Peter Krumrey hat die „Altensteiger Märchen“ herausgegeben. Erhältlich sind sie ausschließlich im Schloss. Foto: Jansen

Vor Jahrzehnten schrieb die Altensteigerin Elli Wieschmann Geschichten für die Kinder ihres Arztes Peter Krumrey. Dieser hat nun zwölf davon als „Altensteiger Märchen“ herausgegeben.

Einen märchenhaften Neuzugang gibt es im Altensteiger Schloss. „Altensteiger Märchen“ heißt das Buch mit den zwölf Geschichten, die allesamt in Altensteig geschrieben wurden und nun exklusiv im Museum erhältlich sind.

 

Elli Wieschmann, die Autorin, war Patientin bei Hausarzt Peter Krumrey. Zu Weihnachten und Ostern schrieb sie auf der Schreibmaschine kleine Geschichten zum Vorlesen für seine drei Kinder. „Sie hatte einen tollen Märchenstil“, meint der Arzt im Ruhestand. Schon damals fragte er sie, ob er die Märchen anderen Kindern zugänglich machen könne. Die ältere Dame hatte nichts dagegen. Doch wie das Leben so spielt: Die Märchen gingen verloren.

Etwa drei Jahrzehnte bis zur Veröffentlichung

Ungefähr 30 Jahre später tauchten die Blätter zufällig wieder auf. 25 Geschichten, auf der Schreibmaschine von Hand getippt. Krumrey ging das Projekt erneut an und versuchte, Wieschmann oder ihre Erben ausfindig zu machen. Doch trotz ausgiebiger Suche ließ sich niemand auffinden.

Zwölf der Märchen hat Krumrey bearbeitet, mithilfe von KI bebildert und schließlich zu einem Buch binden lassen. Dieses wird nun ausschließlich im Schloss Altensteig verkauft – „einer märchenhaften Kulisse“, meint er. Passenderweise ist auch vorne das Altensteiger Schloss abgebildet.

Und wer weiß? Vielleicht hat die eine oder andere Märchenfigur aus dem Buch ja das Schloss oder die umliegende Gegend ihr Zuhause genannt. Es wäre vorstellbar, wie der arme Gänsehirt Christoph im ländlichen Altensteig auf das Schloss hochsah. Es wäre vorstellbar, dass der verwunschene Prinz das Schloss in Altensteig bewohnte oder besucht hat.

Die Märchen folgen dabei bekannten Mustern: Von Helden, die verwunschene Prinzessinnen erlösen, Prüfungen, die durch Hingabe und Güte zu bestehen sind, die Reise in die große Welt, um Glück und Liebe zu finden – oder anderen zu bringen. Allen gemein ist: Sie haben ein gutes Ende.

Das Titelbild der Altensteiger Märchen: Die Bebilderung wurde mit KI erstellt. Foto: ChatGPT/Peter Krumrey

Hier und da erinnern die Märchen motivisch an bekannte Erzählungen, wie „Die Schöne und das Biest“, biegen dann jedoch in eine andere Richtung ab oder reichen sich lediglich kurz in einem Aspekt die Hand. Zu einem der Märchen gibt es einen kurzen Film. Diesen können Besucher im Museum anschauen.

Krumrey zufolge haben Märchen nicht nur einen Wert zum Zeitvertreib. Die „Altensteiger Märchen“ haben „die gleiche Funktion von früheren Märchen: Werte zu vermitteln und die Fantasie anzuregen“, erklärt er.

Auch in seinem Vorwort geht er auf die Frage ein, ob Märchen heute zeitgemäß sind, vor allem angesichts der teils brutalen Erzählungen, wie sie sich etwa bei den Brüdern Grimm finden. „Märchen handeln von Mut, Angst, Hoffnung, Neid, Liebe – also von Gefühlen und Konflikten, die heute genauso relevant sind wie früher. Dabei sind Gefühle auslösende Konflikte durch Social Media heute doch viel realer, grausamer und vor allem häufig unkontrollierbar dank Smartphone.“

Eine freundlichere Märchenwelt

Natürlich bekommen die Helden und Heldinnen ihr Glück nicht geschenkt. Den Märchen von Elli Wieschmann fehlt diese düstere, teils grausam anmutende Komponente klassischer Märchen, die auch vor Tötung und Verstümmelung nicht zurückschrecken. Zum Beispiel soll einer der Wieschmann’schen Helden ein Einhorn töten, um seine Aufgabe zu erfüllen. So viel sei verraten: Er findet eine andere Lösung.