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Pfalzgrafenweiler Ein Schreiber sattelt um auf Schreiner

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Jetzt oder nie: Weitere 40 Jahre am Computer zu sitzen, konnte sich Amadeus Müller nicht vorstellen. Foto: Privat Foto: Schwarzwälder Bote

Kreis Freudenstadt. Als Lehrling mit dem besten Schulabschluss hat Amadeus Müller aus Pfalzgrafenweiler-Kälberbronn erst kürzlich den "Preis des Handwerks" von der Kreishandwerkerschaft bekommen. Die Ausbildung zum Schreiner hat er bei Ewald Finkbeiner in Baiersbronn abgeschlossen. Das Besondere: Der 30-jährige Familienvater hatte vor seiner Lehre bereits eine Karriere im Marketing gestartet.

Was haben Sie gemacht, bevor sie Ihre Schreinerlehre angefangen haben?

Ich habe in Tübingen Internationale Volkswirtschaftslehre studiert, mit dem Vorhaben, Wirtschaftsjournalist zu werden. Währenddessen belegte ich zusätzlich Seminare zum Thema "Schreiben in Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit". Danach arbeitete ich drei Jahre als Technischer Redakteur im Marketing. Dabei habe ich unter anderem Produktbeschreibungen, Pressemitteilungen und Artikel für Kunden- und Mitarbeitermagazine verfasst.

Diese Laufbahn haben Sie aufgegeben, um eine Schreinerlehre anzufangen. Warum?

Die Arbeit als Technischer Redakteur hat mir gefallen, weil mir das Schreiben liegt, die internationale Abstimmung Spaß macht und die Ergebnisse in Form von Produktbroschüren, Fachberichten und Kundenmagazinen "handgreiflich" waren. Allerdings bestand mein Arbeitsalltag zum Großteil aus PC-Arbeit. Das konnte ich mir nach drei Jahren nicht für 40 weitere Jahre vorstellen. Leidenschaft für das Arbeiten mit Holz habe ich von Haus aus, also habe ich vor dreieinhalb Jahren gesagt: "Jetzt oder nie."

Sie verzichten damit auch auf ein höheres Einkommen?

Mein Gehalt vor der Lehre war höher als nun mein Gesellenlohn. Aber das muss ja nicht so bleiben.

Wie sind Sie als Familienvater mit dem Ausbildungsgehalt zurechtgekommen?

Nach dem Studium habe ich meine Ausgaben nicht wirklich an mein Gehalt angepasst, so habe ich damals etwas angespart. Das hat die vergangenen drei Jahre geholfen. Zudem hat meine Frau bis zur Geburt unserer Tochter vor anderthalb Jahren voll gearbeitet. Insgesamt konnten wir während der Ausbildung zwar keine großen Sprünge machen, dennoch hat das Geld gereicht.

Sind Sie mit Ihrer Entscheidung bisher glücklich?

Ja, denn ich habe in den drei Jahren sehr viel gelernt. Der Beruf des Schreiners ist sehr vielseitig. Man benötigt umfassendes Wissen aus verschiedenen Bereichen. Beispielsweise muss ich mich mit den unterschiedlichsten Werkstoffen auskennen. Das ist beileibe nicht nur Holz – Plattenwerkstoffe, Kunststoffe, Glas oder Lacke und Öle gehören genauso dazu. Außerdem bin ich nun viel in Bewegung und sitze wenig am Schreibtisch.

Wie hat Ihr Umfeld auf Ihre Entscheidung reagiert?

Ein paar Bedenken gab es, aber nur wegen der Finanzen. Familie, Freunde und auch ehemalige Kollegen kennen mich und haben meine Entscheidung verstanden. Die jetzigen Kollegen haben mich richtigerweise wie einen normalen Lehrling behandelt und mir viel beigebracht.

Was sind Ihre weiteren beruflichen Pläne?

Ich werde weiter als Schreiner arbeiten. Dieses Jahr vollends bei Ewald Finkbeiner und anschließend bei einer anderen Schreinerei, um weitere Erfahrung zu sammeln. Da schaue ich gerade nach einem Betrieb.

Als Preis dürfen Sie drei Monate lang ein Auto der Kreishandwerkerschaft nutzen. Haben Sie bereits Ausflüge damit geplant?

Das ist eine tolle Sache! Extra Ausflüge haben wir keine geplant. Im Alltag meinen 16 Jahre alten Kleinwagen stehen zu lassen und stattdessen mit dem schicken Auto der Kreishandwerkerschaft zu flitzen, ist Freude genug.  Die Fragen stellte Alexander Reimer

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