Der Hüfinger Otmar Mayer ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Jahrzehntelang prägte er das Vereinsleben und Kunsthandwerk der Stadt. Sein Sohn erinnert sich.
„Er war immer ein geselliger Mensch“, beschreibt Michael Mayer seinen Vater Otmar. Zwischen Stechbeiteln und Kunstwerken steht er in dessen ehemaligen Werkstatt in der Hüfinger Hauptstraße. Der Geruch von Holz liegt noch in der Luft. Bis ins hohe Alter hat Otmar Mayer hier den Stechbeitel angesetzt, Span für Span aus Material einen Ausdruck, manchmal eine Geschichte geformt. Nun ist er im Alter von 94 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben.
Otmar Mayer war nicht nur der Urvater des Hüfinger Bärcheappeli und anderer Fasnetfiguren, sondern auch eine feste Instanz im Hüfinger Vereinsleben. Jahrelang war er aktives Mitglied im Hüfinger Kunstkreis. Bis zuletzt sang er zudem im Kirchenchor. Eine einmalige Treue von 70 Jahren, die 2018 vom Erzbischof Stefan Burger aus Freiburg geehrt wurde. Über den Chor lernte er auch seine Frau Luise kennen, die er 1956 heiratete.
Der 1931 im Ort geborene Mayer absolvierte seine Lehre 1946 als Holzbildhauer in Furtwangen bei Karl Rieber. Nach seiner Meisterprüfung baute er sich in Hüfingen ein Atelier auf. Neben der Holzbildhauerei entstand ein Fotografiegeschäft, das er zeitgleich betrieb. An Arbeit habe es seinem Vater nie gemangelt, berichtet sein Sohn Michael. Er führt die Holzschnitzerei weiter und steht heute selbst, mit 66 Jahren, noch voll im Berufsleben. Unter anderem sind 120 Zünfte Kunden des Mayer-Vater-Sohn-Paares.
„Dieser Druck der Selbstständigkeit, das war das Thema seines Lebens“, berichtet Sohn Michael Mayer. Aus seiner Kindheit zeichnet er das Bild des strengen und angestrengten Alleinversorgers. „Wir waren sechs Jungs, die durch seine Werkstatt geturnt sind und ihn abgelenkt haben, während er seine Arbeit fertigstellen musste. Ich habe ihn häufig genervt erlebt“, erinnert sich Michael Mayer.
Nachtarbeit und Kostendruck
Otmar Mayer habe seinen sechs Söhnen ein gutes Leben bieten wollen. Das sei nicht immer leicht gewesen, denn auch damals habe es schon Nachtarbeit und Kostendruck gegeben. „Die Grundeinstellung meines Vaters war immer, dass er nicht zu teuer sein durfte, denn er war ja auf die Aufträge angewiesen“, so Michael Mayer.
Trotz des hohen Schaffensdrucks schaffte Otmar Mayer es, seine Leidenschaft für Kunst und Musik an seine Söhne weiterzugeben. Alle sechs spielen ein Instrument oder singen, bis auf den jüngsten fand auch jeder seinen Platz in der Hüfinger Stadtkapelle. Auch die Generationenfolge ist ihm gelungen. So führt Sohn Joachim das Fotogeschäft mit seiner Frau fort, während Michael Mayer seine Werkstatt nur wenige Schritte vom Atelier seines Vaters entfernt eingerichtet hat.
Bis vor etwa zehn Jahren habe Otmar Mayer noch Aufträge angenommen und gemeinsam mit seinem Sohn umgesetzt. Dann sei es ruhiger um seinen Vater geworden. Tür an Tür mit seinen beiden Söhnen und seinem Lebenswerk in Fotografie und Holzbildhauerei konnte er so seinen Lebensabend genießen. „Diese letzten Jahre habe ich mit ihm am schönsten in Erinnerung. Er hat fast immer gelacht“, sagt Michael Mayer.
Der Holzbildhauer
Als Holzschnitzer
hat sich Otmar Mayer bis weit über die Grenzen der Region einen Namen gemacht und die Fasnacht entscheidend mitgeprägt. So gestaltete er etwa die Fasnetbrunnen in Behla, Döggingen und Unadingen. Zu seinen größeren Arbeiten zählen unter anderem die Weihnachtskrippen für die Kirchen in Hüfingen und Bräunlingen, die Darstellung eines Kreuzwegs für die Kirche Sumpfohren, Altarkreuze, Madonnen und Heiligenfiguren. Seit 1998 nahm er an den jährlichen Kunstkreis-Ausstellungen teil. Außerdem war er Mitglied der Künstlergilde Donaueschingen.