Das Pflegeheim St. Hildegard in Seelbach soll schließen. Eine Petition will dies verhindern. Foto: Endrik Baublies

Die Ankündigung der Caritas, das Haus St. Hildegard in Seelbach Ende 2025 zu schließen, hat im Schuttertal viele geschockt. Eine Petition will nun das Schlimmste verhindern.

Es war ein tröstlicher Gedanke für viele Senioren in Seelbach und im ganzen Schuttertal: Kommen sie einmal nicht mehr alleine zurecht, finden sie im Haus St. Hildegard, nicht weit entfernt von ihren Liebsten, ihren Alterswohnsitz. Das wird in Zukunft nicht mehr möglich sein. Die Caritas, Betreiberin des Pflegeheims, will das Haus Ende des Jahres schließen.

 

An diesen Plänen, die die Caritas mit zu tätigenden Sanierungen, die sich nicht mehr rentieren würden, und dem Fachkräftemangel begründet, gibt es Kritik. Die Seelbacherin Silvia Moog, nach eigenen Angaben zwar weder als Bewohnerin noch Angehörige, aber als „Mitbürgerin, als Mensch“ betroffen, hat über die Online-Plattform www.change.org eine Petition gestartet, um das Pflegeheim zu erhalten. Seit dem Start der Unterschriftensammlung am Donnerstag haben – Stand Montagabend – 752 Menschen ihr Anliegen unterzeichnet.

„Es werden erst Fakten geschaffen, dann wird informiert“, kritisiert Moog im Gespräch mit unserer Redaktion. Auch Bürgermeister Michael Moser hatte vergangene Woche sein Bedauern ausgedrückt, dass die Caritas die Gemeinde nicht früher eingebunden hat. Moog teilt die Meinung des Rathauschefs: „Man hätte vielleicht Lösungen finden können.“

Caritas hatte 16 Jahre Zeit für Investitionen

Die angeführten Argumente zur Schließung des Pflegeheims, des einzigen dieser Art im Schuttertal, nimmt die Initiatorin der Petition der Caritas nicht ab. „Dass zur Fachkräftegewinnung mehr getan werden muss, gerade im Pflegebereich, ist hinlänglich bekannt.“ Zudem habe man ja gewusst, dass Mitarbeiter bald in Rente gehen. Trotz des Mangels an Fachkräften „wird in Ettenheim ein mehr als doppelt so großes Haus gebaut“, führt Moog ins Feld. Dort entsteht zurzeit das neue Pflegeheim St. Marien, wo die Mitarbeiter und zum Teil auch die Bewohner von St. Hildegard unterkommen sollen. Eine Lösung, die für Bewohner, Mitarbeiter und auch die Angehörigen, die bis zu eine halbe Stunde Anfahrtsweg auf sich nehmen müssen, um die Senioren zu besuchen, wenig attraktiv ist. „Es gibt immer noch viele Ehepartner, die die Bewohner im Heim jeden Tag besuchen“, erklärt Silvia Moog.

Weiter kritisiert sie, dass die anstehenden Investitionen nicht bereits angegangen wurden. Die Landesbauverordnung, auf die sich die Caritas beruft und die Einzelzimmer vorschreibt, sei bereits 2009 in Kraft getreten. „Man hatte 16 Jahre Zeit, diese Richtlinie umzusetzen“, so Moog. „Somit muss leider davon ausgegangen werden, dass der nun anzutreffende Investitionsstau kalkulativ mit dem nun verkündeten Ergebnis über Jahre hinweg geplant beziehungsweise hingenommen wurde.“

Zahlen stimmen nachdenklich

Auch die Zahlen stimmen die Initiatorin nachdenklich: Demnach blättern Pflegeheimbewohner 5000 monatlich für einen Platz hin. 800 Euro davon seien für Investitionskosten vorgesehen. Moog rechnet vor: Die 40 ständigen Bewohner „zahlen im Jahr rund 380 000 Euro für den Erhalt ihres Heims. Die Frage muss man stellen: Wieso wurde dann nicht modernisiert?“ Moog bezweifelt, dass die Interessen der Bewohner vertreten, der Heimbeirat in die Entscheidung einbezogen wurde. „Es geht um Menschen, die aus ihrer Heimatgemeinde, ihrem vertrauten Umfeld mit Besuchen von Familien, Freunden und Nachbarn verpflanzt werden sollen“, warnt Moog.

Ein Hoffnungsschimmer: Bürgermeister Moser hat angekündigt, man wolle „mit vollem Ansatz daran arbeiten, auch in Zukunft Pflege und Betreuung in Seelbach zu ermöglichen“. Wie soll dies aussehen? Moog hat schon ein paar Ideen: Das „klare Ziel“ ihrer Petition sei, das Pflegeheim zu erhalten. Wenn nicht mit der Caritas, dann „könnte auch ein neuer Betreiber her“. Sie habe inzwischen bereits Kontakt mit Moser aufgenommen.

Initiatorin sagt der Gemeinde Unterstützung zu

Fest steht wohl: Die Gemeinde kann sich nicht leisten, selbst Geld für das Pflegeheim in die Hand zu nehmen. Am Montagabend verabschiedete der Gemeinderat einen auf Kante genähten Haushalt für 2025, in dem bereits die lange geplante Sanierung des Bürgerhauses gestrichen wurde. Und auch in den kommenden Jahren ist keine finanzielle Besserung in Sicht. Deshalb hofft Moog darauf, einen Investor zu finden.

„Es ist ein Unding, dass das einzige Pflegeheim im Tal geschlossen werden soll“, fasst sie zusammen. Über die mehr als 700 Unterschriften nach ihrer „total spontan“ gestarteten Petition sei sie überrascht, aber auch sehr froh. Auch einige Seelbacher Gemeinderäte hätten unterzeichnet, verrät sie. Die Initiatorin ist sich sicher, dass die Gemeinde Unterstützung benötigt, um das Pflegeheim zu erhalten. Diese möchte sie mit der Petition unter Beweis stellen.

Infoveranstaltung

Über die Schließung des Pflegeheims wurde am Montagabend nichtöffentlich im Gemeinderat diskutiert. Der Vorstand stand bei der Sitzung den Räten Rede und Antwort. In Kürze soll es eine öffentliche Informationsveranstaltung für die Seelbacher Einwohner geben, teilte die Gemeinde vergangene Woche mit. Ein Datum ist noch nicht bekannt.