Auf die Frage, ob es in Deutschland ein einheitliches Abitur geben soll, kann man entweder nach links wischen (für nein) oder nach rechts (für ja). Foto: Jonas Köhler/Collage: Alexander Blessing

Die Bundestagswahl steht am 23. Februar an. Die App Wahl-Swiper bietet Wählern eine Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von Uwe Wagschal, Politikwissenschaftler der Universität Freiburg.

Nach links wischen für Ablehnung und nach rechts wischen bei Zustimmung. Die Funktion der Wahl-Swipe-App ist schnell erklärt. Sie soll bei der Wahlentscheidung helfen und weitere Infos zu den Themenfeldern liefern. Die Idee dazu ist Matthias Bannert und seinen Freunden, dem Web-Entwickler Max Mitschke und dem Videografen Steven Siebert, zur Bundestagswahl 2017 gekommen. „Wir wollten unser Können für Demokratie und politische Bildung nutzen“, blickt Bannert zurück. Deshalb haben sie zur Bundestagswahl 2017 eine App entwickelt, die Wählern bei der Entscheidungsfindung helfen soll. Durch die positive Resonanz der Nutzer sei auch der Politikwissenschaftler der Uni Freiburg, Uwe Wagschal, auf das Projekt aufmerksam geworden. Er und sein Team haben im Anschluss die wissenschaftliche Betreuung des Projekts übernommen. Der Wahl-Swiper wurde seitdem zu allen Landtags- Europa- und Bundestagswahlen angeboten sowie ins Ausland gebracht.

 

38 Fragen geben den App-Nutzern eine Orientierungshilfe

Zur vorgezogenen Bundestagswahl 2025 bietet der Wahl-Swiper erneut eine interaktive und wissenschaftlich fundierte Wahlentscheidungshilfe für Wähler in Deutschland. Die kostenlose App führt Nutzer durch relevante politische Fragestellungen und zeigt auf Basis ihrer Antworten, welche Parteien am besten zu ihren Ansichten passen. Ihre Antworten werden mit den offiziellen Parteipositionen zu diesen Fragen, die vorab von allen Parteien erfragt wurden, abgeglichen und die Übereinstimmungen in Prozent dargestellt. „Unsere Plattform hilft den Wählern, sich auf Basis wissenschaftlicher Methoden eine fundierte Meinung zu bilden und politische Programme besser zu verstehen“, bekräftigt Wagschal.

Insgesamt haben 27 der 29 Parteien, die bei der Bundestagswahl antreten, Antworten auf die Fragen des Wahl-Swiper geliefert. Dabei hat das Team um Wagschal auch neue Fragen eingespielt, die auf die aktuellen Herausforderungen eingehen. So beziehen sich die 38 Fragen auf die aktuelle Energie, Migrations-, Verkehrs-, Wirtschafts), und Verteidigungspolitik.

Wagschal wertet die Antworten der Parteien auch wissenschaftlich aus. So sind sich SPD und Grüne in ihren Positionen mit 89,5 Prozent einheitlicher Antworten am ähnlichsten, dicht gefolgt von SPD und Linken, Grünen und Linken aber auch CDU/CSU und AfD (jeweils 78,9 Prozent gleiche Antworten). Besonders große Uneinigkeit herrscht hingegen zwischen Linken und CDU/CSU sowie AfD (je 15,8 Prozent gleiche Antworten). „Die Antworten der Nutzer sind komplett anonymisiert“, erklärt Bannert vom Verein Vote-Swipe.

Die App soll dabei eine Ergänzung zu den bekannten Modellen, wie etwa dem Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung darstellen. sagt Bannert. „Die Hauptunterschiede zu anderen sind, dass wir die Fragen nicht nur stellen, sondern die Hintergründe auch mit Erklärtexten verständlich machen, dass die App mehrsprachig ist und dann wir uns auf Ja und Nein fokussieren, weil wir glauben, dass ein ,neutral’ bei der Wahlentscheidung weniger hilft“, erklärt Bannert. Zudem agieren sie als gemeinnütziger Verein, der sich durch Spenden finanziert. Hinter dem Wahl-Swiper für die Bundestagswahl und den Landtagswahlen stecken keine staatlichen Mittel, ergänzt er.

Der Wahl-Swiper kann kostenlos im App Store und unter www.voteswiper.org heruntergeladen werden.