Häufiger bilden sich vor der Postbankfiliale in der Friedrich-Ebert-Straße mehr oder weniger lange Warteschlangen. Foto: Reutter

"Die Post ist ein Chaosverein, mit Dienstleister hat das nichts mehr zu tun", macht sich ein Schwenninger Luft über seinen Ärger rund um verspätete Briefzustellung und lange Warteschlangen vor der Postbankfiliale in der Friedrich-Ebert-Straße.

VS-Schwenningen - Vor allem seit September hake es bei der Zustellung gewaltig, so die Erfahrung des 81-jährigen Rentners. Eine Woche lang bekomme er keine Post, und dann plötzlich eine ganze Handvoll, darunter auch Briefe, die über eine Woche zurückdatiert seien. So wartete er auch jüngst auf wichtige Unterlagen eines Reiseveranstalters. Weil der Brief nicht ankommen wollte, machte er sich auf die Suche und stattete dem Zustellstützpunkt im Spittelbronner Weg einen Besuch ab. Dort habe er einen Mitarbeiter angetroffen, dem er seine Adresse geben durfte. Der Mitarbeiter sei dann in einen anderen Raum gegangen. Etwa eine Viertelstunde später kam er zurück mit etlichen Briefen für den Rentner, darunter auch dem des Reiseveranstalters, datiert war er vom 30. September. Darin wurde mit einem Gutschein über 300 Euro geworben, wenn er sich bis 10. Oktober zur Reise entscheiden würde. In Empfang genommen hat er den Brief im Zustellstützpunkt am 11. Oktober. Die Gutscheinfrist war damit bereits abgelaufen. Wer weiß, wann ein Briefträger das Kuvert bei ihm in den Briefkasten in der Dauchinger Straße in Schwenningen geworfen hätte, auf jeden Fall noch später.

 

Überall Pakete, die noch nicht zugestellt wurden

In der Halle im Zustellstützpunkt hätten sich bei seinem Besuch gegen 15 Uhr überall Pakete auf dem Boden und auf Tischen befunden. Ein Mitarbeiter habe ihm gegenüber gesagt, eigentlich hätten diese Pakete alle schon am Morgen zugestellt werden sollen. Aber die Personalsituation sei schwierig. Aus dem Stand könnte man 15 zusätzliche Leute einstellen. Auf die Nachfrage des Rentners, was er verdiene, meinte der Postmitarbeiter, 14 Euro, und habe hinzugefügt, er werde den Job nicht ewig machen. Auf dem Hof im Zustellstützpunkt hat der Rentner nach eigenen Angaben 35 Zustellautos gezählt, die dort ungenutzt geparkt hätten.

Der Unmut des Rentners gründet nicht nur auf einer unzuverlässigen Briefzustellung. Als er kürzlich einen Packen Kopierpapier in der Hauptpost in Schwenningen kaufen wollte, es handelt sich um die Postbankfiliale in der Friedrich-Ebert-Straße, musste er eine halbe Stunde in der Schlange stehen. Die Schlange sei noch 20 Meter vor dem Postbankgebäude gestanden, wo die Leute im Regen ausharren mussten. Als er schließlich nach einer halben Stunde Wartezeit an einem Schalter ankam, fragte er nach, weshalb von den vier Schaltern nur zwei besetzt seien. Als Antwort habe er von der Mitarbeiterin erfahren, sie seien zu wenig Leute und fänden auch keine neuen.

"Punktuelle Verzögerungen in der Post- und Paketauslieferung"

Post-Pressesprecherin Jasmin Derflinger verweist tatsächlich auf Krankenstände und Schwierigkeiten bei der Findung neuen Personals. Deshalb komme es "leider punktuell zu Verzögerungen in der Post- und Paketauslieferung". Und fügt hinzu: "Wir arbeiten täglich mit Hochdruck an einer Lösung, sodass wir schnell wieder in der von uns gewohnten Qualität zustellen können." Derflinger bestätigt, dass der Stundenlohn in der Zustellung 14,89 Euro beträgt.

Die Hauptpost in der Friedrich-Ebert-Straße wird nicht etwa durch die Post betrieben, sondern durch die Postbank, die wiederum zur Deutschen Bank gehört. Postbank-Pressesprecher Hartmut Schlegel bestätigt, "dass wir in Schwenningen mit ernsthaften Personalproblemen zu kämpfen haben. Seit Sommer haben wir im Filialteam zwei dauerhaft erkrankte Mitarbeitende."

Hauptpost mittags geschlossen

Der Personalmangel habe dazu geführt, "dass wir die Filiale zunächst mittags von 12 bis 14 geschlossen halten mussten, dass es häufig zu längeren Wartezeiten kommt und dass wir nicht mehr alle Schalter besetzen können". Das liege auch daran, weil die Mitarbeiter während der Öffnungszeiten auch im Back-Office-Bereich der Filiale tätig seien und zum Beispiel benachrichtigte Pakete erfassen und einsortieren. Dies habe zur Folge, dass nicht immer alle in der Filiale tätigen Mitarbeiter für die Kunden sichtbar seien. "Dadurch kann es bei Kunden zu dem Eindruck kommen, dass weniger Schalter besetzt sind, als es möglich wäre."

Schlegel betont: "Seit Sommer suchen wir intensiv – auch durch Neueinstellung – nach Ersatz für die erkrankten Kollegen: über die eigene Stellenbörse (www.postbank.de/karriere) und Aushänge in der Filiale." Angesichts des angespannten Arbeitsmarktes im Südwesten Deutschlands sei dies jedoch keine leichte Aufgabe.

Info: Im Fall einer Beschwerde

"Wir nehmen jede einzelne Beschwerde unserer Kunden ernst und sind immer bereit, den konkreten Fällen nachzugehen. Dafür bieten wir unseren Kunden zahlreiche Kontaktmöglichkeiten über unterschiedliche Kanäle, wie zum Beispiel den klassischen Telefonanruf auf der zentralen Kunden-Hotline 0228/43 33 112 oder unsere Social-Media-Kanäle", informiert Post-Pressesprecherin Jasmin Derflinger.