Die Perspektivwerkstatt wurde gut angenommen. Foto: Fotos: Schwind

Perspektivwerkstatt: Bei der zweiten Veranstaltung standen der Tälesee, die Naherholung und Reichenhalden zur Debatte

Bei der zweiten Perspektivwerkstatt innerhalb einer Woche waren der Tälesee, die Naherholung und das Wohngebiet Reichenhalden die Fokuspunkte an diesem Abend. Gegenüber der Vorwoche war das Teilnehmerfeld deutlich größer und jünger.

Empfingen. Während die Bürgerschaft bei der Bearbeitung der Reichenhaldensiedlung weitestgehend Einigkeit demonstrierte gab es beim Tälesee doch kontroverse Diskussionen. Zum einen die Aufwertung des Naherholungsgebietes mit der Gefahr von der Schaffung eines touristischen Ziels für Auswärtige und andererseits den Augenmerk auf die Natur und die Erholung gerichtet zu lassen.

Einig waren sich die Teilnehmer, dass im Gebiet der Reichenhalden Siedlung langfristig ein sehr großes Potenzial für die innerörtliche Entwicklung Empfingen steckt. Jetzt gilt es ein städtebauliches Konzept für das sechs Hektar große Gebiet zu erarbeiten, das bei Bedarf aus der Schublade gezogen werden kann. Ziel der Gemeinde Empfingen sei es das komplette Areal zu kaufen, erklärte Bürgermeister Ferdinand Truffner. Er weiß aber auch, dass dieses Ziel nur recht schwer zu verwirklichen ist, da er mit dem Eigentümer der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) recht zähe Verhandlungen erwartet.

Ganz interessant ist, dass eine Murmelgruppe aus Bewohnern von Reichenhalden bestehend, sich gar keine Veränderung wünscht, obwohl sich ihre Wohnungen teilweise in desolatem Zustand befinden. Sie haben ganz einfach Angst und befürchten, die Mieterhöhungen durch einen Neubau nicht mehr bezahlen zu können. Zudem haben sie Sorge, wo sie abbleiben, wenn ein Investor die Häuser abbricht und Reichenhalden mit einer neuen Perspektive bebauen wird. So wäre es ihnen lieber, dass die jetzigen Häuser von einem Fachmann begutachtet werden – mit dem Fokus, ob sich eine Sanierung denn lohnen würde.

Eine weitere Option, günstigen Wohnraum zu schaffen, wäre ein Aufbau auf die vorhandenen Häuser, sofern es die Statik zulässt. Im Falle einer Neubebauung fordern die jetzigen Bewohner eine prozentuale Festlegung des Sozialwohnungsbaus. Ansonsten bevorzugten die Bürger an diesem Abend eine Kombination verschiedener Wohntypologien. Aufgrund der Topographischen Lage würde sich auch der teilweise Bau von Terrassenhäuser anbieten. Insgesamt wünscht man sich aber keine zu dichte Bebauung und nach Möglichkeit den jetzigen Naturcharakter mit den Grünzonen best möglich zu erhalten. Mit dem Bau einer Tiefgarage könnten die Autos an den Seitenstreifen eine neue Bleibe finden und der freiwerdende Platz in das Städtebauliche Konzept mit aufnehmen werden.

Auch beim Tälesee sehen Bürger noch Entwicklungspotenzial

Sehr viel Potenzial bietet der noch unbebaute Nord-Osten. Durch den Hochwasserschaden scheint der Kindergarten "Die kleinen Strolche" ein finanzieller Totalschaden zu sein, wie von Truffner zu erfahren war. Nach dessen Abriss gibt es Ideen in der Bevölkerung, an dem freiwerdenden Platz eine Tiefgarage zu bauen, einen Pflegedienst zu integrieren, oder ganz einfach dem Wohnraum zuzufügen. Ein Haus möchten die Bewohner gerne stehen lassen, um die jetzige Wohnsituation der Nachwelt als "Reichenhalden-Museum" zu erhalten. "Der gut genutzte Spielplatz muss unbedingt erhalten und ausgebaut werden", so die Stimme aus dem Volk.

Um einem Durchgangsverkehr entgegen zu wirken soll Reichenhalden nur mit einem Fuß- und Radweg im Gewerbegebiet an die Robert-Bosch-Straße angebunden werden. Das Ortsschild von Empfingen soll bis zur jetzigen Einfahrt in Reichenhalden versetzt werden und mit einem Kreisverkehr das Siedlungsgebiet angebunden werden. Bis zu den Krautländer soll eine Baumallee die Kraftffahrer in den Ort begleiten. Die Krautländer könnten dem Wohnungsbau zugeführt werden, es müsste allerdings eine Ausgleichsfläche geschaffen werden.

Für die Anbindung Reichenhaldens an das Naherholungsgebietes Tälesee wurden etliche Varianten von der Brücke, Zebrastreifen bis zur Untertunnelung angeführt. Das Siedlungsgebiet soll durch den öffentlichen Nahverkehr angefahren werden, und die digitale Infrastruktur soll verbessert werden. Das Teilnehmerfeld der Perspektivwerkstatt am Mittwochabend kann sich das Wohnen in den Reichenhalden sehr gut vorstellen und sieht sehr viel Potenzial. Für Truffner ist Reichenhalden eine längerfristige Perspektive. "Ich habe den Plan im Kopf, brauche aber eine städtebauliche Planung", erklärte der Bürgermeister und deutet auf ein Luftbild von Reichenhalden hin.

Im zweiten Fokuspunkt des Abends ging es um den Tälesee und die Naherholung in und um Empfingen. Der Tälesee in der heutigen Form biete schon allerhand an Freizeitmöglichkeiten, wie Beachvolleyball, Kinderspielplatz, Bewegungs-Parcours, Basket­ballkorb beim Jugend- und Kulturverein und ein Boulefeld, welches aber eigentlich kaum benutzt wird, war die Meinung aus der Bevölkerung.

Doch es gibt durchaus auch noch Entwicklungspotenzial. So wird ein direkter Zugang vom Seeblick zum Tälesee ohne Umwege gewünscht. Problematisch sei die Überquerung der Haigerlocherstrasse, was aber in den Umbau der Reichenhaldensiedlung integriert werden könne. Wasserspiele für Kinder (Matsch), ein kindgerechter Zugang zum See und eine Schutzzone zum Wasser ist Wunschdenken der Teilnehmer und Eltern. Der Wunsch nach einem Mini-Fußballfeld und einem Skater-Park kam ebenfalls von den Teilnehmern. Dringend gebaut werden muss – und da waren sich alle einig – eine öffentliche Toilette und mehr Sitzgelegenheiten. Ein kleiner Kiosk, Eiswaren und ein Food-Truck waren auch Gesprächsthema. Kleinere Veranstaltungen am See wie Openair-Kino stehen ebenfalls auf der Wunschliste. Die Täleseehalle soll nach dem Willen der Bürger mit mehr Leben gefüllt werden, deshalb sollte sie auch privat angemietet werden können.

Anwohner wollennicht außer Acht gelassen werden

Bei den ganzen Wünschen sollten aber auch die Anlieger nicht außer acht gelassen, erklärte eine betroffene Frau die in den Reichenhalden wohnt. "Wir können öfters das ganze Wochenende nicht auf den Balkon sitzen wegen den Festen." Nach einer längeren Diskussion über die Ertüchtigung des "Bodenlosen Sees" kam man auch auf Anraten des Revierförsters und Jägers Achim Walter davon ab und möchte ihn so belassen. "Der Bodenlose See gehört nicht mal der Gemeinde Empfingen, sondern dem Fürst von Sigmaringen, was solch ein Vorhaben erschwert", so Achim Walter. Die offenen Grillplätze sollen mit einem teilweisen Unterschlupfdach bebaut werden.

Es war zu erkennen, dass die Empfinger durchaus mit den Sport- und Freizeitangeboten rund um den Tälesee zufrieden sind, trotzdem würden dem Freizeitspaß ein paar Nachjustierungen gut tun. An der Erreichbarkeit des Tälesees sollte noch gearbeitet werden. Das Spazier- Wander- und Radwegenetz könnte noch aufgepeppt werden, so die anwesenden Bürger.