Im Ruhestand hat Kurt Kirschenmann jetzt auch viel Zeit für die Arbeit in seinem großen Garten in Pfalzgrafenweiler. Foto: Sannert Foto: Schwarzwälder Bote

Ruhestand: Kurt Kirschenmann scheidet nach 45 Jahren aus Polizeidienst aus / Ehrenamtlich vielfältig aktiv

"Ich war 45 Jahre bei der Polizei und bin jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen, weil es mein Traumberuf war", blickt Kurt Kirschenmann auf sein bewegtes Arbeitsleben zurück. Seit dieser Woche ist er im Ruhestand und hat jetzt mehr Zeit für Familie, Hobbys, Ehrenämter und sein soziales Engagement.

"Ich war 45 Jahre bei der Polizei und bin jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen, weil es mein Traumberuf war", blickt Kurt Kirschenmann auf sein bewegtes Arbeitsleben zurück. Seit dieser Woche ist er im Ruhestand und hat jetzt mehr Zeit für Familie, Hobbys, Ehrenämter und sein soziales Engagement.

Pfalzgrafenweiler. Seine berufliche Laufbahn begann 1976 mit der Ausbildung zum Polizeiwachtmeister in Lahr. Danach gehörte Kirschenmann zwei Jahre lang der neu gebildeten Einsatzhundertschaft Bruchsal an. Vor allem der Einsatz bei der Großdemonstration gegen das Atomkraftwerk in Brokdorf ist ihm aus dieser Zeit noch gut in Erinnerung. Nach weiteren Stationen in Karlsruhe und Freiburg ließ sich Kurt Kirschenmann, der in Durrweiler geboren und aufgewachsen ist, zum Polizeirevier Freudenstadt versetzen.

Mit seiner Frau Anita zog der Polizeimeister zunächst nach Dornstetten. Mit der neu erworbenen Fachhochschulreife erhielt er die Zulassung zum Studium "Diplom-Verwaltungswirt Polizei" in Villingen-Schwenningen. Der frischgebackene Polizeikommissar arbeitete danach als Dienstgruppenführer beim Polizeirevier Horb. "Da ich schon immer Interesse an Umwelt und Natur hatte, habe ich mich zum Wirtschaftskontrolldienst beworben", sagt Kirschenmann, der 1996 als stellvertretender Leiter zum WKD Freudenstadt wechselte. In Freiburg ließ er sich noch zum Lebensmittelkontrolleur ausbilden.

Statt Dankbarkeit auch mal Beschimpfungen

Drei Jahre lang bearbeitete er dann beim WKD Freudenstadt Umwelt- und Gewerbedelikte, zu denen die Schwarzarbeit ebenso gehörte wie das Arzneimittelrecht und Doping. An einen Einsatz kann sich Kurt Kirschenmann noch ganz genau erinnern. Nachdem er aus der Zeitung von einem Vortrag im Kurhaus über ein medizinisches Buch erfahren hatte, ging er mit einem Kollegen hin. Denn der Autor war bereits polizeibekannt. Statt eines Vortrags trafen die Beamten wie erwartet auf eine Verkaufsveranstaltung, bei der Arzneimittel als Nahrungsergänzungsmittel beworben und verkauft wurden. Kirschenmann beendete die Veranstaltung. Doch statt Dankbarkeit ernteten er und sein Kollege von den 300 Besuchern zum Teil wüste Beschimpfungen. "Dabei haben wir ihnen eigentlich etwas Gutes getan", wundert er sich noch heute über die Reaktion.

Mit einem Fall machte Kirschenmann sogar deutschlandweit Schlagzeilen. Geschäftspartner hatten Anzeige gegen ein Ehepaar erstattet, das zur Möbelreinigung angeblich krank machende Chemikalien vertrieb. Die beiden wurden sogar in Untersuchungshaft genommen. Die Anschuldigungen erwiesen sich jedoch als falsch. Für Kurt Kirschenmann war der Fall auch deshalb schlimm, wie er sagt, weil er das Ehepaar persönlich kannte.

Schwarzarbeit lange Zeit ein Schwerpunkt

Mit der Ernennung zum Leiter der WKD-Außenstelle Horb im Jahr 2000 änderte sich das Aufgabengebiet. Kirschenmann war nun vorwiegend für Lebensmittelkontrollen in Gaststätten im Raum Horb zuständig. Zwei Jahre später übernahm er die Leitung des WKD in Freudenstadt. Damit erstreckte sich sein Aufgabengebiet auf den gesamten Landkreis.

Als der Wirtschaftskontrolldienst im Zuge der Verwaltungsreform im Jahr 2004 aufgelöst wurde, blieb Kurt Kirschenmann bei der Polizei. Er übernahm die Leitung des Bereichs Gewerbe/Umwelt und war gleichzeitig stellvertretender Leiter der Verkehrspolizei. Nach der Neugründung des Polizeipräsidiums Pforzheim übernahm der Polizeihauptkommissar 2020 erneut eine leitende Funktion.

Viele Jahre hatte er in seiner Arbeit den Schwerpunkt auf die Bekämpfung der Schwarzarbeit gelegt, holte 1999 verschiedene Behörden an einen Tisch, um die Arbeit zu vernetzen. "Wir haben viele interessante Fälle gelöst", freut sich Kirschenmann. So sei es auch gelungen, mit 100 Einsatzkräften eine Großbaustelle zu umstellen und zahlreiche illegale Arbeitskräfte zu ermitteln. Am Ende seien 2,5 Millionen Euro an Bußgeldern geflossen.

Seine Abschiedsfeier fiel nach 45 Dienstjahren coronabedingt klein aus. Gefeiert wurde mit Ehefrau Anita und den engsten Arbeitskollegen in der Gaststätte seines Bruders. Nun geht es gleich in Urlaub und danach mit den Geschwistern auf eine gemeinsame Bergwanderung.

Langweilig wird es Kurt Kirschenmann im Ruhestand sicher nicht werden. Dafür werden auch seine vier Kinder und vier Enkel sorgen, für die er nun mehr Zeit hat. Und dann sind da noch der große Garten am Haus in Pfalzgrafenweiler, das die Familie seit 1987 bewohnt, sowie zahlreiche Ehrenämter. Denn seit fast 20 Jahren ist Kirschenmann Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, seit 2009 sitzt er in Gemeinderat und Kreistag, und seit ein paar Jahren ist er nebengewerblich als Versicherungsfachmann tätig. Im Jugend-Missions- und Sozialwerk Altensteig und im Verein educare, der sich für Straßenkinder in Brasilien einsetzt, ist das Ehepaar ehrenamtlich engagiert und unterstützt zwei Patenkinder in Sao Paulo. Was treibt Kurt Kirschenmann an, sich sozial zu engagieren? "Mein Glaube und die Not, die ich auf der ganzen Welt sehe."

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