Amts- und Personalrochade bei der Stadt Lahr: Innerhalb kürzester Zeit muss die Verwaltung große Veränderungen meistern. Grund ist die Rückkehr der bisherigen Kulturamtsleiterin aus der Elternzeit.
Cornelia Lanz wollte am Donnerstag gegenüber unserer Redaktion keinen Kommentar abgeben. Weder zu ihrer beruflichen Zukunft noch zu den Umständen, die zu deren Neuausrichtung führen werden. „Es ist noch nichts entschieden, deshalb will ich noch nichts offiziell sagen“, erklärte Lanz, die seit November 2020 an der Spitze des Lahrer Kulturamts steht. Als international renommierte Opernsängerin ohne Verwaltungshintergrund hatte sie sich einst gegen 44 Mitbewerber durchgesetzt. Heute, gut zweieinhalb Jahre nach ihrem Amtsantritt steht die 42-Jährige im Epizentrum eines Personalbebens im Lahrer Rathaus.
Aus vielen Gesprächen mit Wegbegleitern und Beobachtern ergibt sich ein heterogenes Bild vom bisherigen Wirken der Kulturchefin. Lanz ging mit viel Schwung an die Arbeit, führte während Corona neue Formate ein. Museumsbar, Kulturstammtisch, die „Villa Jamm Artists“ und Bürgeropern kamen und kommen beim Publikum gut an. Nicht zuletzt, weil die Mezzosopranistin ihren Eifer nicht nur hinter, sondern gerne auch auf der Bühne unter Beweis stellte.
Tobias Meinen soll das Kulturamt übernehmen
Mit zunehmender Dauer ihrer Tätigkeit war jedoch ein lauter werdendes Knirschen zu vernehmen, auch und vor allem im zwischenmenschlichen Bereich. Lanz’ hohe Schlagzahl, ist aus internen Kreisen zu hören, habe dazu geführt, dass sich Mitarbeiter zusehends überlastet sahen. Einige verließen das Kulturamt oder drohten mit Kündigung. Ehrenamtliche aus Vereinen, die sich kulturell in der Stadt engagieren, machen keinen Hehl daraus, dass sie sich von Lanz’ fordernder und forscher Art immer wieder vor den Kopf gestoßen fühlten. Die Verwaltungsspitze soll mehrfach versucht haben, vermittelnd einzuwirken, sogar Mediationen soll es gegeben haben – aber offenbar keine Entspannung der Situation.
Aus dem Rathaus drangen Kritik und Ärger nicht an die Öffentlichkeit, zumindest nicht offiziell. Im Gegenteil: Als Lanz, die für ihren Job in Lahr mit Mann und erstem Kind von München nach Südbaden gezogen war, sich im März vergangenen Jahres in Elternzeit verabschiedete, ließ man sie ein positives Fazit ihrer ersten 16 Monate als Kulturamtschefin ziehen. An ihrer Seite beim Pressetermin standen ihre Kollegin Senja Dewes vom Amt für Soziales, Schulen und Sport und ihr Vorgesetzter, der Erste Bürgermeister Guido Schöneboom. Die beiden vertraten Lanz in ihrer Abwesenheit, die nun bald endet.
Nach Informationen unserer Redaktion fand vor Kurzem ein persönliches Treffen zwischen der Stadtspitze und Cornelia Lanz statt. Schon vor Monaten soll Lanz nahegelegt worden sein, sich einen neuen Arbeitsort beziehungsweise einen neuen Job zu suchen. Eine Rückkehr als Kulturamtschefin schloss das Rathaus aus. Indes: Lanz hat ein Abfindungsangebot offenbar (noch) nicht angenommen, was die Stadt vor keine kleine Herausforderung stellt. Sie muss ihre Amtsleiterin bei einem Verbleib anderweitig unterbringen – in vergleichbarer Position und adäquat bezahlt. Dafür ist jetzt eine große Rochade im Dezernat II gestartet. Schon Anfang Juni soll sie umgesetzt sein.
Die Stadt Lahr reagierte am Donnerstag auf Anfrage unserer Redaktion mit einer Pressemitteilung. Demnach wird ein neues Amt eingeführt: das „Amt für Stadtgeschichte und Archivwesen“. Ihm soll Lanz künftig vorstehen, die damit dann neben dem Stadtarchiv die Verantwortung für das Stadtmuseum mit den Standorten Tonofenfabrik, Storchenturm und Römisches Streifenhaus hätte. Gleichzeitig soll das Amt für außerschulische Bildung aufgelöst werden, dessen bisheriger Leiter Tobias Meinen neuer Kulturchef werden – und Leiter der städtischen Musikschule bleiben soll. Die Musikschule werde ebenso wie die Mediathek mit in Meinens neues „Amt für Kultur, Musik und Medien“ ziehen. Die Volkshochschule wandert derweil ins Amt für Soziales, Schulen und Sport, das dann „Amt für Soziales, Bildung und Sport“ heißen wird.
Stadt spricht von „Differenzen“
„Damit wird auch der zurückliegenden Entwicklung, dass es vor der Elternzeit von Cornelia Lanz durchaus Differenzen und unterschiedliche Auffassungen in der strategischen Ausrichtung der Kulturarbeit gegeben hat, Rechnung getragen“, schreibt die Stadt. Grundsätzlich sieht Bürgermeister Schöneboom „einen günstigen Zeitpunkt für einen inhaltlichen Umbau“ seines Dezernats. Auch weil die Mediathek bekanntlich vor einem Wandel steht: Zum einen beerbt Julia Fenstermacher im September die langjährige Leiterin Birgit König, die in den Ruhestand geht. Zum anderen, heißt es aus dem Rathaus, zeichne sich das Großprojekt eines zentralen „Dritten Ortes“ in der Innenstadt ab. Dort soll ein Platz der Begegnung und der Kultur mit der Mediathek als Herzstück entstehen. Diese Bereiche sind mit den nun vollzogenen Umstrukturierungen, die laut Stadt weder mehr Ämter noch Stellen bedeuten, auch rein formal unter einem Dach.
Die dritte Amtsleiterin
Cornelia Lanz wurde 2020 die erst dritte Lahrer Kulturamtsleiterin. Sie beerbte Gottfried Berger, der den Posten ab 1999 innehatte. Berger wiederum war Nachfolger von Bernhard Maier, der 1969 Kulturreferent wurde und 1978 die Leitung des neu geschaffenen Kulturamts übernahm. Damals gehörten noch die Stadtbücherei und die Städtische Musikschule zum Kulturamt – so wie es nun wieder werden soll.