Christian Buck, der aus Weil am Rhein stammende Leiter der Politischen Abteilung für Nah- und Mittelost, Afrika und Lateinamerika im Auswärtigen Amt in Berlin, zieht nach Brüssel um.
Der promovierte Politik- und Wirtschaftswissenschaftler, der vor seiner Karriere als Spitzen-Diplomat nach dem Abitur am Kant-Gymnasium und dem Bundeswehrdienst ein Redaktionsvolontariat bei der Weiler Zeitung absolviert hatte und unlängst 60 Jahre alt geworden ist, wird zum 1. Juni bei der Nato als Beigeordneter Generalsekretär für Operationen tätig sein. Damit rückt Christian Buck in den obersten zivilen Führungskreis der Nato auf.
Der ehemalige Weiler wird der erste Europäer sein, der diesen verantwortungsvollen Posten inne hat. „Inhaltlich werde ich Generalsekretär Mark Rutte, den Nato-Rat, die militärischen Kommandostrukturen und die Alliierten zu allen Fragen von Einsätzen und Übungen beraten“, sagt Christian Buck, der erst am zurückliegenden Wochenende seine Eltern in der Grenzstadt besucht hat.
Hohe Anforderungen
Nato-Generalsekretär Rutte teilte jetzt die Berufung von Christian Buck, der sich bei einem internationalen Auswahlverfahren mit hohen Anforderungen für diese Spitzenposition beim westlichen Verteidigungsbündnis durchgesetzt hat, offiziell mit. Der Top-Diplomat, der erst vergangene Woche noch Außenminister Johann Wadephul auf dessen Marokko-Reise begleitete, bringt für diese Aufgabe große Erfahrungen aus Krisengebieten mit. Mit der Besetzung dieser Position will das Auswärtige Amt seine deutsche Präsenz in der Nato-Spitze stärken.
Christian Buck kann auf eine gradlinige, steile Karriere zurückblicken. Der ehemalige Weiler hatte Wirtschaftswissenschaften in Basel, Englisch in New York, Internationale Beziehungen in Niigata (Japan) und Internationale Politik in Berlin mit dem Abschluss einer Promotion (Dr. phil.) studiert. Ausgestattet mit solch umfangreichem und profundem Wissen, waren seine diplomatischen Stationen und Führungspositionen unter anderem: Ständiger Vertreter an der Deutschen Botschaft in Kabul, stellvertretender Leiter des Arbeitsstabs Afghanistan-Pakistan, Leiter des Strategiereferats 300 für Schwellenländer, Leiter des Krisenreaktionszentrums im Auswärtigen Amt, Leiter des Krisenreaktionszentrums in Berlin, Botschafter in Libyen, Krisenbeauftragter und Nahostdirektor im Rang eines Botschafters und seit 2022 Leiter der Politischen Abteilung 3 (Afrika, Lateinamerika, Nah- und Mittelost) im Auswärtigen Amt. Er verfügt dadurch über eine ausgezeichnete Erfahrung, gerade auch in Krisengebieten dieser Welt.
Umzug nach Brüssel
Für seine neue Aufgabe bei der Nato hat Außenminister Wadephul Christian Buck, der fünf Sprachen spricht, für zunächst drei Jahre beurlaubt. Im Brüsseler Nato-Hauptquartier, wo insgesamt rund 4000 Mitarbeiter tätig sind (2000 zivile und militärische Beschäftige der Nato und weitere 2000 Angehörige der ständigen Vertretungen der Mitgliedstaaten), wird Buck als Beigeordneter Generalsekretär für Einsätze und Übungen die Abteilung Operationen mit 210 Mitarbeitern leiten und einer von sechs Abteilungsleitern sein, die zum obersten zivilen Führungskreis (Top 10) der Nato gehören. Der zivile Rang entspricht einem Dreisterne-General. Christian Buck, der Oberstleutnant der Reserve ist, wird nun mit seiner Frau Christiane, geborene Wolf, die ebenfalls aus Weil am Rhein stammt, von Berlin in die belgische Hauptstadt umziehen. Christiane Buck arbeitet an Brennpunkten der Welt, unter anderem als Wahlbeobachterin für die Sonderbeobachtermission (SMM) der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).
Ukraine ein Schwerpunkt
„Brüssel kenne ich ja schon aus meiner Zeit als deutscher Vertreter in EU-Arbeitsgruppen. Das ist eine sehr angenehme Stadt mit vielen internationalen Leuten – und gutem Essen. Mit dem Zug sind es weniger als sechs Stunden von Weil über Köln oder Paris“, sagt der 60-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung und fügt hinzu: „Ich freue mich auf meine neue Aufgabe beim erfolgreichsten Verteidigungsbündnis der Welt. Für unsere Sicherheit steht gerade viel auf dem Spiel, und es wird künftig mehr auf uns Europäer ankommen. Wir müssen die Nato stärken und mehr Verantwortung übernehmen. Mein künftiger Posten gehört dazu.“
Dienstaufsicht für mehrere Missionen
Schwerpunkt seiner neuen Tätigkeit wird derzeit die Unterstützung für die Ukraine sein. Zunehmend wichtig werden laut Buck auch die militärischen Aktivitäten zum Schutz des Bündnisgebiets in der Ostsee, der Arktis und dem Mittelmeer. Die Abteilung Operationen habe zudem die Dienstaufsicht über die Nato-geführte Mission KFOR im Kosovo und die Nato-Mission Irak (NMI).
„Der Wechsel aus dem deutschen System, aus der Beamtenlaufbahn in eine internationale Organisation, wo ich täglich mit Kollegen aus 32 Mitgliedstaaten arbeite, ist natürlich eine Herausforderung. Das macht es ja gerade so spannend. Auch inhaltlich muss ich jetzt ganz viel ganz schnell lernen. Aber das schaff ich schon“, erklärt der Spitzen-Diplomat zu seiner bevorstehenden neuen und alles andere als leichten Aufgabe.