Wartende Passagiere am langen Wochenende am Flughafen Schiphol in Amsterdam Foto: AFP/Jeroen Jumelet

Seit Wochen kämpft der Flughafen Schiphol in Amsterdam mit großen Problemen wegen Personalmangels. Passagiere müssen oft stundenlang bis zur Abfertigung warten. Vereinzelt kam es bereits zu Auseinandersetzungen mit wütenden Reisenden.

Die Warteschlange reicht bis auf die Straße vor dem Flughafengebäude. Die Menschen in der Schlange schwitzen und fluchen. Manche verpassen ihr Flugzeug, weil sie nicht rechtzeitig einchecken konnten. Es sind Szenen, wie sie sich so dort noch nie ereignet haben. Der Amsterdamer Flughafen versinkt im Chaos. Auch bei der nationalen Fluglinie KLM herrscht Verzweiflung. Über das lange Wochenende mussten 47 Flüge gestrichen werden, weil die vielen Passagiere auf dem Amsterdamer Flughafen nicht mehr abgefertigt werden konnten.

 

Das Chaos schadet dem Ruf von KLM

Die Folge: Tausende KLM-Passagiere kamen nicht weg oder konnten nicht mehr zurück nach Amsterdam fliegen. Da Umbuchungen oft nicht möglich waren, mussten sie ihren Rückflug nach Amsterdam mit einer anderen Airline regeln. Das kostete viel Geld, Schweiß und Tränen. Dies schadet der Reputation der KLM, der ältesten Airline der Welt. Der Grund für die Misere auf dem Amsterdamer Flughafen, der einst vor Corona als einer der besten Flughäfen in Europa galt, ist Personalmangel. Während der Pandemie haben sich viele Flughafenangestellte, die nur einen Zeitvertrag hatten, einen neuen Job gesucht.

Die KLM hat rund 6000 Stellen abgebaut und Milliarden Euro an staatlicher Hilfe erhalten, um überleben zu können. Jetzt fehlt es überall an Flughafenpersonal – beim Boarding, bei den Sicherheitskontrollen, bei der Gepäckabfertigung. Hinzu kommt, dass die Menschen wieder reisen wollen. Und zwar massenhaft. Am Sonntag mussten auf dem Schiphol Airport 190 000 Passagiere abgefertigt werden. „Wir sind schon frühmorgens völlig überlastet“, sagt ein Sprecher des Flughafens. Flughafenchef Dick Benschop lässt sich jedoch nicht blicken. Er nutzte das lange Wochenende und schipperte auf einem Boot durch die Grachten der Niederlande. Das kann ihn jetzt seinen Job kosten. Die Gewerkschaften fordern bereits den Rücktritt von Benschop.

Gewerkschaften fordern Rücktritt des Flughafenchefs

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In der kommenden Woche muss der Flughafendirektor dem Haager Parlament erklären, wie er das Chaos beenden will. Pfingsten steht vor der Tür. Die Sommerferien beginnen bald. Der Personalmangel ist nicht so schnell zu beheben. „Wir erwarten, dass das Passagieraufkommen in den kommenden Wochen hoch bleibt oder sogar noch steigen wird“, sagt Flughafensprecher Alexander Scholtes. Es gäbe einen Aktionsplan. Der bestehe darin, dass permanent neues Personal eingestellt wird, wenn es denn zu finden ist. Außerdem sollen Flüge auf andere Flughäfen verlegt werden. Die KLM kündigte an, einige Tage keine Tickets von Schiphol aus mehr zu verkaufen.

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