Mit dem Stück „Perpetuum Mobile“ gastierte das Ensemble des Theater Baal in Schuttern. Die Schauspieler setzten auf Komik und reichlich Skurrilität.
Der Pfarrgarten wurde nach 22 Jahren wieder zur Freilichtbühne. Theaterfreunde erlebten am Wochenende einen vergnüglichen, komödiantischen, skurrilen und nachdenklichen Abend. Das Theater Baden-Alsace („Baal“) feiert in diese Jahr mit dem Stück „Perpetuum Mobile“ ein wahrhaftes Sommerspektakel.
Das Perpetuum Mobile, die Vision von einer Maschine, die ohne Energie funktioniert, nahm die Theaterfreunde mit. Die Geschichte orientiert sich an Paul Scheerbart, einem Schriftsteller und fantastischen Literaten, der Anfang des 20. Jahrhunderts lebte. Scheerbart hat Kreise gemalt, die an Mickey Maus erinnerten, Pläne ausgearbeitet, die allesamt gescheitert sind. Aber nach ihm sind auch viele andere gekommen. Mittels eines Systems von Rädern, Hebeln und Lasten sollte sich das Perpetuum Mobile fortbewegen und die Elemente der Physik aussetzen.
Alles beginnt mit einem kurzen Telefonat und der Absage eines Caterers, was das Publikum in die Gegenwart holt. Ein leicht beschwingter Walzertanz fügt sich an. „Heute ist der 110. Todestag von Paul Scheerbart, verkündet Professor Kuno Küffer (Artur Ganter). Die Gruppe beginnt nachzurechnen. „Dann verstarb Paul Scheerbart als mein Opa in der Wiege lag“, stellt Sancho Mendez (José Manuel Ortiz) fest.
Anhänger wollen ihrem Idol huldigen
Es ist eine Fangemeinde von Paul Scheerbart, die ihrem Idol nachhängt und ihn ehren möchte. Tragen lassen sie sich von einer Gedankenwelt, die das Unmögliche möglich machen könnte. Gemeinsam gehören sie dem „Paul Scheerbart Gedächtnisclub“ an. Gefeiert werden soll das Richtfest eines „Paul-Scheerbart-Memoriam.“
Verrückte und chaotische Wortspiele und Songs aus der Alltagswelt bestimmen den beschwingten Rhythmus des Stücks. Sandra Meinig (Benedict Haefner) leidet seit neun Jahren an einer Schreibblockade. Lenchen Süß (Valentine von Hörde) aus dem Elsaß malt und schreibt fantastische Bilderbücher und stimmt ein Ave-Maria für die Verstorbenen an. Auf dem stimmlichen Weg nach oben bricht ihr die Stimme weg. Plötzlich klopft es aus der Skulptur. Mit gewaltiger Präsenz kraxelt Scheerbart aus seiner Gedächtnisskulptur heraus und stellt fest: „Ihr baut mir ein Denkmal und ich vergammle.“ Er verlangt eine Butterstulle. Leider hat der Caterer abgesagt.
Scheerbart (Tom E. Salminen) kommt, „um die Welt vor dem Untergang zu retten.“
Stück überzeugte mit Witz und Absurdität
Das Perpetuum Mobile vergleicht er mit einem „kosmologisierenden Walzer.“ Seine Zeichnungen verteilt er, will überzeugen und steht für die menschliche Genialität. Immer wieder steht im Zentrum der Wunsch: „Die Welt etwas besser zu machen.“ „Früher versetzte man Uhren, heute sind es Berge.“
Zwischendurch flossen bekannte Songs ein, die Bodo Bimmerle (Christoph Hüllstrung) auf dem Keyboard anstimmte. „Physik war gestern. Heute ist Perpetemotik.“ Im Grunde erweise sich das riesige Ei, das einem Menschenkopf gleicht, als zu klein für einen neuen gewaltigen Schöpfungsakt. Schließlich „war am Anfang das Genie.“
Die Gäste erlebten einen Theaterabend der ganz besonderen, abgehobenen Art und feierten das Theater mit begeistertem Applaus. Es gilt: „Der Geist lebt, auch wenn das Perpetuum Mobile verreckt. Der Geist kann explodieren, ohne Schaden daran zu nehmen, kann Phrasen dreschen, Ideen brüten, Quatsch ohne Blödsinn verzapfen“, sagte Scheerbart und ergänzte: „Was wäre Einstein ohne meine Genialität?“ Es brauche nicht viel: „Eine zweite Erde gibt es nicht, also macht was draus und lasst uns tanzen, essen, trinken und feiern“.
Weitere Aufführungen
Wer das „Perpetuum Mobile“ in Schuttern verpasst hat, kann sich auf weitere Tourstopps in der Ortenau freuen. Weitere Aufführungen sind am: 25. Juli, 20 Uhr, auf dem Mostmeierhof in Hausach, am 26. Juli, 20 Uhr im Landelins Garten in Ettenheimmünster und am 1. August auf der Reitanlage in Meißenheim. Alle Tourdaten finden sich auf der Internetseite des Theater Baal.