Stehen beim VfB Stuttgart dank ihrer starken Leistungen im Fokus: Waldemar Anton, Serhou Guirassy und Chris Führich (von links) Foto: Baumann/Volker Müller

Beim VfB dreht sich viel um Serhou Guirassy, doch auch Waldemar Anton, Chris Führich und Enzo Millot haben sich in den Blickpunkt gespielt. Das weckt Begehrlichkeiten. Wir beleuchten die Hintergründe bei den Vertragsverhandlungen.

Mit oder ohne Serhou Guirassy? Das ist die Frage beim VfB Stuttgart. Seit seiner Muskelverletzung im Oktober auch an diesem Samstag (18.30 Uhr) vor der Auswärtspartie bei Eintracht Frankfurt – aber ebenso über die nächste Transferperiode hinaus. Die sportliche Antwort ist klar. Denn sie lässt sich simpel in Zahlen bemessen. Mit seinen 15 Toren in neun Einsätzen ist der Stürmer der absolute Erfolgsgarant.

 

Mal mit Finesse, mal mit Wucht, mal mit Kaltschnäuzigkeit trifft Guirassy. In Summe ergibt seine Treffsicherheit für den Fußball-Bundesligisten schon jetzt 24 Punkte. So viele wie der VfB in der Vorsaison nach dem 28. Spieltag aufwies. Über den dritten Tabellenstand hinaus bringt die Klasse des Torjägers nun nicht nur ständige Spekulationen über den Verbleib des Angreifers, sondern für den Club vor allem eines: Planungssicherheit, was die Ligazugehörigkeit anbelangt.

Teure Verpflichtung zahlt sich aus

Wussten die VfB-Verantwortlichen in den vergangenen Jahren im Frühjahr noch nicht, ob es im Oberhaus weitergeht, steht dies im Herbst 2023 nahezu fest. Ob in den höheren Etagen, wird sich zeigen, aber bereits jetzt hat sich die teure Weiterverpflichtung Guirassys ausgezahlt. Neun Millionen Euro an Ablösesumme plus ein Jahresgehalt von mehr als drei Millionen Euro sowie ein kleiner Bonus waren nötig, um den Angreifer zu einer Unterschrift zu bringen – Laufzeit des Kontrakts bis 2026, Ausstiegsklausel inklusive.

Diese will offenbar der AC Mailand im Winter für sich nutzen, heißt es aus Italien. Der Champions-League-Verein sucht einen Nachfolger für Olivier Giroud, 37-jähriger Weltmeister aus Frankreich und nicht mehr ewig belastbar. Doch da gibt es ja noch Newcastle United. Die zahlungskräftigen Engländer sind ebenfalls interessiert. Angelockt durch die Sondervereinbarung, dass Guirassy sowohl im Winter als auch im Sommer für eine Ablösesumme unter 20 Millionen Euro zu haben sein soll.

Fabian Wohlgemuth beunruhigen die Meldungen über die Zukunftsaussichten des VfB-Mittelstürmers nicht. Der Sportdirektor kennt den Markt und weiß, dass mit den Siegen die Zahl der gefragten Spieler steigt. Außer Guirassy haben sich Waldemar Anton, Chris Führich und Enzo Millot mit starken Vorstellungen in den Blickpunkt gerückt. Was das Trio trotz unterschiedlicher Spielerprofile vereint: Ihre Verträge laufen 2025 aus.

Der VfB muss nun schauen, ob er die Arbeitspapiere der Leistungsträger vorzeitig verlängert bekommt, um die Mannschaft wachsen zu lassen. „Wir haben ein sehr erfolgreiches erstes Saisondrittel gespielt. Das weckt Begehrlichkeiten. Wir werden dennoch konsequent im Rahmen unserer Möglichkeiten wirtschaften und ein ausgewogenes Verhältnis aus sportlichen und wirtschaftlichen Risiken herstellen. Es geht in allen Bereichen um Solidität. Konkret bedeutet das zunächst, dass wir unseren Etat unabhängig von einer möglichen besseren Platzierung als in den vergangenen Jahren zum Saisonende nicht erhöhen werden“, erklärt Wohlgemuth.

Wie viel verdienen die VfB-Spieler?

Mehr als 60 Millionen Euro fließen pro Jahr in den Profikader. Jetzt kommen die Spielerberater und verlangen für ihre Klienten mehr Geld. Ansonsten locken andere Arbeitgeber. Das ist der Preis des Erfolgs. So wird Anton mit Bayer Leverkusen in Verbindung gebracht. Sportlich reizvoll, weil der VfB-Kapitän die Königsklasse als sein persönliches Ziel nennt. Zudem finanziell lukrativ. Bei den Rheinländern gibt es mehr zu verdienen als bei den Schwaben. Beim VfB zählt Anton dennoch zu den Spitzenverdienern mit etwa 2,7 Millionen Euro an Jahressalär.

Anders sieht es bei Führich und Millot aus. Der eine kam aus der zweiten Liga, der andere aus dem französischen Nachwuchsbereich. Sie kassieren aktuell zwar mehr als eine Million Euro pro Saison, doch plötzlich soll es doppelt so viel sein. Denn nach langem Anlauf sind sie Stammkräfte in Stuttgart und werden zu Länderspielen eingeladen. Führich für Deutschland und Millot für die U-21-Auswahl der Franzosen.

Mit ihren Aktionen beflügeln die Offensivkräfte dabei nicht nur das Spiel, sondern ebenso die Fantasie der Fans. Doch kaum wagen es die VfB-Anhänger, nach Jahren des Bruddelns und Zitterns wieder ein wenig von höheren Sphären zu träumen, droht die schöne neue Welt aus den Fugen zu geraten. Zumal die überzeugenden Leihspieler Alexander Nübel und Deniz Undav nicht langfristig gebunden sind.

Viel Arbeit wartet da auf Wohlgemuth. Samt Leihspielern laufen ja insgesamt elf weitere Verträge im nächsten Sommer aus. Bei den vermeintlich Unersetzlichen hat der Sportdirektor zuletzt jedoch bewiesen, dass er durchaus Ersatz herbeischaffen kann. Weder Wataru Endo (FC Liverpool) noch Konstantinos Mavropanos (West Ham United) oder Borna Sosa (Ajax Amsterdam) werden vermisst. Jetzt betont Wohlgemuth: „Es liegt in der Natur der Sache, dass wir nichts unversucht lassen, um den Kader sowohl in der Spitze zu stärken als auch grundsätzlich breiter aufzustellen. Das ist ein ganz klarer Anspruch. Wir wollen sportlich weiter wachsen, aber nicht um jeden Preis.“

Die Idee, Guirassy die Ausstiegsklausel abzukaufen, beruht dabei mehr auf Wunschdenken der Fans als auf einem realistischen Lösungsansatz. Dennoch finden Gespräche statt. Wie bei Anton, Führich und Millot, die sich alle in Stuttgart wohlfühlen. Sämtliche Optionen werden da ausgelotet, aber Wohlgemuth scheut sich auch nicht davor, mit wichtigen Spielern, die einen auslaufenden Vertrag haben, in die kommende Saison zu gehen.