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Pfalzgrafenweiler Nicht nur handwerklich ein Meisterstück

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Es ist vollbracht: Ein neuer Brunnen aus alten Bestandteilen ziert den Bösinger Friedhof. Das Wasserhäusle-Team schmiedet schon neue Pläne. Fotos: Gärtner Foto: Schwarzwälder Bote

Man nehme ein ehemaliges Mülleimerhäuschen als Rohling, Sandsteine eines abgebrochenen Bauernhauses, historische Mes­singhähne eines abgängigen Brunnens, garniere dies mit einer nachhaltigen Idee, Herzblut und Engagement – und heraus kommt: ein neuer Friedhofsbrunnen.

Pfalzgrafenweiler-Bösingen. Zwölf Helfer des Bösinger Wasserhäusle-Teams haben einen Blickfang mitten auf dem Friedhof geschaffen, schwärmt Ortsvorsteher Adolf Gärtner, "ein Pilotprojekt des ehrenamtlichen Engagements", und das Wichtigste, verkündet er weiter: Das kostbare Gut Wasser aus der Trinkwasserleitung braucht man auf dem Bösinger Friedhof nun nicht mehr.

Das Gießwasser kommt seit Kurzem zum Nulltarif vom Bösinger Wasserhäusle. Dabei haben ein Dutzend Beteiligte rund 250 Arbeitsstunden geleistet.

Entsprechend stolz war der Ortsvorsteher laut seinem Bericht bei der Übergabe des neuen Brunnens durch das Wasserhäusle-Team, das seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlich die ehemalige Pumpstation der Bösinger Wasserversorgung im Waldachtal saniert und betreut und schon vor Jahren die Idee hatte, das kulturhistorische Denkmal nicht nur als Etappenziel am Vier-Burgen-Weg zu erhalten, sondern das nach wie vor an der Waldach sprudelnde Quellwasser auch zu nutzen.

In einem ersten Schritt wurde der ehemalige Hirschbrunnen am sogenannten Müllerweg zur Ruine Mandelberg wieder aufgebaut und an die alte Steigleitung vom Wasserhäusle angeschlossen. Im Jahr 2010 folgte der Anschluss des Brunnens am Kriegerdenkmal, und mit dem neuaufgebauten Brunnen mitten auf dem Friedhof kann das erforderliche Gießwasser für die Grabbetreuer komplett von der Quelle am Bösinger Wasserhäusle genutzt werden.

Sämtliche Materialkosten aus Spenden finanziert

Bereits im vergangenen Herbst begannen die Tiefbauarbeiten. Von der alten Steigleitung an der Haiterbacher Straße wurde eine neue Wasserleitung über den steilen Hang bis zur Friedhofsmitte gegraben und der Überlauf durch eine Entwässerungsleitung zurück in den offenen Graben neben der Gemeindeverbindungsstraße verlegt. Beim Anschluss an die Steigleitung halfen die Wassermeister vom Gemeindebauhof, alles andere erfolgte in Eigenleistung. Gärtner betonte bei der Übergabe, dass dies ohne die kostenlose Unterstützung durch eine Firma mit diversen Fahrzeugen und Geräten nicht möglich gewesen wäre.

Eine besondere Herausforderung bei der Installation war, dass bei etwaigen Betriebsstörungen am Wasserhäusle der Wasserzulauf zum Brunnen jederzeit auf die Frischwasserversorgung umgestellt werden kann. Die für beide Versorgungskomponenten erforderlichen Auslaufhähne kamen durch glückliche Umstände und Verbindungen nach Bösingen. Sie stammen aus dem Jahr 1850 und zierten zuvor einem Brunnen, der in einem Stuttgarter Stadtteil abgebaut wurde.

Beim äußeren Erscheinungsbild des Brunnens habe man sich an dem Brunnen beim Kriegerdenkmal orientiert, das vollständig mit dem ortstypischen Sandstein verkleidet ist. Für die Sandsteinverkleidung am neuen Brunnen konnten fein behauene Steine von einem abgebrochenen Bauernhaus verwendet werden. Das Glück war, dass seit einiger Zeit auch ein Steinmetz zum Team gehört.

Das Wasserhäusle-Team lebe von der Vielseitigkeit der handwerklichen und organisatorischen Fähigkeiten der Aktiven, so Ortsvorsteher Gärtner. Und man freue sich über jeden, der beim Team mitwirken möchte. Aktuell suche man einen Nachfolger für den Maschinisten, der das Pumpwerk betreue und der mit über 80 Jahren in den "Ehrenamtsruhestand" will. Wenn man auf das Alter aller Helfer beim Bau des neuen Friedhofsbrunnens schaue, könne man von einem Drei-Generationen-Projekt sprechen, so Gärtner.

Der Bösinger Ortschaftsrat hatte sich zuvor intensiv mit der Frage des besten Standorts beschäftigt und mit Rücksicht auf die künftige Belegungsplanung letztlich grünes Licht für das Projekt gegeben. Außer der Unterstützung des Bauhofs beim Anschluss an die Steigleitung seien der Gemeinde keinerlei Kosten entstanden. Auch die Planungsleistungen eines Ingenieurbüros erfolgten kostenlos. Sämtliche Materialkosten wurden aus Spenden finanziert. Die historischen Auslaufhähne aus reinem Messing wurden aus dem Festerlös des vergangenen Wasserhäusle-Festes am Tag des offenen Denkmals 2019 finanziert.

Nach den Recherchen des Bösinger Ortsvorstehers belief sich der durchschnittliche Wasserverbrauch am Bösinger Friedhof vor dem Anschluss an das Bösinger Wasserhäusle auf knapp über 200 Kubikmeter pro Jahr, sodass bei dem aktuellen Frischwasserbezugspreis von Drei Euro je Kubikmeter die jährliche Ersparnis rund 600 Euro betrage. Noch wichtiger ist dem Wasserhäusle-Team allerdings, mit dem weltweit immer kostbarer werdenden Gut Trinkwasser bewusst und sparsam umzugehen.

Als Dank für die nachhaltige Idee und das gelungene Meisterstück lud Ortsvorsteher Gärtner alle Beteiligten zum anschließenden Vesper in ein Gasthaus ein. Dabei schmiedete das engagierte Team schon wieder neue Ideen für seinen Heimatort.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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