Wegen Personalmangels wurde die Ganztagesbetreuung in drei Kindertageseinrichtungen in Calw von 50 auf 45 Stunden reduziert. Das ist mehr als eineinhalb Jahre her. Nun gibt es einen Lichtblick: Ab Oktober könnte wieder die ganze Stundenzahl abgedeckt werden.
Calw - "Es sieht wieder sehr gut aus", präsentierte Isabell Mäder von der Personalabteilung der Stadt Calw den aktuellen Stand in Sachen Kindergarten-Mitarbeiter dem Kultur- und Bildungsausschuss (KBA). Insbesondere in den drei Sorgenkindergärten beziehungsweise Ganztageseinrichtungen, Kinderhaus Heumaden, Kita Kinderdorfstraße und Kinderhaus Stammheim sind derzeit nur noch wenige Stellen unbesetzt. So fehlen in der Kita Kinderdorfstraße für die 50-Stunden-Betreuung lediglich 0,08 Stellen, im Kinderhaus Stammheim 0,54 und im Kinderhaus Heumaden 0,61 bei einer Krippen- und eineinhalb Kindergartengruppen. Bei zwei Kindergartengruppen und einer Krippe sind es indes 2,25 Stellen, die für eine 50-Stunden-Woche noch zu besetzen wären, wie aus Mäders Präsentation hervorgeht. Heumaden ist damit die einzige Einrichtung, in der es immer noch problematisch aussieht, zeigte die Mitarbeitern im Ausschuss auf. Ungeachtet dessen ist sie optimistisch, dass ab Oktober wieder eine 50-Stunden-Betreuung angeboten werden könnte.
Im Februar 2021 wurde das Angebot wegen Personalmangels in den drei Ganztageseinrichtungen auf 45 Stunden heruntergefahren. Zunächst bis Juli desselben Jahres.
Zu spät begonnen?
Bei vielen Eltern, die diese Vollzeit-Betreuung üblicherweise in Anspruch nehmen, sorgte das für "Entsetzen, Fassungslosigkeit und Wut", wie es Nicole Fischer, Elternbeirätin im Kinderhaus Heumaden und Vorsitzende des Vereins Familienfreundliches Calw, in einer offenen E-Mail an Oberbürgermeister Florian Kling (SPD) damals ausdrückte. Sie verwies darin auf die Arbeitszeiten der Eltern, die sich nicht so einfach ändern ließen und warf der Verwaltung vor, mit der Personalgewinnung zu spät begonnen zu haben.
Kling beteuerte indes, dass die Entscheidung, das Angebot zu kürzen, der Verwaltung keinesfalls leicht gefallen sei. Aber, so hieß es, als im Juli immer noch nicht zu den 50 Stunden zurückgekehrt werden konnte: Die Stundenreduzierung sei auch ein Puffer, damit die vorhandenen Mitarbeiter "dranbleiben". "Die Kollegen können nicht mehr", sagte Thomas Seifert, Leiter der Abteilung Bildung bei der Stadt, damals. Und: Wenn es keine Leute gibt, gibt es keine Leute. Da könne man für den Moment nichts dran rütteln.
Werbung in sozialen Medien
Die Verwaltung beteuerte in der Debatte um die Betreuungszeit immer wieder, dass das Personalproblem nicht hausgemacht sei, sondern alle Kommunen betreffe. Die Personalabteilung startete in der Konsequenz eine Stellenoffensive, veröffentlichte also neu gestaltete Ausschreibungen – auch in den sozialen Medien – machte Nachwuchswerbung und betreute die Bewerberinnen intensiv, wie es damals in einer Sitzungsvorlage hieß.
Diese Bemühungen scheinen nun Früchte getragen zu haben. Sieben Auszubildende haben der Präsentation zufolge ihre Übernahme-Verträge bereits unterschrieben, zwei weitere Verträge liegen beim Personalrat und auch die Stellenbesetzung für Nachwuchskräfte macht einen vielversprechenden Eindruck.
"So, wie es derzeit aussieht, könnte ab Oktober wieder eine 50-Stunden-Betreuung im Kinderhaus Stammheim und in der Kinderdorfstraße angeboten werden", sagt Isabell Götz, Fachbereichsleiterin Bildung, Kultur und Tourismus bei der Stadt Calw.
Positive Entwicklung
Doch sie schränkt ein: "Da wir aber nicht wissen, ob die Situation nach den Sommerferien tatsächlich so aussieht, wie es sich jetzt auf dem Papier darstellt, warten wir noch ab."
Die Situation soll erst nach dem Start der neuen Kindergartensaison neu in Augenschein genommen werden – "damit wir nicht in die Lage kommen, 50 Stunden anzubieten und dann wieder runterfahren zu müssen". Und damit die Eltern nicht die Eltern mit einer 50-Stunden-Betreuung planen und dann kurzfristig wieder umplanen müssen. Und noch einen Wermutstropfen sieht sie. Und zwar wie bereits erwähnt in der größten Kindertageseinrichtung Calws, dem Kinderhaus Heumaden. Dort könnte man eben noch nicht auf die 50 Stunden gehen.
Dennoch ist die Kulturamtsleiterin erfreut über die positive Entwicklung. "Ich würde mich sehr freuen, wenn wir die 50 Stunden wieder anbieten können. Aber ich will den Tag nicht vor dem Abend loben und habe schon zu oft erlebt, dass eine gute Personalsituation nicht stabil war und wir am Ende doch nicht genügend Personal zur Verfügung hatten. Daher warte ich erst noch ab."