Auf einen Kaffee mit Werner Hagenbach, der in Weil am Rhein Lehrer, Prädikant, Vorsitzender des Geschichtsvereins, Kirchenmusiker und Dirigent war.
Wer sich mit Werner Hagenbach unterhält und erlebt, wie geistig und körperlich vital er noch mit seinen 90 Jahren ist, der kommt aus dem Staunen nicht heraus.
„Das sind seine Gene und die gesunde Lebensweise“, wirft seine langjährige Lebenspartnerin Elfi Koppenhöfer ein, die ihm eine wichtige Stütze ist.
In jedem Fall kann Werner Hagenbach auf ein überaus engagiertes Leben mit vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten, sei es in der Kirchengemeinde als Kirchenmusiker und Prädikant, sei es im Verein Heimatgeschichte und Volkskunde oder bei der Städtepartnerschaft mit Trebbin zurückblicken.
Verdienstvoll war sein ehrenamtliches Wirken, für das er mit der Landesehrennadel Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde. Werner Hagenbach ist dankbar, dass er seinen im Dezember gefeierten 90. Geburtstag bei noch so guter Gesundheit erleben durfte.
Diplom-Handelslehrer
Wer seine zahlreichen Aufgaben und Ämter betrachtet, fragt sich, wie er es geschafft hat, Familie mit drei Kindern, Beruf und seine Hobbys unter einen Hut zu bringen. „Das frage ich mich manchmal selbst. Doch mit äußerster Disziplin und einem straffen Zeitmanagement habe ich es bewerkstelligt“, sagt er.
Die Grenzstadt Weil am Rhein ist Werner Hagenbach längst zur Heimat geworden, auch wenn seine Wurzeln in Mannheim liegen. Dort sowie in Dossenheim an der Badischen Bergstraße ist er aufgewachsen und hat in den Kriegsjahren die Luftangriffe auf seine Geburtsstadt miterlebt. 1949 zog seine Familie nach Müllheim, wo sie ein Schreib- und Spielwarengeschäft betrieb.
So war es naheliegend, dass er nach dem Abitur zunächst eine Lehre als Einzelhandelskaufmann begann. Ein Jahr später zog er jedoch ein Wirtschaftspädagogikstudium in Mannheim, das er 1960 erfolgreich als Diplom-Handelslehrer abschloss, dem Kaufmannsberuf vor.
Es folgte noch ein weiteres Studium in Basel und ein Jahr im Gymnasium Saint-Claude im französischen Jura, wo er Deutsch unterrichtete. 1964 wechselte Werner Hagenbach nach Lörrach an die Kaufmännischen Schulen. Dort unterrichtete er 34 Jahre Betriebs-, Volks- und Wirtschaftslehre sowie das Rechnungswesen, ehe der Oberstudienrat 1998 in Pension ging.
Auf vielen Ebenen aktiv
Seine Berufung als Lehrer war das eine. Das andere waren seine vielfältigen Tätigkeiten und sein starkes ehrenamtliches Engagement. 1969 war Werner Hagenbach mit seiner Familie nach Weil am Rhein gezogen. Hier setzte er sich auf zahlreichen Ebenen ein, vor allem auch in der evangelischen Johannesgemeinde.
Er war nicht nur einige Jahre im Kirchengemeinderat aktiv, sondern auch als Kirchenmusiker, wobei er viele Gottesdienste auf der Orgel begleitete. Doch damit nicht genug. Werner Hagenbach rief Anfang der 1970er Jahre wieder den Kirchenchor ins Leben und leitete diesen als Dirigent 25 Jahre lang bis 1997. Zudem war er der Initiator der beliebten Samstagshocks in der Johannesgemeinde.
Als Prädikant in der Region aktiv
Nach einem erfolgreichen Lehrgang zum Prädikantendienst in den 1980er-Jahren war der Laientheologe von 1988 bis 2024 als ehrenamtlicher Prädikant in der gesamten Region im Einsatz. In seiner Bilanz als Vakanz- und Urlaubsvertretung stehen mehr als 1000 Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Zuletzt hatte er noch 2024 den Pfarrer in Obereggenen vertreten, außerdem ein Kind aus dem Verwandtenkreis getauft. „Die Theologie hat mich schon immer interessiert“, sagt Werner Hagenbach.
Er gilt auch als ein Wegbereiter der Städtepartnerschaft mit Trebbin. Schon zu DDR-Zeiten, das erste Mal 1982, war er mit Gruppen aus der Johannesgemeinde in der märkischen Kleinstadt in Brandenburg und knüpfte Kontakte, aus denen teilweise Freundschaften entstanden. Im Wohnzimmer seines Hauses hatte er ein Treffen zwischen dem damaligen Weiler OB Peter Willmann und dem Trebbiner Pfarrer Matthias Fiedler arrangiert, außerdem brachte er dem Gemeinderat in einem Vortrag die Stadt Trebbin näher. 1990/91 wurde dann die Städtepartnerschaft offiziell besiegelt.
26 Jahre Vorsitzender
Verdienstvoll ist auch sein Einsatz für den Verein Heimatgeschichte und Volkskunde, in dem er 36 Jahre dem Vorstand angehörte, davon allein 26 Jahre als Vorsitzender. Werner Hagenbach verstand es, mit interessanten Themen, Vortragsabenden und Exkursionen das Interesse an Heimatgeschichte zu wecken und es wachzuhalten.
Hat ein Mann mit solch vielfältigem ehrenamtlichen Engagement noch Zeit gehabt für weitere Hobbys? Er ist gern und viel gereist und auch heute noch gelegentlich „ohne Flieger“ in Europa unterwegs. Auch schwimmt er gerne und pflegt seine beeindruckende Eisenbahnmodellanlage. Und: „Ich genieße das Leben an der Seite meiner Lebenspartnerin“, betont Werner Hagenbach rundum zufrieden.