In einigen Krankenhäusern müssen wegen Personalmangels Stationen und Abteilungen schließen. Auch in Calw und Nagold (Bild)? Foto: Fritsch

Kliniken in Not: Weil wegen Corona-Erkrankungen Personal fehlt, müssen mancherorts Stationen und Abteilungen dicht gemacht werden. Auch im Kreis Calw?

Kreis Calw - Wie konnte es so weit kommen? "Heute wegen Personalmangels geschlossen" steht auf dem Schild, das an der Tür der Notaufnahme klebt. Der junge Vater, der seinen kleinen Sohn auf dem Arm trägt, ist fassungslos. Das Kind hat eine Platzwunde erlitten. Doch die Klinikabteilung ist dicht.

 

Vermutlich hat sich ein solcher Fall hierzulande so noch nie abgespielt. Doch dieses frei erfundene Beispiel ist alles andere als an den Haaren herbeigezogen.

"Aus allen Bundesländern erreichen uns Meldungen, dass einzelne Stationen und Abteilungen auch wegen Personalmangel abgemeldet werden müssen", sagte dieser Tage der Vorstandschef der Deutschen Krankenhausgesellschaft Gerald Gaß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Selbst Notaufnahmen seien zeitweise betroffen.

Schuld daran scheint neben der Urlaubszeit und dem generellen Mangel an Pflegekräften auch die Corona-Sommerwelle zu sein. Letztere weniger, weil sie für volle Kliniken sorgt, sondern vor allem, weil sie große Lücken in die Reihen des Personals reißt.

Wie ist die Lage im Kreis Calw?

Für den Kreis Calw kann Ingo Matheus, Pressesprecher und Leiter der Stabsstelle Unternehmenskommunikation beim Klinikverbund Südwest (zu dem auch die Krankenhäuser in Calw und Nagold gehören), indes weitgehend Entwarnung geben.

Grundsätzlich, so räumt Matheus ein, gebe es zwar nach wie vor "hohe Ausfallquoten beim Personal; Kliniken zählen ja zu den wenigen Bereichen, in denen weiterhin flächendeckend (auf Corona, Anm. d. Red.) getestet wird". Dies habe auch "immer wieder Auswirkungen auf einzelne Bereiche oder Stationen", wenn die Ausfälle in einzelnen Teams gehäuft vorkommen würden. Auswirkungen auf "Öffnungszeiten" habe das "aber natürlich nicht, wir sind 24/7 (24 Stunden an allen sieben Tagen der Woche, Anm. d. Red.) am Start".

Auch die Versorgungssicherheit sei nicht gravierend beeinträchtigt. "Hier hilft uns der Verbundcharakter, sollte es an einem Standort mal eng werden", sagt der Sprecher. "Bereits in der Pandemie konnten so beispielsweise ja knappe Intensivkapazitäten von anderen Standorten in Hochphasen aufgefangen werden."

Dass es trotz allem dazu kommen könnte, dass nicht alle Betten in den Häusern betrieben werden können, sei dennoch nie ganz auszuschließen, zumal zur Pandemie nach wie vor der Fachkräftemangel hinzukomme.

Wie viele Corona-Patienten sind aktuell in Behandlung?

Aktuell würden in den Kliniken des Verbunds insgesamt 48 Corona-Patienten behandelt, etwa ein Dutzend davon in Calw und Nagold. Sechs dieser 48 Patienten seien auf der Intensivstation, vier beatmet. "Die Zahl der Covid-Patienten lag in den letzten Wochen stabil, meist bei circa 30 plus/minus", berichtet Matheus.

In den vergangenen zehn Tagen habe man aber einen merklichen Anstieg registriert. Die Entwicklung werde daher sehr genau im Auge behalten, "in der Hoffnung, dass es sich vielleicht nur um einen kurzfristigen statistischen Ausreißer handelt und nicht einen Trend", erklärt der Sprecher.

Wie ist der Klinikverbund gerüstet, wenn sich die Corona-Lage wieder verschlechtert?

Für den Herbst und den weiteren Verlauf der Pandemie, vor dem viele Experten seit einiger Zeit immer wieder warnen, sieht sich der Klinikverbund "strukturell und mit der Erfahrung von über zwei Jahren Pandemie aber sehr gut vorbereitet für einen möglichen Anstieg", sagt Matheus.

Theoretisch könne binnen weniger Tagen wieder auf Krisenmodus umgestellt werden – "praktisch muss man aber konstatieren, dass der Belegschaft eine weitere Welle eigentlich nicht mehr aufzubürden ist und viele blicken mit Sorge in den Herbst", schränkt der Sprecher ein.

Wie ist die Lage deutschlandweit?

Insgesamt, das geht aus einem Bericht von "ZDFheute" hervor, scheint die Lage angespannt, aber noch zu bewältigen zu sein. Laut einer Umfrage unter den Betreibern von rund 500 Kliniken und mehreren Krankenhausgesellschaften in Deutschland litten die meisten Krankenhäuser zwar unter Personalausfällen, könnten die Situation aber noch meistern.

Vielerorts sei es derzeit auch nicht problematischer als in den vergangenen Monaten. Mancherorts habe sich die Lage dagegen verschlimmert.