Der Müllheimer Tilo Wachter mit seinen Hang-Instrumenten Foto: Birgit-Cathrin Duval

Als der Müllheimer Tilo Wachter vor 25 Jahren ein ufo-förmiges, metallenes Musikinstrument entdeckte, ahnte er nicht, dass es sein Leben grundlegend verändern wird.

Den Musiker, Sänger und Komponist Tilo Wachter auf ein bestimmtes Genre festzulegen? Unmöglich. Das würde ebenso scheitern, wie seinen Lebensweg in drei Sätzen aufzuzählen. Dennoch ein Versuch: Er ist ein Wegbereiter, der mit feinem Gespür, Sprachklängen und Stimmungen seinem Publikum einen Raum öffnet und seine Zuhörer mit meditativen Klangreisen in ein neues Hör-Bewusstsein führt.

 

Wachters Liebe gilt der Perkussion, also alles, was durch Schlagen, Schütteln, Reiben oder Schaben Klänge erzeugt. Dazu zählen neben Trommeln, Bongos, Congas, Glocken insbesondere das armenische Nationalinstrument Duduk und das Saiteninstrument Kotamo – und die Hang.

Schlagzeuger werden, das wollte der heute 58-jährige gebürtige Müllheimer bereits als Kind. Die Eltern verwehrten es ihm, also setzte er sich an die Hammond-Orgel seines Vaters, nahm Unterricht an der Orgel. Als Teenager entdeckte er bei seinem Kölner Onkel Bongos.

Ab da gab es kein Zurück mehr. Tilo Wachter hatte seine Berufung entdeckt, wurde Perkussionist, später folgte ein Studium in Filmmusik und Theater, er war er als Trainer und musikalischer Leiter vieler internationaler Performance- Tanz und Musikprojekte weltweit tätig.

Die Musik ließ ihn nicht los

Dann folgte ein abruptes Ende mit der Musik. Tilo Wachter verließ Köln, arbeitete in einem großen landwirtschaftlichen Betrieb, fand eine neue Erfüllung in der Arbeit im Stall und mit Kühen. Doch die Musik ließ ihn nicht los, er brach die Landwirtschaftslehre ab, um in Rotterdam Latinpercussion zu studieren. Eine Krankheit beendete frühzeitig das Studium. 1994 zog er zurück in die badische Heimat, gründete eine eigene Schule für Percussion-Performance.

Dann – um die Jahrtausendwende – die Entdeckung. Die Hang, berndeutsch für Hand, auch als Handpan bezeichnet. Ein neues, einzigartiges akustisches Instrument, erfunden und gebaut in der Schweiz. Ein blecherner Klangkörper aus zwei zusammen gesetzten Kugelsegmenten, in das acht Klangfelder gedengelt sind. Ein Instrumentenverkäufer stellte ihm das neuartige Instrument vor und wollte seine Meinung als Musiker dazu hören.

„Mich hat es wie einen Blitz getroffen. Das habe ich immer gesucht“, beschreibt Tilo Wachter sein Erlebnis, als er dem Metallstück mit seinen Händen sphärisch-mythische Klänge entlockt. Die Hang wurde zu seiner Offenbarung.

Der Klang löst etwas aus

Als ihn ein schwerer Schicksalsschlag traf, spielte er stundenlang, spielte sich den Schmerz von der Seele, spürte, wie ihn die Klänge auf eine vielschichtige emotionale, tranceartige Weise berühren. Tilo Wachter erlebte durch die Klänge Heilung – seelisch wie auch körperlich.

2002 spielte er die Hang erstmals öffentlich, bei einem Dorffest in Niederweiler. Wo zuvor „in der Halle ein einziges Tohuwabohu“, herrschte, sei es augenblicklich völlig still geworden, erinnert er sich. Damals sei ihm bewusst geworden, dass der Klang etwas im Zuhörer auslöst, dass er es mit viel Respekt spielen muss. Seine Zuhörer will er keinesfalls in eine „esoterische Starre“ führen.

„Musik hat ganz viel mit Emotion zu tun, es spricht das Mentale, das Emotionale und das Körperliche an“, sagt Wachter. Mit den Hang-Konzerten, die er in freier Natur oder in Kirchen spielt, will er den Zuhörern durch die emotionalen Klänge einen neuen Zugang ermöglichen, der über das verkopfte Hören hinausgeht.

Klangerlebnis versetzt Leute ins Staunen

Die Hang, sagt Wachter, sei ein so neuartiges Instrument, es gebe kaum eine Hörerfahrung damit. Es sei dieses neue Klangerlebnis, das die Leute ins Staunen versetze.

Seine weit über 30-jährige Berufserfahrung in Theater, Film, Musik und Pädagogik führte Tilo Wachter schließlich zur Traumatherapie. Hier setzt er sein Wissen in Verbindung mit Therapeuten bei der ganzheitlichen Körper- und Bewusstseinsarbeit ein.

Während seiner Hang-Konzerte setzt er seine Stimme in einer von ihm erfundenen Sprache (Gromolo) ein. Mit Gesang und sphärischen Klängen nimmt er seine Zuhörer mit auf Hörreisen, auf denen er innere Bilder und Stimmungen erzeugt. Bewusstes Atmen, das Spüren des Körpers und Hören der meditativen Klänge erschaffe eine Präsenz, einen Dialog. So entstünden wahrhaft beglückende, entspannte Konzert-Momente zwischen Musiker und Zuhörer.

Weitere Informationen gibt es unter www.hang-in-concert.de.