Im Namen des Gemeinderats hat Bürgermeister Gerhard Feeß (links) den Unternehmer und Förderer Rolf Geisel zum Ehrenbürger der Stadt Altensteig ernannt und dabei auch den Rückhalt durch dessen Ehefrau Gabi Geisel gewürdigt. Als Geschenk zum Jubiläum "100 Jahre Boysen Abgastechnik" überbrachte Feeß das Werk "Urbanes Altensteig", gemalt von Wolfram Paul. Foto: Boysen

Boysen-Chef Rolf Geisel ist neuer Ehrenbürger der Stadt Altensteig. Die Ernennung vollzog Bürgermeister Gerhard Feeß anlässlich des Festakts "100 Jahre Boysen Abgastechnik" im Dekra Congress Center Wart.

Altensteig - Es war ein Gänsehaut-Moment, als die – gemäß 3G plus – geladenen Gäste dem Geschäftsführer der Boysen-Gruppe mit stehenden Ovationen ihre Anerkennung bekundeten.

Dass nur drei Chefs für die 100-jährige Geschichte eines Unternehmens verantwortlich zeichnen, ist eine Seltenheit. "Noch seltener, wenn nicht deutschlandweit gar einmalig", dürfte es laut Feeß sein, "dass alle diese drei Personen in der Ehrenbürgerliste einer Stadt stehen". Damit bezog sich der Bürgermeister neben Rolf Geisel auf Firmengründer Friedrich Boysen (1970 zum Ehrenbürger ernannt) sowie auf dessen Ehefrau Elisabeth Boysen (2004 zur Ehrenbürgerin ernannt). Insgesamt ist Rolf Geisel die achte Persönlichkeit, dem diese Würdigung der Stadt Altensteig zu Teil wird. Bereits 2013 wurde ihm die Goldene Bürgermedaille der Stadt verliehen.

Weicher Kern unter rauer Unternehmerschale

In seiner Laudatio würdigte Feeß die jahrzehntelangen Verdienste Geisels als "herausragender Förderer, Sponsor und Mäzen des Vereins- und Kulturlebens, unserer Schulen und Kindertagesstätten sowie zahlreicher weiterer Institutionen". Darüber hinaus sei Geisel nicht nur einer der erfolgreichsten und innovativsten Unternehmer Baden-Württembergs, sondern ungeachtet der beruflichen Belastung auch immer zur Stelle, "wenn ein Mitarbeiter oder dessen Familie in eine Notlage gerät". Dass unter der rauen Unternehmerschale ein weicher Kern steckt, belegte Feeß auch mit einigen Beispielen aus dem privaten Umfeld von Rolf Geisel, der sogar schon wichtige Geschäftsreisen kurzfristig abgesagt habe, "weil ihm die Zeit für einen guten Freund in einer schwierigen Situation noch wichtiger war".

Betriebsleiter mit gerade einmal 22 Jahren

Für Rolf Geisel ist der Ehrenbürgertitel der krönende Abschluss "eines in jeder Hinsicht besonderen Jahres", in dem die Boysen-Gruppe auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblickt. Im vergangenen Juni feierte er seinen 65. Geburtstag und blickte dabei auf fast 50 Dienstjahre bei Boysen zurück. 1972 hatte der Sohn eines Schuhmachers beim Abgastechnikspezialisten in Altensteig seine Lehre zum Werkzeugmacher begonnen und damit einen nahezu einmaligen Werdegang begründet.

1978 wurde er mit gerade einmal 22 Jahren Betriebsleiter des Boysen Werks AWM Walddorf. Ab Anfang der 80er Jahre unterstützte er die damalige Chefin Elisabeth Boysen, von der er 1985 schließlich zum Geschäftsführer berufen wurde. Damals war er 29 Jahre jung – und zu dieser Zeit erwirtschaftete Boysen mit 450 Mitarbeitern an vier lokalen Standorten einen Umsatz von 60 Millionen D-Mark. Bis zum Jubiläumsjahr 2021 hat er Boysen zu einer weltweit tätigen Unternehmensgruppe mit 5300 Mitarbeitern an 25 Standorten und einem Jahresumsatz von zuletzt 2,4 Milliarden Euro geformt.

Schaffenszeit neigt sich langsam dem Ende entgegen

Die Anerkennung durch den Titel des Ehrenbürgers gab Rolf Geisel in seiner Dankesrede umgehend weiter: "Zum einen habe ich das große Glück, dass das Leben eine solche Aufgabe für mich vorgesehen hat. Zum anderen wäre dieser Erfolgsweg ohne die Unterstützung meiner Mannschaft bei Boysen nicht möglich gewesen."

Zudem mache ihm die Ehrung deutlich, "dass sich meine Schaffenszeit zwar langsam, aber unaufhaltsam dem Ende entgegen neigt". Gleichwohl habe er der Bitte des Verwaltungsrates des Stiftungsunternehmens entsprochen, die Geschicke der Boysen Gruppe auch in den nächsten Jahren zu lenken, "um vor allem die notwendige Transformation von der Abgastechnik hin zu neuen Geschäftsfeldern zu begleiten".

Riegger: "Ein klares Bekenntnis zu unserer Region"

Dass ihm auch dies gelingen wird, steht für Landrat Helmut Riegger außer Frage: "Rolf Geisel hat dieses Unternehmen schon immer erfolgreich durch hohe See geführt. Immer vorne, immer mit neuen Geschäftsideen und hohem persönlichen Einsatz." Besonders erfreut zeigte sich Riegger, dass Rolf Geisel als Chef des größten Arbeitgebers im Landkreis Calw trotz aller Erfolge nie seine Heimat aus dem Blick verloren habe: "Ihr jahrzehntelanges Wirken ist vor allem eines: Ein klares Bekenntnis zu unserer Region."

Glückwünsche an den Geehrten und zum großen Jubiläum der Boysen Gruppe überbrachte auch die Präsidentin der IHK Nordschwarzwald, Claudia Gläser: "Rolf Geisel und Boysen haben vor allem in Krisenzeiten wie diesen stets gezeigt, was ein Technologieunternehmen ausmacht. Auch jetzt gibt das Unternehmen innovative Antworten auf die Fragen unserer Zeit. Deshalb steht zum Beispiel die Wasserstofftechnologie ganz oben auf der Agenda dieses Weltkonzerns, dem seine Heimatregion viel zu verdanken hat."

Von allen Gästen einen tagesaktuellen, negativen Schnelltest verlangt

Darüber hinaus wurden mit Wolfram Benedikter, Ulrich Großmann und Thomas E. Wurster drei Führungskräfte in den Ruhestand verabschiedet, die die Geschicke der Boysen Gruppe jeweils über rund 30 Jahrzehnte an entscheidender Stelle mitgeprägt haben.

Offen sprach Rolf Geisel an, dass man sich mit der Entscheidung, "in diesen Zeiten überhaupt einen solchen Festakt durchzuführen", nicht leichtgetan habe: "Vor wenigen Wochen schien es noch, als ob Deutschland die Pandemie im Griff hat, ehe die Zahlen in den Tagen vor unserer Feier rasant gestiegen sind. Damit unser Jubiläumsjahr noch einen würdigen Abschluss finden konnte, haben wir die 3G-Regelung verschärft und von allen Gästen einen tagesaktuellen, negativen Schnelltest verlangt."