengemeinde derzeit keinen Pfarrer. Laut Dekan Streich wird es künftig nur noch eine Pfarrstelle in Pfalzgrafenweiler geben.
Bis diese wieder besetzt ist, übernehmen zwei Ruhestandspfarrer, Stefan Itzek und Hans-Jürgen Schlue, im Rahmen einer Ruhestandsbeauftragung mit jeweils 25 Prozent Teile der pfarramtlichen Vertretung in Pfalzgrafenweiler. Schlue übernimmt die „ordentliche Stellvertretung im Pfarramt“. Er ist für die Begleitung des Kirchengemeinderats und des Gemeindebüros zuständig. Itzek ist für die Vertretung der Amtshandlungen – Bestattungen, eventuell auch Trauungen und Taufen – zuständig und begleitet die Konfirmandenarbeit.
Dekan: unterschiedliche Erwartungen als Ursache
Was die Konflikte anbelangt, hält sich der Dekan bedeckt. Er wolle keinerlei Schuldzuschreibungen abgeben. Die in der Gemeinde entstandene Polarisierung bedauert Streich sehr. Als potenzielle Ursachen nennt er sowohl „unterschiedliche Erwartungen, die seit dem Amtsantritt von Pfarrer Günther aufeinanderprallten“ als auch Erwartungen von „Es geht so weiter wie bisher“ bis zu „Ab jetzt bin ich zuständig“.
Erwartungen, die sich vor allem an den Inhalten und der Organisation der Sondergottesdienste („Winterkirche“) entzündeten. An diesem – sich großem Zuspruch erfreuenden – alternativen Gottesdienstformat, das mit viel Engagement von einer Gruppe Ehrenamtlicher als Zweitgottesdienst eingeführt und später durch Pfarrer Günther zum Hauptgottesdienst deklariert wurde, entzündeten sich die Konflikte.
Einem daraufhin vom Organisationsteam der „Winterkirche“ veröffentlichten offenen Brief schlossen sich zahlreiche Ehrenamtliche an. Auch der letzte Versuch, die Spannungen zwischen dem verbrieften Kanzelrecht des Pfarrers und den Erwartungen der vielen ehrenamtlich Engagierten zu beenden, scheiterte. Letztlich gab es zwischen deren Bemühungen um eine Beteiligungskirche und dem Selbstverständnis des Amtsträgers als Verantwortlicher für die gesamte Gemeinde keine Schnittmenge mehr.
Laienvorsitzender Günther: Verletzungen entstanden
Seinen Abschied von der Gemeinde verbindet Günther mit Hoffnung: „Vielleicht ist dies auch eine Chance für die Kirchengemeinde Pfalzgrafenweiler. Ich wünsche es ihr.“
Auch der Laienvorsitzende des Kirchengemeinderats, Frank Günther, reflektiert die Ära Günther: „Es gab Situationen, in denen auf beiden Seiten Verletzungen entstanden sind, die nicht mehr zu kitten waren. Danach ist es aus dem Ruder gelaufen. Die Kommunikation war nicht glücklich.“
Zur Zukunft der Kirchengemeinde äußert sich der Kirchengemeinderat in einer Stellungnahme optimistisch: „Trotz allem blicken wir hoffnungsvoll in die Zukunft unserer Kirchengemeinde. Wir freuen uns über die neuen, wertvollen und positiven Entwicklungen der letzten Zeit und möchten diese mit vielen Mitarbeitenden weiterhin gestalten.“
Pfarrerversorgung im Dekanat Freudenstadt
Pfarrplan
Dem Dekanat Freudenstadt, das nahezu deckungsgleich mit dem Landkreis Freudenstadt ist, gehören fast 40 000 evangelische Gemeindemitglieder in 34 Kirchengemeinden (als eigene Körperschaften) an. Wie in der gesamten Evangelischen Landeskirche ist auch der Kirchenbezirk Freudenstadt von Pfarrermangel und Stellenstreichungen betroffen. Während es im Jahr 2022 noch 30 Pfarrstellen gab, stehen dem Kirchenbezirk laut Pfarrplan 2030 noch 24,5 Pfarrstellen zur Verfügung. Diese Reduzierung wird seit Beginn des Jahres und bis Ende 2030 beim Freiwerden einer Pfarrstelle sukzessive umgesetzt.
Realität
Infolge der demografischen Entwicklung und des Pfarrermangels liegt die tatsächliche Besetzung ab Januar 2026 voraussichtlich nur noch bei 20,5 Stellen – rund ein Drittel weniger als vor drei Jahren. Mit weitreichenden Folgen für einzelne Gemeinden, in denen inzwischen kein Licht mehr im Pfarrhaus brennt.